Der balsamische Mond

03. Dez 2010 – 11:08:42

Als ich heute Morgen gegen 7.00 Uhr die Jalousien hochzog, fiel mir ein hell leuchtender Stern auf. Ich weiß natürlich: so hell leuchtet kein „Stern“, das ist die Venus! Ein wunderschöner, strahlender Morgenstern. Etwas tiefer entdeckte ich die ganz schwach leuchtende Mond-Sichel: der balsamische Mond.

Balsamischer Mond am 3.12.2010

Balsamischer Mond am 3.12.2010

Auf der nebenstehenden Abbildung des Sternenhimmels für diesen Moment, die ich mit der Software Stellarium erstellt habe, ist die Mondsichel unten links kaum noch erkennbar. Sie wirkte unter der hell strahlenden Morgen-Venus wie dahingehaucht und in Auflösung begriffen.

Der Astrologe Dane Rudhyar schrieb über den balsamischen Mond in seinem Buch Der Sonne-Mond-Zyklus:

Doch der Mond nähert sich dem Ende seines Zyklus‘ und hat die balsamische Phase hinter sich. Am Himmel ist er dann als „alte Sichel“ zu sehen, die in der Morgendämmerung fast verschwindet.

Balsamischer Mond 3. Dez. 2010Freigabe ist das Stichwort für die balsamische Phase des Mondes (die letzten drei Tage vor Neumond). Dies ist eine nach innen gerichtete und zurückgezogene Phase, in der wir uns von unnötigem Ballast trennen können, bevor der neue Zyklus ab Neumond mehr oder weniger unbelastet beginnt. Was jetzt zählt, spielt sich nicht draußen sondern im Innern ab. Dort keimt die Sehnsucht nach dem Neuen, nach einem Neuanfang. Idealerweise spüren wir, was diesem Neuanfang im Wege stehen könnte und geben dies frei.

Gleichzeitig wird in dieser Zeit bereits der Same für den neuen Zyklus gelegt, meist ohne unser bewusstes Zutun. Damit dieser neue Same nährstoffreichen Boden zum Keimen und Wachsen im folgenden Zyklus vorfindet, ist es ebenfalls wichtig, sich von überlebten, abgestorbenen Dingen und Strukturen zu trennen. Auf physiologischer Ebene ist die balsamische Mond-Phase beispielsweise eine ideale Fasten-Zeit, um den Körper von Giftstoffen zu entschlacken.

Novalis

Novalis

Beim morgendlichen Anblick der Venus und des dahinsterbenden Mondes kommt mir unwillkürlich der Dichter Novalis und seine „Hymnen an die Nacht“ in den Sinn. Wie stimmig, dass er während eines balsamischen Mondes, also kurz vor Neumond, zur Welt kam.

Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? Unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. – Ewig ist die Dauer des Schlafs.

Literatur-Tipp:
Dane Rudhyar: Der Sonne-Mond-Zyklus
Novalis: Hymnen an die Nacht

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