Astrologie – Die Planeten als göttliche Schöpfung

PlanetenIn Indien wird Astrologie mit Jyotish bezeichnet: „Licht“ oder „Himmelskörper“. Jyotish ist das Wissen vom Licht, jenes Licht, das die Himmelskörper (in erster Linie die sichtbaren Planeten, aber auch die Fixsterne) auf die Erde reflektieren. Die Astrologie ist Teil der Vedangas. Das sind Wissenschaften, die dem Verständnis des Veda („das Wissen“) dienen sollen, einer Sammlung intuitiver Offenbarungen des Göttlichen, die auch heute noch die Basis der Philosophie und der Religionen in Indien bilden. Der Veda selbst gilt als Shruti, „das Gehörte“ (in einer Offenbarung des SonneGöttlichen), während die Vedangas  zu den Smriti gehören, „das Erinnerte“. Sie haben nur dann Autorität, wenn sie den Lehren des Veda nicht widersprechen. Es ist deshalb korrekt, die Astrologie Indiens als Vedische Astrologie zu bezeichnen, solange sie sich auf die Smriti bezieht.

Brihat Parashara Hora Shastra

Die heute praktizierte Vedische Astrologie basiert auf mehreren alten Urtexten, allen voran auf dem Brihat Parashara Hora Shastra. In Indien war es in der Antike üblich, wichtige Informationen stets mündlich weiterzugeben. Erst sehr spät machte man sich die Mühe, das Wissen auf Palmblättern schriftlich festzuhalten. Die Lehren (Shastra) des Großen Parashara (Brihat Parashara) über die Zeit (Hora als Verkürzung von ahoratra: „Tag und Nacht“, oder auch als griechisches Lehnwort für „Stunde“) sind uns heute bekannt durch Niederschriften im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. in Form eines Lehrgesprächs zwischen dem Schüler Maitreya und dem großen Weisen Maharishi Parashara. Es ist zu vermuten, dass diese Texte Kopien noch früherer Aufzeichnungen waren, die bis heute jedoch noch ihrer Entdeckung harren.

Im ersten Kapitel dieser Abhandlung informiert Parashara seinen Schüler über wichtige Aspekte der Schöpfung, unter anderem:

Chapter 1: The Creation

20. Lord Vishnu, coupled with Sri Shakti, rules over the three worlds. Coupled with Bhoo Shakti, He is Brahma causing the Universe. Coupled with Neel Shakti, He is Shiva, destroying the Universe.

21-24. The Lord is in all beings and the entire Universe is in Him. All beings contain both Jivatma and Paramatmansas. Some have predominance of the former, while yet some have the latter in predominance. Paramatmans is predominant in the Grahas, viz. Surya etc. and Brahma, Shiva and others. Their powers, or consorts too have predominance of Paramatmans. Others have more of Jivatmans.

Vishnu

Vishnu

Vishnu wird als zentraler Gott dargestellt, der gemeinsam mit seiner Shakti (seiner schöpferischen „weiblichen“ Kraft) über die drei Welten herrscht. In Verbindung mit Bhu Shakti handelt er als Brahma, der Schöpfer des Universums und in Verbindung mit Nil Shakti ist er Shiva, der Zerstörende.

Vishnu ist in allen Lebewesen gegenwärtig, und das Universum ist in ihm. In allen Lebewesen ist JivaAtman und ParaAtman enthalten, mal von dem einen mehr und von dem anderen weniger. JivaAtman ist das individuelle (höhere) Selbst, ParaAtman das universelle Selbst. In den Grahas (die Sanskritbezeichnung für Planeten) überwiegt ParaAtman, der Aspekt der universellen Seele. Die Planeten bringen also Aspekte des universellen Selbst zum Ausdruck, der Welt-Seele, der zentralen Gottheit, die alles erschaffen hat.

Dass die Planeten an erster Stelle erwähnt werden, und nicht die Tierkreiszeichen oder Häuser, unterstreicht ihre fundamentale Bedeutung für die Astrologie. Ohne Planeten gäbe es keine Astrologie.

Der Text bringt im weiteren neun der zehn Inkarnationen Vishnus (seine Avatare) mit den Planeten in Zusammenhang:

3-4. The Supreme Unborn Spirit has many descents. He is Janardana, in the form of the Grahas, rewards the fruits of the Karma of the Living Beings.

Destroying the strength of the Daityas, increasing the strength of the Devas, aiming to establish Dharma, the Auspicious Births proceed regularly from the Grahas.

5-7. The Avatara Rama from the Sun, from the Moon – the Yadu Lord  (Krishna), Narasimha from Mars, Buddha from Mercury, Vamana from Jupiter, Parashurama from Venus, Kurma from Saturn, from Rahu – Sukara (Varaha), and from Ketu the Avatara Miina, and all others are also planetary born.

Der ungeborene höchste GEIST (der ewig nicht inkarnierte Anteil seiner Essenz) inkarniert sich in den Planeten, um mit ihrer Hilfe den Lebewesen (den sterblichen Menschen) die Früchte ihres Karmas zu übermitteln. Das Ziel ist, den Dharma aufrecht zu erhalten, indem die Kraft der Daityas (Dämonen) zerstört und die Kraft der Devas (Götter) vermehrt wird.

Krishna als Vishvarupa

Krishna als Vishvarupa

Avatare sind ebenfalls Manifestationen des Einen Göttlichen (oder seiner Aspekte) in einem Menschen oder auch in einem Tier. Es ist daher nur folgerichtig, dass Parashara sie mit den Planeten in Verbindung sieht. Aus der Sonne ging der Avatar Rama hervor, der Held des Epos Ramayana. Aus dem Mond der Avatar Krishna, der Verkünder der Bhagavad Gita. Aus Mars der Avatar Narasimha, der Mann mit dem Löwenkopf, der einen Dämonen tötet. Aus Merkur der Avatar Buddha, der Erwachte. Aus Jupiter ist sein Avatar Vamana hervorgegangen, der Zwerg, der zum Riesen heranwächst. Der Avatar der Venus ist Parashurama, der Held Rama mit der Axt als Rächer eines Mordes an einem Brahmanen. Saturns Avatar ist die Schildkröte Kurma. Rahus (der nördliche Mondknoten) Avatar ist das Schwein Varaha. Für Ketu, den südlichen Mondknoten, inkarnierte sich Vishnu als Matsya, der Fisch (Miina).

Those with ParaAtma as the larger portion are all known as the heavenly. Those with Jiva as the larger portion are known as the living beings. The ParaAtma portion has gone forth from the Grahas, the Sun etc. and given birth to Rama, Krishna, and all Avataras. Then they are absorbed at their end after concluding their purifying business. The Jiva Portion goes forth and is born as humans, etc. Similarly, these also then melt at their end into the imperceptible.

23. All the Grahas the Sun, etc. Brahma, Shiva, etc. these and others are more ParaAtma abundant.

Die Lebewesen mit einem höheren Anteil an ParaAtman sind göttliche Wesen (Devas). Der ParaAtman der Planeten inkarnierte sich in den neun Avataren. Jene Lebewesen mit einem größeren JivaAtman-Anteil sind Sterbliche. Der JivaAtman-Anteil der Grahas (Planeten) inkarniert sich als Mensch und führt sein Leben in Übereinstimmung mit seinem Karma. Nachdem diese Aufgabe erfüllt ist, kehrt der JivaAtman der Planeten wieder zu den Planeten zurück. Wenn eines Tages die Zeit der Großen Zerstörung am Ende eines Kalpas gekommen sein wird, werden alle Planeten wieder mit Vishnu verschmelzen. Zurück bleibt nur der Ozean, der so lange „wüst und leer“ bleibt (das biblische Tohuwabohu), bis aus Vishnus Nabel wieder das Lotosblatt mit Brahma entsteht, der nach einer 1000jährigen Meditation die Schöpfung wieder in Gang bringt (siehe auch: Vedische Götter und Uranus, Neptun und Pluto).

Dieser Lehre Parasharas zufolge sind die Planeten Aspekte des einen göttlichen Bewusstseins, der universellen Seele (ParaAtman). Diese unterschiedlichen Aspekte des göttlichen Seins haben zur Aufgabe, die dämonischen („üblen“ => schwierig, unerwünscht = Daityas) Kräfte zu zerstören und die göttlichen Wesen (die guten, erwünschten, göttlichen = Devas) zu erhalten und zu fördern, und in diesem Kontext den Menschen mit seinem Karma zu konfrontieren, das seine Ursachen in vergangenen Gedanken und Handlungen hat.

 

Parallele zur Astrologischen Psychologie

Fünf Schichten

Fünf Schichten (API-Bildarchiv)

Der Schweizer Astrologe Bruno Huber fasste die Planeten als Funktionsorgane auf, als Wesenskräfte, die in jedem Menschen wirken und die mit kosmischen Energien übereinstimmen. Vishnu im Sinne von Brahman bzw. ParaAtman hätte in Bruno Hubers Modell der Fünf Schichten im Horoskop seinen Sitz im Kreis in der Horoskopmitte. Da gemäß Veda die zentrale Gottheit Brahman eins ist mit Atman (so wie laut Neuem Testament der „Vater im Himmel“ und der „Sohn“ eins sind), ist die Kreismitte des Horoskops gleichzeitig der Ort der individuellen Seele, des JivaAtman. In der Huberschule wird der Kreis in der Mitte schlicht Wesenszentrum genannt, womit das gemeint ist, was gemeinhin unter der unsterblichen Seele verstanden wird, oder dem Höheren Selbst in der Transpersonalen Psychologie. Diese Kreismitte, genauer der JivaAtman in ihr, ergreift nun bildlich gesprochen die Planeten als Werkzeuge, als Funktionsorgane, um in der Welt zu agieren und zu reagieren.

Die Aufgabe der Planeten

Navgraha

Fünf der „Navgraha“

Der Sanskritbegriff für Planeten Graha lässt sich mit „greifen, ergreifen“ übersetzen. In Indien versteht man dieses Greifen der Planeten als „Griff nach dem Karma“, das wir uns in der Vergangenheit angeeignet haben. Die Planeten ergreifen unser persönliches, familiäres oder durch eine Gruppenzugehörigkeit bedingte Karma aus dem großen Karmapool und werfen es uns als Schicksal vor die Füße, speziell in den Phasen, in denen diese Planeten gemäß Vimshottari Dasha ausgelöst sind. Gleichzeitig können die Planeten dabei helfen, das Unerwünschte zu zerstören und das Erwünschte zu erhalten und zu vermehren. Wenn wir uns jedoch ungeschickt anstellen, oder nicht wissen (Avidya), was wir tun, kann es uns auch passieren, dass wir das Wünschenswerte zerstören und das vermehren, was nicht wirklich hilfreich ist. Die Kenntnis (Vidya, „das rechte Wissen“) des Horoskops kann dies verhindern helfen. Nicht zuletzt deshalb gilt Jyotisha als Vedanga, eine Hilfswissenschaft zum besseren Verständnis des Veda.

Vier der "Navgraha"

Vier der „Navgraha“

Die folgenden Kapitel des Brihat Parashara Hora Shastra widmen sich dann detailliert den neun Planeten (sieben klassische, mit bloßem Auge sichtbare sowie die beiden Mondknoten). Erst dann folgen Kapitel über die Zeichen (Rashi), die Häuser (Bhava), die Aspekte (Drishti), die Yogaverbindungen, Auslösungen (Vimshottari Dasha) usw. Diese Reihenfolge ist kein Zufall. In einem vedischen Text ist nie etwas dem Zufall überlassen. Dass die Planeten gleich zu Beginn des Textes behandelt werden, bringt zum Ausdruck, dass sie der zentrale Faktor der Astrologie sind. Nicht die Zeichen oder die Häuser, sondern die Planeten sind der zentrale Angelpunkt, um den sich alles dreht, bzw. die sich buchstäblich um das Wesentliche drehen: um die Sonne, die in Indien Symbol für Atman ist.

Aspektbild

Aspektbild

Auch hierzu finden sich Parallelen in der von Bruno und Louise Huber entwickelten Astrologischen Psychologie. Die fünf Schichten im Horoskop bilden eine Art Hierarchie. Je näher eine Schicht dem innersten Kreis liegt, um so bedeutsamer und essentieller ist sie, weil näher an der Quelle allen Seins. Die dem Wesenszentrum nächste Schicht ist das Aspektbild, das von den Planeten gebildet wird. Ihre Interaktionen sind die prägendsten, und dem Geheimnis des JivAtmans kommt der API-Astrologe dann am nächsten, wenn er dieses individuelle Bild, das die Planeten gemeinsam erschaffen, als Grundlebensmotivation zu deuten weiß. Zeichen, Häuser und ihre Herrscher spielen demgegenüber in der Huber’schen Astrologie eine untergeordnete Rolle.

 

Die Ursprünge der Astrologie im Abendland

In Indien stand also seit jeher fest, dass die Astrologie eine Offenbarung göttlicher Weisheit ist, dass sozusagen Gott selbst über die Vorgänge am Himmel zu uns spricht. Nicht zuletzt deshalb besitzt sie in der indischen Gesellschaft auch heute noch einen sehr hohen Rang, auch wenn viele, die heute einen Astrologen aufsuchen, meist um Auskunft über eher profane, weltliche Themen bitten.

MULAPIN

Bei uns im Westen möchte man Astrologie demgegenüber zunächst als Erfahrungswissenschaft sehen. Im alten Sumer begannen Menschen, täglich den Nachthimmel zu beobachten, Aufzeichnungen darüber zu machen und Vergleiche mit dem Wetter oder mit den aktuellen Vorgängen im jeweiligen Königreich zu ziehen. Von den späteren Eroberern Sumers, den Babyloniern, wurde dieses Wissen ausgebaut und perfektioniert. Dann kamen die Griechen und verbanden das astrologische Wissen Babyloniens mit ihrer Philosophie und Mythologie.

Alexander der Große

Alexander der Große

Als Alexander der Große im 4. vorchristlichen Jahrhundert Ägypten besetzte, verband sich griechisches Wissen mit der damals schon uralten ägyptischen Kultur, woraus vermutlich das abendländische Offenbarungswissen der Hermetik hervorging, die Lehren des Hermes Trismegistos. Sie ist eine Mixtur alten Wissens aus Griechenland, aus Ägypten und in Teilen offenbar auch des altpersischen (babylonisch-sumerischen) Raumes. Inwieweit auch indisches Wissen aus dem Veda eingeflossen sein mag – Alexander der Große kam auf seinen Eroberungsreisen bis nach Indien – bleibt Spekulation. Immerhin – ganz ohne himmlische Offenbarungen geht es auch im Westen nicht.

Philosophische Grundlage der abendländischen Hermetik ist die smaragdene Tafel, die

Tabula Smaragdina

Auf ihr fußt in Europa neben der Alchemie auch die Astrologie. Sie verkündet:

1. Wahr, wahr, kein Zweifel darin, sicher, zuverlässig!
2. Siehe, das Oberste kommt vom Untersten, und das Unterste vom Obersten; ein Werk der Wunder von einem Einzigen.
3. Wie die Dinge alle von diesem Grundstoff durch ein einziges Verfahren entstanden sind.

Das Oben und das Unten bedingen sich gegenseitig, sie und alle Dinge in ihnen sind eine Manifestation des Einen.

4. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter der Mond; der Wind hat ihn in seinem Bauch getragen, die Erde hat ihn ernährt.

5. Er ist der Vater der Zauberwerke, der Behüter der Wunder, vollkommen an Kräften; der Beleber der Lichter.

6. Ein Feuer, das zu Erde wird.

7. Nimm hinweg die Erde von dem Feuer, das Feine von dem Groben, mit Vorsicht und Kunst.

8. Und in ihm ist die Kraft des Obersten und des Untersten. So wirst du zum Herrscher über das Oberste und das Unterste.

Weil mit dir ist das Licht der Lichter, darum flieht vor dir die Finsternis.

Tabula Smaragdina (Wikipedia)

Tabula Smaragdina (Wikipedia)

Der Text geht weiter mit den Polaritäten: von Sonne (der Tag) und Mond (die Nacht), der Elemente Luft und Erde. Ein Feuer, das zu Erde wird = Energie, die zur Manifestion drängt. Aufgabe („nimm hinweg“) ist, diese Manifestation wieder auf das ursprüngliche Feuer zurückzuführen, das Feine vom Groben zu trennen, um Herrscher über beides, über das Oben und Unten zu werden.

Die Sprache dieses alten Textes ist dunkel, und vielleicht wird der menschliche Geist diese Dunkelheit auch in weiteren zweitausend Jahren nicht bis in seine tiefste Tiefe erleuchten können. Fragt man jedoch heute einen Astrologen, warum Astrologie überhaupt funktioniert, wird immer wieder gerne die Tabula Smaragdina als Begründung angeführt.

 

Die Schöpfungsgeschichte im Alten Testament

Lucas Cranach: Die Schöpfung

Lucas Cranach: Die Schöpfung

Die Lektüre der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments kann ebenfalls einiges Wissen zum Ursprung der Astrologie beitragen. Das erste Kapitel der Genesis entstand unter dem Eindruck des Babylonischen Exils auf jüdische Schriftgelehrte im 6. vorchristlichen Jahrhundert. Es ist die jüdische Antwort auf babylonische Vorstellungen von Gott und der Schöpfung, die damals auf die jüdische Gesellchaft in Babylon offenbar einen attraktiven Charakter ausübte. Warum sonst hätten die jüdischen Schriftgelehrten der Schöpfungsgeschichte folgenden Text vorangestellt?

Es herrscht anfangs ein Tohuwabohu (Chaos) der Erde, über den Himmel erfahren wir zunächst nichts näheres außer, dass er gemeinsam mit der Erde erschaffen wurde.

1,1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;

1,2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

Dann geschieht etwas:

1,3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

Über den Urwassern der Erde war nun nicht mehr ausschließlich Finsternis, sondern es herrschte dort ab jetzt auch Licht.

1,4 Gott sah, dass das Licht gut war. […]

1,5 und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. […]

Die Polarität Licht und Finsternis, Tag und Nacht ist entstanden. Es folgen diesem ersten fünf weitere Schöpfungstage.

1,6 Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser.

1,7 Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es

1,8 und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag.

Der Urozean wird durch ein Gewölbe geteilt, das Himmel genannt wird. Am dritten Tag ruft Gott die Polarität von Land und Meer und die Pflanzenwelt in die Existenz. Am vierten Tage:

1,14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von Festzeiten, von Tagen und Jahren dienen;

1,15 sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, die über die Erde hin leuchten. So geschah es.

1,16 Gott machte die beiden großen Lichter, das größere, das über den Tag herrscht, das kleinere, das über die Nacht herrscht, auch die Sterne.

1,17 Gott setzte die Lichter an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde hin leuchten,

1,18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war.

1,19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag.

Die Lichter am Himmel sollen Zeichen sein. Das deutsche Wort Zeichen kommt aus indogermanisch dei für „hell glänzen“, „schimmern“, „scheinen“, und wird im Althochdeutsch zu zeihhan „Wunder“, „Wunderzeichen“. Dem deutschen Wort liegt ursprünglich die irdische Erscheinung einer höheren Macht zugrunde. (Wikipedia)

Dass Gott sich mit der Erschaffung des Himmelsgewölbes und von Sonne, Mond und Sterne einen ganzen Schöpfungstag Zeit lässt, ist bemerkenswert  und durchaus ein Hinweis, wie bedeutsam für die gesamte Schöpfung die Lichter am Himmel sind.

Michelangelo: Die Schöpfung

Michelangelo: Die Schöpfung

Dann schuf Gott am fünften Tag die Welt der Tiere zu Wasser und in der Luft, und schließlich am sechsten Tage die Tiere der Erde und den Menschen als sein eigenes Abbild (wobei Gott jetzt von sich im Plural spricht), als die Polarität Mann und Frau.

Purusha & Prakriti (www.sriautobindo.us)

Purusha & Prakriti (www.sriautobindo.us)

Im Hinduismus wird Gott tatsächlich als zwei in einem beschrieben: der männliche Purusha und die weibliche Shakti (auch Prakriti). Sie bilden eine Einheit, sie sind eins. Auch der Beginn der Schöpfungsgeschichte erinnert an indische Schöpfungsmythen (siehe Vedische Götter und Uranus, Neptun und Pluto).

Im Psalm 19 des Alten Testaments heißt es:

Der Himmel erzählt die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe (jenes, das am zweiten Schöpfungstage erschaffen wurde) verkündet seiner Hände Werk. Ein Tag sprudelt dem anderen Kunde zu, und eine Nacht meldet der anderen Kenntnis – ohne Rede und ohne Worte, mit unhörbarer Stimme.

Der Himmel erzählt „mit unhörbarer Stimme“ (dafür offenbar in Bildern, die in den unzähligen Mythen des Himmels verwoben sind) Gottes Werk. Auch hier wieder eine Parallele zu Indien: der Veda gehört zu den Shruti, „das Gehörte“.

Der Himmel trennt den Urozean in ein Oben (oberhalb des Himmelsgewölbes) und ein Unten (unterhalb des Himmelsgewölbes). Der Urozean ist im Ursprung jedoch eins. Vielleicht ist dies das Geheimnis der Geheimnisse der Tabula Smaragdina.

In der Summe ist festzustellen, dass den jüdischen Schriftgelehrten eine Umdeutung babylonischer Mythen und Vorstellungen im beabsichtigten Sinne nicht wirklich gelungen scheint. Dass der jüdische Gott JHWH die Erde in sieben Tagen erschuf und damit die babylonische Kalenderrechnung aufnimmt, erscheint fast wie eine Verneigung vor der babylonischen Kultur. Denn die Babylonier teilten schon damals den Monat in vier Wochen zu je sieben Tagen ein und ordneten jeden Tag einer anderen Gottheit zu. Die indische Astrologie setzt diese Tradition bis heute insofern fort, als sie die Planeten stets in der chaldäischen Reihenfolge aufzählt.

Vielleicht lässt sich der Wahrheitsgehalt der Mythen auch gar nicht im Sinne einer Ideologie umdeuten. Das Licht der Wahrheit scheint immer wieder auch durch den kleinsten Spalt hindurch, so wie man auch vedisches Wissen, die zeitlose Weisheit, im Abendland immer wieder finden kann, wenn man die Augen offenhält. Sogar das Neue Testament enthält eine Fülle vedischen Wissens.

Alles ist miteinander verwoben.

 

Das Wesen der Astrologie

camille-flammarion-l-atmosphereAstrologie, das Wissen von den Lichtern am Himmel, ist im Osten wie im Westen ein Geschenk Gottes an die Menschen. Astrologen, Jyotishi, diejenigen, die diese „unhörbare Stimme“ hören und den Menschen, die sie nicht verstehen, vermitteln können, seien es professionelle oder Hobby-Astrologen, tragen mit dieser Fähigkeit eine große Verantwortung. Am besten nutzen wir sie dazu, das Licht in den Menschen zu vermehren, Klarheit zu schaffen und die Finsternis der Unwissenheit (Avidya) zu vertreiben.

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