Fährunglück in Südkorea

Im letzten Blog-Artikel über das Mesha Sankranti für Korea (Widder-Ingress der Sonne) erwähnte ich bereits, dass dieses Jahr mit dem AC-Herrscher Jupiter im 8. Rashi (Zeichen) das Thema Tod in diesem Land eine wichtige Rolle spielen könnte. Nun ereignete sich am 16. April 2014 um 8.58 Uhr vor der Küste Südkoreas ein Unglück, bei dem vermutlich mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen sind, vor allem Kinder und Jugendliche einer südkoreanischen Highschool, die sich auf einem Schulausflug befanden.  

MS Sewol Untergang RadixDas Fährschiff MS Sewol fuhr im Gelben Meer nicht weit vom südkoreanischen Festland in Richtung Süden zur Ferieninsel Jejudo. Aus den Navigationsdaten weiß man inzwischen, dass die Fähre unmittelbar vor dem Unglück zwei radikale Kursänderungen durchgeführt hatte: 10 Minuten zuvor (08.48 Uhr) eine Änderung von rund 80° und sechs Minuten zuvor (08.52 Uhr) um weitere 130°. Vermutlich verrutschte durch die heftigen Bewegungen dieser Kursänderungen die Ladung auf der Fähre und führte zur Schieflage, die schon nach anderthalb Stunden zum Kentern führte. Möglich ist auch eine Kollision mit einem Felsen im Meer. Zum Zeitpunkt des Unglücks steuerte nicht der Kapitän das Schiff, sondern die wenig erfahrene 26jährige 3. Offizierin.

1. Kursänderung

1. Kursänderung

2. Kursänderung

2. Kursänderung

MS Sewol gesunken

MS Sewol gesunken

 

 

 

 

 

Der Ereignisaszendent im Zeichen Zwillinge (Herrscher Merkur ist klassischer Signifikator für Fähren und kurze Reisen) steht in Aspekt zu den Planeten des roten Leistungsvierecks. Insbesondere bei der zweiten Kursänderung um 08.52 Uhr stand Chiron gradgenau im Quadrat zur Horizontachse (15°40’ Zwillinge/Schütze), Merkur im Sextil/Trigon. Als das Schiff zu kentern begann, stand der Aszendent auf 17°11’ Zwillinge nur noch mit Mars und Chiron in fast gradgenauem Aspekt. Das Schiff begann sich relativ schnell zu drehen und stand bereits um 10.23 Uhr „kopfüber“ unter Wasser (AC 7° Krebs, MC 19° Fische).

Mesha Sankranti 2014 für Seoul

Mesha Sankranti 2014 für Seoul

Im indischen Mesha Sankranti für Seoul, der Hauptstadt von Südkorea, begann exakt in der Minute der ersten Kursänderung das Jupiter/Rahu/Ketu/Merkur Vimshottari Dasha. Jupiter als AC-Herrscher im 8. Rashi legt den Grundtenor bereits Katastrophen, Unfälle und den Tod. Außerdem ist Jupiter natürlicher Karaka für Kinder. Rahu und Ketu sind die beiden Mondknoten, die sich gemeinsam mit der Sonne und Mars im 5. und 11. Rashi vom Aszendenten befinden. Das 5. Haus und sein Herrscher ist ebenfalls Signifikator für Kinder. Merkur befindet sich im 4. Rashi vom Aszendenten, also in einem Kendra. In Fische befindet er sich im Zeichen seines Falls in sehr schlechter Würde. Sein Dispositor ist Jupiter im 8. Rashi.

Mesha Sankranti 2014 Vimshottari DashaMesha Sankranti 2014 Patyayini Dasha

 

Eine zweite Dasha-Variante ist das Patyayini Dasha. Dort waren ausgelöst: Merkur/Saturn/Lagna/Mond/Saturn. Merkur ist Karaka für kurze Reisen und wie erwähnt in sehr schlechter Würde. Saturn befindet sich gemeinsam mit dem Mond, dem Dispositor des Lagnesh (AC-Herrscher) Jupiter im 12. Haus des Verlusts.

GZ-Solar

GZ-Solar

Im GZ-Solar für Südkorea steht der progressive Solar-Aszendent im Zeichen Fische im separativen Trigon zu Saturn und im applikativen Quadrat zu Merkur. Saturn am AC repräsentiert allgemein die bedrückende Grundstimmung im Land während Merkur ein passendes Symbol für Schulkinder auf einer Reise ist, die mit einer harten, herausfordernden Erfahrung (Quadrat) konfrontiert werden. Die Schiff-Besatzung hatte die Passagiere aufgefordert, in ihre Kabinen zurückzukehren. Nur jene wurden gerettet, die sich etwa eine halbe Stunde, nachdem das Schiff in Schräglage geraten war, dieser Aufforderung widersetzten. Die „folgsamen“ Schüler (Saturn am AC Trigon Mond/Jupiter) sind vermutlich alle ums Leben gekommen.

South Korea ferry disaster: Timeline of events

3 Gedanken zu „Fährunglück in Südkorea

  1. Wolfgang

    Bei solchen Massenunglücken fragt „man“ sich (zumindest ich mich) immer mal wieder, was denn mit den ganzen Einzelhoroskopen der umgekommenen Kindern und Jugendlichen ist. Bei jedem einzelnen Haus 8 oder dessen Herrscher ausgelöst?
    Und dann: Welche Aussage bzw. Lernaufgabe steckt dahinter? Einen möglichen Hinweis hat Birgit mit ihrem letzten Satz ja bereits gesetzt.

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  2. Wolfgang

    Nur mal als Alternative:
    Das Unglück passierte zwei Tage nach dem siderischen (Lahiri) Widder-Ingress (14.4.2014, 11:10 Uhr, Seoul).
    Zwillings-Lagna mit Merkur (u.a. Fortbewegung) in 10 (Öffentlichkeit), Fische (Wasser, Meer) und im 12. Haus (u.a. Verlust) der Sonne (immerhin geht es hier um den Sonneneintrittt). Die Sonne wiederum steht in enger Konjunktion mit Ketu (Finsternis). Jupiter (Karaka für Kinder) befindet auch hier im 1. Haus, aber im Exil und nicht in seiner Erhöhung und beherrscht das 7. und das 10. Haus (negative Rezeption mit Merkur und vielleicht ein Hinweis auf die Verbindung zwischen Kapitän (Autorität) – Lagnesh – und den Passagieren, den Kindern). Saturn (Grenzen, Widerstände), Herr von 8 (Unfälle, Tod) und 9 (Vater, Guru, Schicksal), wirkt im 5. Haus (u.a. Kinder, Vergnügungen) und ist in Waage erhöht.

    Im Chandra-Rashi des Ingress, also vom persönlichen Erleben her, wird der Mond im ersten Haus (und freilich auch grundsätzlich) von Mars bedrängt, der Karaka für Unfälle ist. Hier befindet sich die Sonne-Ketu-Konjunktion im 8. Haus.

    Am Tag des Unglücks waren im Vimshottari-Dasha (360-Tage-Basis) Mo-Ju-Mo-Ve-Ra und später -Ju ausgelöst. Venus ist im D-1 Herrin von 5 und 12 (Verlust von Kindern?), Rahu steht in 5.

    Damit weist das siderische Ingresshoroskop mindestens ebenso signifikant auf das nur wenige Tage später stattfindende Unglück hin.

    Mit dem genauen Unglückszeitpunkt (8:58) habe ich so meine Probleme, weil es es sich insgesamt um einen längeren Vorgang handelt, der nicht in einer bestimmten Minute kulminiert. Interessanter, weil zeitlich besser eingrenzbar und symbolisch näher an einer „Geburt“ liegend, wäre das Auslaufen des Schiffs.

    Mir geht es nicht um den im Jyotish relativ neuen Disput zwischen siderisch und tropisch, sondern ich habe oft den Eindruck dass, solange wir keine klare Deutungsstruktur (wie z.B. in der Münchner Rhythmenlehre – Anlage-Umsetzung-Finalität) haben, metagnostisch in fast jedem Horoskop die vermuteten Hinweise finden. Der Mensch ist nun mal ein Struktursucher und die astrologische Symbolsprache äußerst plastisch – was natürlich genau ihren Reiz ausmacht 😉

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    1. starfish Beitragsautor

      Dieser siderische Widderingress bietet tatsächlich aufschlussreiche Übereinstimmungen. Ich habe eine (hoffentlich richtige) Grafik zu deinen Deutungen erstellt.

      Mesha Sankranti siderisch

      Ich denke jedoch, dass gerade die kardinalen Sonnen-Ingresse tropisch aufzufassen sind, als Momente der Tagundnachtgleichen und der Sommersonnenwenden. Dies vor allem aufgrund der Forschungen von David Frawley, die ihn offensichtlich dennoch nicht am siderischen Zodiak zweifeln lassen. Auch das Surya Siddhanta beschäftigt sich mit dem tropischen Zodiak.

      Eine untersuchenswerte Möglichkeit wäre deshalb, den tropischen Widder-Ingress siderisch umzurechnen. Ähnliches versuchte ich bereits mit den Varshaphala und kam zu dem Schluss, dass das tropische Solar die treffendsten Aussagen macht.

      Was Auslösungen in den Einzelhoroskopen anbelangt, so denke ich, dass sich jeder auf diesem Schiff mit seinem individuellen Karma befand, und die jeweiligen Auslösungen deshalb auch sehr individuell sind. Gerade bei Kindern spielt häufig auch noch das Karma der Eltern eine große, wenn nicht gar die größere Rolle. Deshalb könnte eine mögliche „Moral von der Geschichte“ tatsächlich die sein, Lehrern und Autoritäten nicht blind zu vertrauen, aber vermutlich nicht für jeden Einzelnen.

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