Pfingsten

Nach Rudolf Steiner fand die Kreuzigung Jesu Christi am Freitag, den 3. April 33 statt. Das leere Grab wurde am dritten Tag danach, am Sonntag, 5. April, entdeckt. 49 Tage später feierten die Juden und die verbliebenen elf Jünger Christi in Jerusalem das jüdische Fest „Schawuot“. Zur dritten Stunde dieses Tages kam der Heilige Geist auf die versammelten Jünger herab:

Die Ausgießung des Heiligen Geistes

1 Und als der Tag der Pfingsten sich erfüllte, waren sie alle einmütig beisammen.
2 Und es entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen wie von einem daherfahrenden gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten und sich auf jeden von ihnen setzten.
4 Und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab.
5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer aus allen Heidenvölkern unter dem Himmel.
6 Als nun dieses Getöse entstand, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
7 Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen zueinander: Siehe, sind diese, die da reden, nicht alle Galiläer?
8 Wieso hören wir sie dann jeder in unserer eigenen Sprache, in der wir geboren wurden?
9 Parther und Meder und Elamiter und wir Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadocien, Pontus und Asia;
10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und von den Gegenden Libyens bei Kyrene, und die hier weilenden Römer, Juden und Proselyten,
11 Kreter und Araber — wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden!
12 Und sie entsetzten sich alle und gerieten in Verlegenheit und sprachen einer zum anderen: Was soll das wohl sein?
13 Andere aber spotteten und sprachen: Sie sind voll süßen Weines!

Apostelgeschichte

Pfingsten RadixIm julianischen Kalender war dies am 24. Mai 33 gegen 9:00 Uhr in Jerusalem. Die Sonne war gerade in das Zeichen Zwillinge eingetreten und stand im 11. Haus, gegenüber das Galaktische Zentrum auf 29,5° Skorpion. Die Venus kulminierte am MC, im Westen stand Neptun auf 0° Wassermann im 7. Haus. Zuerst dachte ich, dass man den Aszendenten in das Zeichen Löwe vorschieben sollte, sodass Neptun exakt am Deszendenten steht. Der Heilige Geist hatte immerhin eine grenzauflösende Wirkung, denn alle Menschen, die das Ereignis miterlebten, verstanden sich plötzlich. Sie sprachen eine Sprache.

WassermannNeptun liegt im Zeichen und Sternbild Wassermann, der „das Wasser des Lebens für die dürstende Menschheit“ ausgießt. Wassermann ist das elfte Zeichen, greift damit nochmals die Elf auf. Elf ist auch deshalb bedeutsam, da der Apostel Judas noch vor der Kreuzigung sich selbst tötete und der zwölfte Apostel Matthias offenbar noch nicht gewählt war, denn Petrus trat laut Apostelgeschichte „gemeinsam mit den Elf“ auf, um seine Pfingstpredigt zu halten. Die neuzeitliche Astrologie ordnet dem Zeichen Wassermann den ersten der neu entdeckten Planeten Uranus zu. Klassischer Herrscher ist Saturn, dem die Astrologische Psychologie in ihrem astrologischen Familienmodell die nährende und schützende Rolle der irdischen Mutter zuordnet. Venus am MC erscheint mir daher sehr stimmig, da sie den Reigen der weiblichen Planeten in den Fokus stellt.

In der indischen Astrologie geht es im 11. Bhava um Wünsche und die Unterstützung, Wertschätzung, Bestätigung und den Schutz durch andere (ältere Geschwister, Freunde, Kollegen und Gruppen, denen man angehört). Allerdings befand sich die Zwillings-Sonne bei einem Krebs-Lagna noch im 12. Bhava.

Der griechische Ausdruck parakletos wurde von Martin Luther mit „Tröster“ übersetzt. Andere übersetzten auch mit „Beistand“. Im angelsächsischen Sprachraum wird der Heilige Geist deshalb auch oft „The Comforter“ genannt. Das Wort Paraklet heißt eigentlich „der Herbeigerufene“. Der Heilige Geist ist demnach Hilfe und Beistand, die man herbeirufen kann.

API-Planetentafel

API-Planetentafel

Venus ist comforting, sie liebt und gibt Komfort, sie tröstet wie eine Mutter (Saturn) ihr Kind tröstet. Auf der geistigen Ebene ist es Uranus, der den Heiligen Geist repräsentiert. Er steht in der API-Planetentafel in der Kolonne der weiblichen Planeten Venus, Saturn und Uranus. Gemeinsam ist ihnen die Motivation des fixen Kreuzes: das Streben nach Harmonie und Sicherheit. Uranus wird nicht nur der Heilige Geist zugeordnet, sondern man kann ihn sich auch als weiblichen Aspekt Gottes vorstellen, der seine Schöpfung schützen möchte. Die katholische Kirche betont diesen weiblichen Aspekt in ihrer Verehrung der „Muttergottes“ Maria.

VenusIn der klassischen Stundenastrologie ist das 2. Haus Signifikator für den Anwalt, den Rechtsbeistand in einer Gerichtsverhandlung. Das 2. Haus steht in Analogie zum zweiten Zeichen Stier, das von Venus beherrscht wird. Tatsächlich findet sich in Rex Bills Rulership Book Venus als Signifikator für advocate.

Die Sonne war nicht nur in das Zeichen Zwillinge eingetreten, sondern auch in das Nakshatra Ardra. Dieses wird vom vedischen Sturmgott Rudra überwacht. Er galt als zerstörerische Gottheit, der auch heilende Kräfte zugesprochen wurden, denn Rudra reinigte durch seine Stürme die Atmosphäre.

Pfingsten SingleklickMit den Huber’schen Deutungsmethoden fällt noch mehr auf. Im Mondknotenhoroskop (MKH) steht die Sonne an der gleichen Stelle im 11. Haus wie in der Radix, das Galaktische Zentrum gegenüber im 5. Haus ebenso. Im Trigon/Sextil dazu Neptun. Der Heilige Geist kann ungehindert strömen (die Qualität der blauen Aspekte), von den tiefsten Tiefen des Unbewussten (MKH) zu den Höhen des Tagbewusstseins (Radix). Die Opposition der Sonne zum Galaktischen Zentrum ist identisch mit der Kreuzungsachse, die die beiden Kreuzungspunkte miteinander verbindet. Hier begegnen sich der Radix- und der Mondknotenalterspunkt zweimal innerhalb von 72 Jahren. In diesem Horoskop können wir die Kreuzungsachse buchstäblich als galaktische Achse bezeichnen. Dies unterstreicht das besondere, kosmische Ereignis, das sich an diesem Tag zur dritten Stunde den Menschen offenbart hatte. Die Achse betont auch die geistige Bedeutung der Zeichengrenze, denn sowohl Sonne als auch Neptun und das Galaktische Zentrum stehen auf dem ersten oder letzten Grad des Zeichens.

Lässt man den Alterspunkt durch dieses Horoskop weiterwandern, erreicht er im Jahre 70 den Neptun im 7. Haus. Die Römer vernichteten Jerusalem und zerstörten den Tempel. Der Beginn der jüdischen Diaspora.

Als ich mich gestern zum ersten Mal mit diesem aus Texten von Rudolf Steiner abgeleiteten Datum astrologisch beschäftigte, wählte ich neun Uhr morgens als Ereignismoment, da ich ganz pauschal dachte: Sonnenaufgang um sechs Uhr, also um neun Uhr die dritte Stunde. Tatsächlich stand die Sonne an diesem Tag schon um fünf Uhr morgens am Aszendenten und die dritte Stunde hätte demnach gegen acht Uhr begonnen. Ein Aszendent Löwe mit Neptun am DC wird damit unwahrscheinlicher, auch wenn er sich so schön angeboten hätte. Es ist wohl eher noch ein Aszendent in der Halbsumme von Mars/Saturn. Dann doch lieber der AC in der Halbsumme Mond und Jupiter/Merkur. Vielleicht war meine spontane Entscheidung für neun Uhr ein Wink des Heiligen Geistes, weil genau dieser Moment das Galaktische Zentrum und unsere Milchstraße so subtil in den Mittelpunkt stellt. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.