Indische Mondphasen: 5. Tithi „Panchami“

26. Apr 2012 – 12:21:14

5. Tithi – Panchami Shukla Paksha – Reichtum gebend – Naga

5. Tithi "Panchami"

5. Tithi „Panchami“

Der Mond hat sich inzwischen 48° von der Sonne entfernt. Der gestrige lunare Tag endete kurz nach einem Halbquadrat-Aspekt (45°) zwischen Mond und Sonne. Thomas Ring nannte diesen Aspekt „Riss im Gefüge“, und Bruno Huber erklärte einmal, er zeichne diesen Aspekt nicht in das Aspektbild ein, weil das Halbquadrat im Grunde eine „Nicht-Beziehung“ zweier Planeten untereinander zum Ausdruck bringe. Diese Aspekt-Zusammenhänge können erklären, warum schon im Altertum erkannt wurde, dass der vierte lunare Tag ein schwieriger, ungünstiger Tag ist. 

SextilHeute jedoch bewegt sich der Mond auf einen ersten harmonischen Höhepunkt der zunehmenden Mondphase zu: das Sextil (60°-Aspekt) zur Sonne wird zum Ende des 5. Tages bzw. zu Beginn des 6. Tages erreicht. Das 5.Tithi ist nach dem schwierigen vierten lunaren Tag wieder ein günstiger Tag. Er bringt Fülle und Reichtum zum Ausdruck (die Göttin Lakshmi). Die Fünf ist in Indien eine bedeutsame Zahl. Sie hängt mit der Fülle und Vielfalt der Schöpfung zusammen, die aus den fünf Elementen Wasser, Erde, Feuer, Luft und Äther aufgebaut ist. Die fünf Wahrnehmungsorgane (Ohren, Haut, Augen, Zunge und Nase) entsprechend den fünf Sinnesorganen, durch die die Welt für uns überhaupt erst entsteht, indem sie wahr-nehmbar wird. Daneben kennt die ayurvedische Philosophie fünf motorische Organe (Mund, Hände, Füße, Reproduktions- und Ausscheidungsorgane), mit denen wir in der Welt tätig werden können.

Buddha mit Naga-Schlange

Buddha mit Naga-Schlange (Wikimedia)

Naga ist eine Schlangengottheit. Die Leser des Starfish-Blogs begegneten ihr bereits im Eintrag über das vom Planeten Merkur regierte Nakshatra Ashlesha. Die Nagas leben in einer der Unterwelten. Ihr Biss kann für den Menschen tödlich sein, doch sie werden nur aggressiv, wenn sich der Mensch respektlos verhält oder sie angreift. Ihr Gift kann töten, aber auch heilen. Oft hüten die Schlangen einen besonderen Schatz, manchmal sogar ein Lebenselixir, das Unsterblichkeit verleiht. Als Buddha mehrere Wochen lang meditierte, beschützte ihn ein Nagakönig, indem er seine sieben Köpfe über dem Erwachten wie einen Schirm ausbreitete.

Die Fülle und der Reichtum der Welt, die wir mit unseren fünf Wahrnehmungs- und fünf motorischen Organen erfahren, können uns wie das Gift einer Schlange töten, oder durch Anwendung von Wissen und Weisheit unseren innerseelischen Reichtum vermehren.

Der 5. lunare Tag kann die Sinnesfreude stimulieren, und wäre deshalb zum Beispiel ein guter Tag für das Zelebrieren eines Festmahls. Unsere Wahrnehmungsfähigkeiten sind geschärft und sensibilisiert.

Vasant Panchami, das Frühlingsfest zu Ehren der Göttin Saraswati, wird am fünften lunaren Tag des Monats Magha (Januar/Februar) gefeiert.

Lese-Tipps:
Die drei Gunas in der indischen Shankya-Philosophie
Vasant Lad: Das große Ayurveda Heilbuch (PDF-Leseprobe)

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