Dreijähriges Mädchen wird zur lebenden Göttin ernannt

08. Okt 2008 – 10:26:13

In Nepal wurde gestern ein dreijähriges Mädchen in einer religiösen Zeremonie zur „Royal Kumari“ gekürt. Die Ernennung fand nach Zeitungsberichten um genau 11.39 Uhr statt, eine von Astrologen festgelegte Zeit, die für diese Zeremonie besonders günstig sein soll.

Rashi D1 (siderisch)

Rashi D1 (siderisch)

Aus indischer Sicht ist dies tatsächlich ein sehr starkes Horoskop. Lagnesh Jupiter steht stark im 1. Haus in Schütze, gemeinsam mit dem in der vedischen Astrologie so wichtigen Mond, der weit genug von der Sonne entfernt ist, um als natürlicher Wohltäter zu gelten. Das 9. Haus der Spiritualität wird von Saturn besetzt, die Tradition setzt sich durch. Seine Herrscherin Sonne steht stark in der Jungfrau gemeinsam mit dem Herrscher von 10. Merkur steht äußerst stark im 10. Haus im Moolatrikona. Allerdings ist er combust und außerdem rückläufig, was seine Wohltätigkeit um einiges schmälert. Insgesamt kann man dies dennoch als eine „königliche“ Konstellation bezeichnen.

Stark steht außerdem die Venus in ihrem eigenen Zeichen Waage. Sie ist jedoch für den Schütze-Lagna ein temporärer Übeltäter durch ihre Herrschaft über die Häuser 6 und 11, da sie hier eher weltliche als spirituelle Ziele verfolgt.

Royal Kumari Ernennung RadixMan wird daher den Eindruck nicht los, dass es hier nicht um wahre Spiritualität geht sondern um ein bombastisches Schauspiel, eine Inszenierung. Passenderweise findet man im westlichen Horoskop Pluto am Aszendenten.

Die nepalesische Tradition verlangt, dass die „Royal Kumari“ ihren Palast nur wenige Male im Jahr für religiöse Zeremonien verlassen darf. Ein nepalesisches Gericht legte jedoch vor kurzem fest, dass die „lebende Göttin“ ein Recht auf einen Schulbesuch hat und außerdem ihre Eltern jederzeit besuchen darf.

Ein Ausschuss legt die „Royal Kumari“ fest. Die Kandidatin muss dabei eine Vielzahl strenger Anforderungen erfüllen. Dazu gehören eine „Brust wie ein Löwe“, „Beine wie ein Reh“ und das Bestehen diverser Prüfungen wie ein Aufenthalt in einem Raum mit toten Opferbüffeln. Die Kandidatin darf dabei nicht weinen. Ist die Royal Kumari zwölf Jahre alt und nähert sich damit der Pubertät, gilt sie den Gläubigen als „unrein“ und es wird eine neue „lebende Göttin“ aus dem Volk ausgesucht. Die bisherige „Royal Kumari“ muss dann den Palast verlassen.

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