GZ-Aspekte zu Ich-Planeten (1)

Sonne, Mond und Saturn repräsentieren die Persönlichkeit des Menschen, das (dreifältige) Ich bzw. das „niedere Selbst“ der Esoterik. Aspekte der ICH-Planeten zum Galaktischen Zentrum sind besonders kritisch zu betrachten, da hier wie bei Aspekten zu den geistigen Planeten die Gefahr besteht, die Kraft des GZ für egomotivierte Ziele zu missbrauchen. Oft entfalten GZ-Aspekte deshalb eine gewisse „Störwirkung“. Ohne diese Aspekte lebt es sich meist angenehmer, weil krisenfreier.

Für Konjunktionen gilt dies besonders, da dieser Aspekt eine Verschmelzung der jeweiligen planetaren Wesenskraft mit dem Galaktischen Zentrum anzeigt. Bei Sonne, Mond und Saturn geht es jedoch um das Ich, was einen „von Ich-Motiven befreiten“ Ausdruck erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht. In der Opposition ist das GZ maximal entfernt. Dieser Planet ist weniger versucht, sich mit der Kraft des GZ zu identifizieren.

Die anderen Zwischenaspekte sind in der Wirkung meist nicht ganz so ausgeprägt wie die Primäraspekte Konjunktion und Opposition, aber für den Horoskopeigner dennoch spürbar. Das Quadrat wirkt herausfordernd, während die blauen Aspekte den steten Energiefluss betonen. Grüne Aspekte weisen auf Prozesse im Bewusstsein hin, informierend beim Halbsextil und sehnsüchtig bis verunsichernd beim Quincunx.

Einseitige Aspekte

Jeder Planet besitzt für jede Aspektart einen individuellen Orbis. Wenn sich zwei Planeten mit unterschiedlichen Orben aspektieren, kann es vorkommen, dass Planet A zwar einen Aspekt bildet, Planet B jedoch nicht. Es sind einseitige Aspekte, die in der Graphik vom Planeten mit dem zu geringen Orb gestrichelt eingezeichnet werden.

Aspektorben

Für Konjunktionen und Oppositionen räume ich dem GZ eine Aspekt-Toleranz von bis zu 2° ein, Sonne und Mond haben jedoch 8°. Liegt die Sonne auf 22° Schütze und das GZ auf 26°, spürt die Sonne zwar die Nähe des GZ, aber vom GZ kommt keine „Rückmeldung“, denn der Aspekt ist einseitig und geht nur von der Sonne aus. Dies ist eine einseitige Konjunktion, die nach meinen Beobachtungen zwar Wirkung entfalten kann, jedoch eher in einem „manipulativen“ Sinne. Die Sonne macht sich die Kraft des GZ zunutze, ohne den erforderlichen Transformationsschritt zu vollziehen.

Sonne in Aspekt zum GZ

Jane Austen Radix

Die Konjunktion der Sonne mit dem GZ verleiht der Persönlichkeit eine besondere Präsenz, die durch die Nähe einer Hauptachse noch potenziert wird. Die englische Schriftstellerin Jane Austen hatte diese Konjunktion am IC. Sie konnte sich in ihrer „frauenfeindlichen“ Zeit literarisch durchsetzen. Im Mittelpunkt ihrer Romane stehen junge Damen aus dem gehobenen ländlichen Bürgertum, die sich nach Schwierigkeiten und Lernprozessen selbst erkennen und den Mann heiraten, den sie tatsächlich lieben. Eine gute Heirat war in der damaligen Zeit die einzige akzeptable Möglichkeit für eine junge Frau des Bürgertums, sich eine respektable Stellung in der Gesellschaft zu sichern. Andernfalls war sie ihr Leben lang vom Wohlwollen und der Großzügigkeit wohlhabender Verwandter abhängig. Jane Austen unterlag selbst diesen kollektiven Zwängen (4. Haus), die Romane tragen deshalb auch autobiographische Züge. Selbst blieb sie bis zu ihrem frühen Tod (mit 41 Jahren) unverheiratet.

Willy Brandt Radix

Steht die Konjunktion in der Nähe des Talpunktes, verringert sich die Gefahr, die Kraft des GZ für persönliche Motive zu missbrauchen. Im Horoskop des Schauspielers Brad Pitt steht sie am Talpunkt des 1. Hauses. Die Sonne wirft nur ein schwaches Halbsextil zur Venus und erhält sonst keine Aspekte von anderen Planeten. Bei Willy Brandt liegt die Konjunktion am Talpunkt des 9. Hauses. Der durch diesen Aspekt angezeigte Idealismus ist introvertiert und leicht zu entmutigen, da das Feedback der Umwelt nicht gespürt wird. Als Brandt wegen der Guillaume-Affäre 1974 vom Amt des Bundeskanzlers zurücktrat, stand der Alterspunkt im Halbsextil zur Sonne/GZ-Konjunktion.

Papst Franziskus I.

Papst Franziskus I.

Papst Franziskus I. hat ebenfalls eine fast auf die Bogenminute genaue Sonne/GZ-Konjunktion am Invertpunkt des 6. Hauses. Er versteht sich mit dieser Konstellation als „Diener Gottes“. Das Quincunx der Sonne zu Pluto lässt an der eigenen Größe und Macht eher zweifeln, als dass sie zu Egozwecken missbraucht würden. Der Aspekt spornt zur eigenen Vervollkommnung (Pluto) an, um dem göttlichen Willen besser dienen zu können.

Die Opposition der Sonne zum GZ findet sich in den Horoskopen der Esoterikerin Alice Bailey, des Sufi-Meisters Pir Vilayat Inayat Khan, des Astrologen Zane B. Stein, des Künstlers M.C. Escher, des Philosophen Jürgen Habermas und des Musikers Igor Strawinsky.

Alice Bailey

Alice Bailey empfand einen engen Kontakt zur Universalseele und zu einem „Meister der Weisheit“. Sie schrieb mehr als 20 Bücher, in erster Linie über esoterisches Wissen, das ihr der „Meister“ mental übermittelte. Auffällig ist, dass die anderen Persönlichkeitsplaneten ebenfalls mit galaktischen Faktoren verknüpft sind: der Mond steht in Konjunktion mit dem Supergalaktischen Zentrum (SGZ) und Saturn in Opposition zum Shapley Superhaufen (ShC). Mit Pluto deuten sie eine latente (weil unvollständige) Surfer-Figur an. Die Figur ist sehr dynamisch, anpassungsfähig und gleichzeitig zielstrebig. Bailey fühlte sich ihrem Ursprung (innerster Kreis) sehr nahe, dachte viel über ihn nach und handelte entsprechend. Durch die vielen grünen Aspekte ist das Bewusstsein hellwach auf Kommunikation eingestellt.

Pir Vilayat Inayat Khan

Der Sufi-Meister Pir Vilayat Inayat Khan war viele Jahre das geistliche Oberhaupt des Internationalen Sufi-Ordens. Das Galaktische Zentrum steht exakt auf der 5. Hausspitze in Opposition zur Sonne auf der 11. Hausspitze. Der Internationale Sufi-Orden ist eine Bewegung, die eine spirituelle Schulung auf dem Fundament des Sufismus anbietet. Sie steht jedem offen, die Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle. Sufismus ist eine mystische Richtung des Islams. Durch tägliche regelmäßige Meditation versucht der Sufi Gott nahezukommen und eins mit ihm zu werden. Der Mevlevi-Orden in der Türkei strebt dies im ekstatischen Tanz an. Die Kraft des GZ auf der 5. Hausspitze kann durch Methoden der SELBST-Erfahrung (zu denen auch künstlerische Ausdrucksformen zählen) bewusstwerden.

Zane B. Stein

Leider herrscht bei Zane B. Stein Ungewissheit darüber, ob die geltende Sommerzeit berücksichtigt werden muss.1) Falls ja (wozu ich tendiere), liegt der Aszendent im Wassermann und das GZ (26° Schütze) mit Chiron (0° Steinbock) auf der 11. Hausspitze in Opposition zur Sonne. Seit Stein im November 1977 in der Zeitung von der Entdeckung eines neuen Planeten las, widmet er sich intensiv der astrologischen Erforschung des Asteroiden Chiron. Im 11. Haus (fixes Lufthaus) denkt man intensiv über ein Thema nach, tauscht sich mit Gleichgesinnten darüber aus, gründet Forschungsgruppen und sammelt Informationen über das jeweilige Thema. Chiron hat eine subtile Verbindung mit dem GZ (im Entdeckungshoroskop des Asteroiden liegt das GZ auf dem AC). Die Opposition der Sonne (des Mental-Ichs) zu Chiron (und zum GZ) stellt die Distanz her, die zur möglichst objektiven Erforschung notwendig ist.

1)LMR quotes his book „A View From Chiron,“ 1986. The time zone given in the original record was EDT. In 6/2000, he gave 23:43 on email (ACT), with a specified time standard (EST) and L&L for Germantown hospital sent to LMR 2/2001. Steinbrecher Collection has Germantown, Philadelphia. In March 2009, PT changed the time zone to EST even though EDT was in effect at the time. Stein cited information that Germantown Hospital where Stein was born followed the Pennsylvania law in effect at the time requiring that all birth times be recorded in standard time. He also wrote to PT: My mother said I was born at 11:43 pm, my birth certificate says I was born at 11:44 pm, and with rectification I came up with 11:43:17 (Source Notes)

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