Die dritte Arbeit
Das Sammeln der goldenen Äpfel der Hesperiden
1. Teil
(Zwillinge, 20. Mai – 21. Juni)
Der Mythos
Der große Eine, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn, hatte die Arbeiten des Sohnes der Menschen, der ein Sohn Gottes ist, beobachtet. Er und der Lehrer sahen das dritte große Tor sich öffnen vor dem Sohn der Menschen, das eine neue Gelegenheit enthüllte zum Weitergehen auf dem WEG. Sie sahen, wie der sich Mühende aufstand und sich anschickte, die Aufgabe zu beginnen.
«Schickt aus das Wort, den heiligen Baum zu hüten. Lasst Herkules die Kraft entfalten zur Suche ohne Entmutigung, Täuschung oder allzu große Eile. Lasst ihn Beharrlichkeit beweisen. Bis jetzt hat er es gut gemacht.» So ging das Wort hinaus.
Weit in entferntem Land stand der heilige Baum, der Baum der Weisheit, und auf ihm wuchsen die goldenen Äpfel der Hesperiden. Der Ruhm dieser süßen Früchte war weit in die Lande gedrungen und alle Söhne der Menschen, die sich gleichermaßen als Söhne Gottes kannten, begehrten sie. Auch Herkules wusste von diesen Früchten und als das Wort ausging, sie zu suchen, ging er zu seinem Lehrer und fragte ihn, auf welchem Weg der heilige Baum zu finden sei, damit er die Äpfel pflücke.
«Sag‘ mir den Weg, o Lehrer meiner Seele. Ich suche nach den Äpfeln und brauche sie rasch zu meinem Nutzen. Zeige mir den schnellsten Weg und ich will gehen.»
«Nicht so, mein Sohn», antwortete der Lehrer. «Der Weg ist lang. Zwei Dinge nur will ich dir anvertrauen und dann ist es an dir, die Wahrheit dessen, was ich sage, zu beweisen. Bedenke, dass der heilige Baum gut bewacht ist. Drei schöne Jungfrauen pflegen den Baum und hüten seine Früchte gut. Ein Drache mit hundert Köpfen beschützt die Maiden und den Baum. Hüte dich wohl vor Stärke, die deine Kräfte übersteigt, vor Listen, die zu fein gesponnen für dein Begreifen. Sei wachsam. Das zweite, was ich dir zu sagen habe ist dies, dass deine Suche dich so lenken wird, um den fünf großen Prüfungen auf deinem Weg zu begegnen. Jede bietet dir ein Wirkungsfeld für Weisheit, Verstehen und Geschicklichkeit. Sei wachsam. Ich fürchte sehr, mein Sohn, dass diese Punkte auf dem Weg du nicht erkennen wirst. Doch nur die Zeit allein wird es beweisen. Gott helfe dir bei deiner Suche.»
Mit Zuversicht, weil weder Erfolg noch Fehlschlag ihm etwas anhaben konnten, ging Herkules voran auf seinem Weg, sicher seiner selbst, seiner Weisheit und seiner Stärke. Durch das dritte Tor ging er gen Norden. Er durchstreifte das Land, den heiligen Baum zu suchen, doch er fand ihn nicht. Er fragte alle Menschen, die er traf, aber keiner konnte ihn auf seinen Weg bringen; keiner kannte den Ort. Die Zeit verging, noch immer suchte er, von Ort zu Ort wandernd und oft zurückkehrend zum dritten Tor. Traurig und entmutigt suchte er dennoch überall.
Der Lehrer, der ihn von fern beobachtete, sandte Nereus, um nachzusehen, ob er ihm helfen könnte. Immer und immer wieder kam er in verwandelter Form und mit anderen Worten der Wahrheit, aber Herkules reagierte nicht und erkannte in ihm nicht den Boten, der er war. Obwohl er gewandt war in der Rede und klug, mit tiefer Weisheit eines Gottessohnes, versagte Nereus, denn Herkules war blind. Er erkannte die Hilfe nicht, die ihm so fein geboten wurde. Schließlich kehrte Nereus traurig zum Lehrer zurück und sprach von Fehlschlag.
«Die erste der fünf kleineren Prüfungen ist vorbei», antwortete der Lehrer, «und Fehlschlag zeichnet diese Stufe. Lass Herkules fortfahren.»
Da Herkules auf dem nördlichen Weg den heiligen Baum nicht fand, wandte er sich nach Süden und setzte am Ort der Dunkelheit seine Suche fort. Zuerst träumte er von raschem Erfolg, aber Antaeus, die Schlange, begegnete ihm auf seinem Weg, rang mit ihm und überwand ihn in jedem Punkt.
«Er bewacht den Baum», sagte Herkules, «das wurde mir gesagt. So muss der Baum in seiner Nähe sein. Ich muss die Wache sprengen und, indem ich ihn zerstöre und ihn niederwerfe, die Früchte pflücken.» Aber obwohl er mit all seiner Kraft kämpfte, überwand er ihn nicht.
«Worin liegt mein Fehler?» fragte Herkules. «Warum kann mich Antaeus überwinden? Als Kind schon in der Wiege habe ich eine Schlange getötet. Mit meinen eigenen Händen hab‘ ich sie erwürgt. Warum versage ich jetzt?»
Wieder rang er mit all seiner Kraft mit der Schlange, ergriff sie mit beiden Händen, hob sie hoch in die Höhe, fort vom Boden. Und siehe! die Tat war getan! Besiegt sprach Antaeus: «Ich komme wieder in anderer Gestalt am achten Tor. Bereite dich, erneut mit mir zu ringen.»
Der Lehrer, der von ferne schaute, sah alles, was geschah. Er sprach zu dem Großen, der den Vorsitz führt in der Ratshalle des Herrn und berichtete ihm von der Tat. «Die zweite Prüfung ist bestanden. Die Gefahr ist überwunden. An diesem Punkt zeichnet Erfolg seinen Weg.» Und der große Eine antwortete: «Lass‘ ihn fortfahren.»
Glücklich und vertrauensvoll schritt Herkules weiter, seiner selbst sicher und mit neuem Mut für die Suche. Nun wandte er sich nach Westen und als er sich dorthin wandte, befiel ihn Unglück. Gedankenlos ging er in die dritte Prüfung, versagte und war für lange Zeit auf seinem Weg aufgehalten.
Denn hier traf er Busiris, den großen Erzbetrüger, den Sohn der Wasser, ein naher Verwandter des Poseidon. Sein Werk ist es, den Söhnen der Menschen durch Worte scheinbarer Weisheit Täuschung zu bringen. Er behauptet die Wahrheit zu kennen und allzu schnell glauben sie ihm. Er spricht schöne Worte und sagt: «Ich bin der Lehrer. Mir ist Kenntnis der Wahrheit gegeben; opfere jetzt für mich. Nimm den Weg des Lebens an durch mich. Ich allein weiß und niemand sonst. Meine Wahrheit ist richtig. Alle andere Wahrheit ist unrichtig und falsch. Höre auf meine Worte, bleibe bei mir und sei errettet.» Und Herkules gehorchte ihm und wurde täglich mehr geschwächt auf seinem frühen Wege (3. Prüfung) und suchte nicht weiter nach dem heiligen Baum. Seine Kraft wurde untergraben. Er liebte Busiris, bewunderte ihn und nahm alles an, was er sagte. Von Tag zu Tag wurde er schwächer, bis dann der Tag kam, wo sein geliebter Lehrer ihn an den Altar band und während eines ganzen Jahres dort festgebunden hielt.
Plötzlich, eines Tages als Herkules damit rang, sich zu befreien und allmählich Busiris, als das erkannte, was er war, kamen ihm Worte in Erinnerung, die Nereus vor langer Zeit zu ihm gesprochen hatte: «Wahrheit liegt in dir selbst. Es gibt eine höhere Macht und Stärke und Weisheit in dir selbst. Wende dich nach innen und erwecke die ewige Kraft, die Macht und Erbe aller Menschensöhne ist, die gleichermaßen Söhne Gottes sind.» Schweigend lag er als ein Gefangener auf dem Altar, an allen vier Ecken gebunden, ein ganzes Jahr. Dann, mit der Stärke, welche die Stärke aller Söhne Gottes ist, sprengte er die Fesseln, ergriff den falschen Lehrer, der vorher ihm so weise schien, und band ihn an seiner Stelle an den Altar. Er sprach kein Wort, ließ ihn nur dort, zu lernen.
Der über ihn wachende Lehrer beobachtete von ferne den Augenblick der Befreiung, wandte sich zu Nereus und sagte: «Die dritte große Prüfung ist vorüber. Du lehrtest ihn, ihr zu begegnen und zu rechter Zeit zog er daraus Nutzen. Lass‘ ihn nun fortschreiten auf dem WEG und das Geheimnis des Erfolgs lernen.»
Geläutert, doch voll fragender Erleichterung, setzte Herkules seine Suche fort und wanderte weiter. Das Jahr, das er auf dem Altar liegend verbringen musste, hatte ihn viel gelehrt. Mit größerer Weisheit begab er sich auf den Weg.
Plötzlich verhielt er seinen Schritt. Ein Schrei voll tiefer Qual drang an sein Ohr. Einige kreisende Geier über einem entfernten Felsen fesselten seine Aufmerksamkeit. Dann ertönte der Schrei wieder. Sollte er seinen Weg fortsetzen, oder den, der in Not schien, suchen und so wieder Zeit verlieren? Er sann über
2. Teil
(Zwillinge, 21. Mai – 20. Juni)
Das Feld der Arbeit
Im Zeichen Zwillinge befinden sich zwei Sterne, die von den Griechen Castor und Pollux, oder die Zwillinge genannt wurden. Diese personifizieren zwei Hauptgruppen von Sternen, die sieben Plejaden und die sieben Sterne des großen Bären, die beiden Konstellationen im Norden, um die unser Universum zu kreisen scheint. Ein Stern repräsentiert jeweils eine Konstellation. Vom Standpunkt der Esoterik ist das große Mysterium des in der Materie inkarnierten Gottes und die Kreuzigung des kosmischen Christus auf dem Kreuz der Materie eng verknüpft mit der Beziehung, die (wie angenommen wird, seit uralten Zeiten existiert) zwischen den Sternen der Plejaden und jenen des großen Bären besteht. Diese beiden Sterngruppen repräsentieren Gott, den Makrokosmos, während Castor und Pollux in den Zwillingen als Symbol der Menschheit, des Mikrokosmos, betrachtet werden. Sie werden auch Apollo und Herkules genannt: Apollo heißt «der Herrscher», der Sonnengott; und Herkules «der eine, der kommt, um zu arbeiten». Sie repräsentieren daher die beiden Aspekte der menschlichen Natur, die Seele und die Persönlichkeit, den geistigen Menschen und das Menschenwesen, durch das die geistige Wesenheit funktioniert: Christus in der Materie inkarniert, Gott, der durch die Form wirkt.
Castor wurde als sterblich und Pollux als unsterblich angesehen. Es ist eine interessante astronomische Tatsache, dass der Stern Castor in seinem Glanz nachlässt und nicht mehr das Licht hat, das er vor mehreren hundert Jahren besaß, während Pollux, der unsterbliche Bruder, an Glanz zunimmt und seinen Bruder verdunkelt, was an die Worte Johannes des Täufers erinnert, die er sagte, als er auf Christus blickte: «Er muss zunehmen, aber ich muss abnehmen.» (Joh. III, 30) So haben wir hier eine höchst bedeutsame Konstellation, weil sie dem Menschen stets den Gedanken der zunehmenden Macht des geistigen Lebens und die abnehmende Macht des persönlichen Selbst vor Augen führt. Die Geschichte des menschlichen Wachstums zur Reife und die Geschichte der allmählichen Steigerung der Seelenkontrolle wird uns in der Konstellation Zwillinge erzählt.
Im alten Tierkreis von Denderah wird dieses Zeichen «der Ort dessen, der kommt» genannt, und damit wird uns der Gedanke eines hervortretenden geistigen Wesens vor Augen gehalten. Dieses Wesen wird von zwei Gestalten repräsentiert, die eine männlich, die andere weiblich; die eine der positive Geistaspekt und die andere der negative Materieaspekt. Die koptische und hebräische Bezeichnung bedeutet «vereint», und das ist das Stadium des Herkules, des Aspiranten. Er ist Seele und Körper vereint. Das war das Problem, mit dem im Zeichen Zwillinge zu ringen war. Das Ziel ist die Einswerdung des niederen mit dem höheren Selbst, des sterblichen und des unsterblichen Aspekts. Dieses Problem schuf die irreführende und verzögernde Suche des Herkules, denn schließlich hörte er doch auf die Stimme des Nereus, des höheren Selbst, während er vorher zuweilen unter der Illusion und Verblendung des niederen Selbst handelte.
Die Dualität, die in den Zwillingen betont wird, zieht sich durch eine große Anzahl mythologischer Erzählungen. Dieselben Brüder treffen wir zum Beispiel in Romulus und Remus wieder, in Kain und Abel; der eine Bruder stirbt und der andere lebt. Wir finden das astrologische Symbol der Zwillinge in den beiden Säulen der Freimaurer und viele glauben, dass die freimaurerische Tradition (wenn wir dazu die Möglichkeit hätten) bis zu der dem Stierzeitalter vorausgehenden Periode zurückverfolgt werden könnte, als die Sonne in den Zwillingen stand und bis zu jenem großen Zyklus, in dem die lemurische Rasse, die erste strenggenommen menschliche Rasse, ins Dasein kam; als der Denkaspekt aufzutauchen begann und die Dualität der Menschheit zu einer Tatsache in der Natur wurde.
Die lemurische Rasse war die dritte Rasse; und diese Arbeit, die Herkules symbolisch unternahm, war die dritte Arbeit. Seine Suche war die Suche nach der Seele, und das war immer die nicht erkannte Suche des menschlichen Wesens bis zu der Zeit, wo er sich als Herkules erkennt und auf die Suche nach den goldenen Äpfeln der Unterweisung und Weisheit konzentriert. So haben wir in der freimaurerischen Tradition bildlich die Suche der menschlichen Familie dargestellt, die Suche nach Licht, nach Einheit, nach Göttlichkeit. Und so sind die zwei Säulen Boaz und Jachin das Sinnbild dieser Dualität.
In China wird von Castor und Pollux, als den beiden «Göttern des Tors» gesprochen, was die ungeheure Macht anzeigt, die der Gott der Materie annehmen kann, aber gleichfalls die Gewalt des Göttlichen.
Zwillinge ist vorwiegend das Zeichen des Intellekts und hat in unserer arischen Rasse eine eigenartig vitale Wirkung. In dieser Rasse sind Denkfähigkeit und Intellekt stetig entwickelt worden. Das Zeichen Zwillinge besitzt daher Einfluss in drei Abteilungen, die sich mit menschlichen Beziehungen befassen. Erstens beherrscht es alles, was mit Erziehung zu tun hat. Es befasst sich mit Wissen, mit den Wissenschaften und legt den Grundstein für Weisheit. Ein Erzieher hat einmal gesagt, «dass der Endzweck der Erziehung das Erlangen von Kenntnissen ist, um die höhere Offenbarung zu empfangen. Unintelligente können sie auch empfangen, können sie aber nicht auslegen.» In dieser Arbeit wird Herkules eine überragende Offenbarung zuteil und während der fünf Stadien seiner Suche wird seine Erziehung stetig vorangetrieben.
Der exoterische Regent der Zwillinge sowie der ersten Dekanate ist Merkur, denn, wie Alan Leo sagt:
«Merkur bedeutet in der äußeren Welt Schulen, Gymnasien und alle Orte, wo gelehrt und gelernt wird, wissenschaftliche und literarische Institutionen. … Im Bewusstsein bedeutet er Gedanken, Verstehen, Vernunft, Intelligenz, Intellekt; das Abstrakte eher als die konkreten Dinge, Wissen um seiner selbst willen … seine höchste Anwendung scheint das zu sein, was man «reine Vernunft» nennt … im Körper beherrscht er das Gehirn, das Nervensystem, die Zunge und Sprechorgane, die Hände als Instrumente der Intelligenz.»
(Alan Leo, Complete Dictionary of Astrology, S. 163)
Zweitens stehen die Zwillinge für die Zwischenbeziehungen. Sie beherrschen deshalb Sprache, wechselseitige Beziehungen oder Interkommunikation und Handel. Es ist interessant zu beobachten, dass sowohl die USA als auch London, beide von den Zwillingen regiert werden: dass Englisch zur beherrschenden Weltsprache wird, dass die größten Verbindungslinien der Meere von New York oder London ausgehen, und dass diese beiden Städte Weltmärkte und Weltverteilungszentren sind. Merkur, der herrschende Planet des Zeichens, ist der Interpret, der Bote der Götter. Es lohnt sich gleichzeitig in diesem Zusammenhang zu beachten, wie Herkules unter den Einfluss zweier Lehrer kommt: Nereus, den höheren, und Busiris, den niederen oder psychischen Lehrer, und so sehen wir wieder, wie sowohl die Dualität der Zwillinge als auch ihre mentale Qualität hervorgehoben werden.
Wenn dieses Zeichen, wie zurzeit, zutage tritt, leitet es, da es ein machtvolles, bewegliches Zeichen ist, viele Veränderungen ein; neue Ideen überfluten die Welt; neue Impulse machen sich fühlbar; neue und unentwickelte Annäherungsweisen an geistige Wahrheit erscheinen, und viele Lehrer werden überall auftauchen, um zu helfen, die Rasse in ein neues Stadium geistiger Wahrnehmung zu leiten. Da es ein Luftzeichen ist, können wir sehen, wie die Beherrschung des Luftraums mit großer Geschwindigkeit vorwärts geht. Gleichzeitig ist ein ständiges Bemühen zu erkennen, die zahlreichen, mannigfaltigen Aspekte menschlicher Bestrebungen zu vereinen und zu koordinieren.
Venus ist der esoterische Regent des Zeichens Zwillinge und beherrscht die zweite Dekanate, denn Venus vereint und durch ihren Einfluss tritt das Gesetz der Anziehung und das Zusammenbringen der polaren Gegensätze in Aktion. Alle diese Veränderungen leiten ein neues Stadium der Wahrnehmung, des Seins, ein neues Zeitalter und eine neue Welt ein. Folgerichtig entstehen auch neue Schwierigkeiten und Probleme, und wir finden Saturn, der die letzte Dekanate beherrscht, denn Saturn ist der Planet der Jüngerschaft, der Planet, der die Schwierigkeiten, Probleme und Prüfungen mit sich bringt, die dem Jünger die unmittelbaren Gelegenheiten bieten. Es ist Saturn, der das Tor in die Inkarnation öffnet und ebenfalls Saturn, der dann das Tor zum Pfad der Einweihung aufmacht. Merkur, der Interpret, der erleuchtete Intellekt; Venus, das Prinzip der Anziehung und Einswerdung, und Saturn, der Bereiter der Gelegenheit: diese drei spielen im Leben des Aspiranten ihre Rolle, wenn er das Höhere mit dem Niederen vereint, die fünf Stadien dieser Prüfung durchläuft und die Vision des Ziels erschaut, das er schließlich erreichen muss.
Die drei symbolischen Konstellationen
Die drei Konstellationen, die im Zusammenhang mit diesem Zeichen zu finden sind, sind Lepus, der Hase und der Große und der Kleine Hund. In ihrem Wechselspiel und ihrer Verbindung zu Herkules, dem Aspiranten, ist die ganze Geschichte des menschlichen Wesens wieder höchst treffend abgebildet. Im Großen Hund (Canis Major) finden wir Sirius, den Hundsstern, der in vielen alten Büchern «der Anführer der ganzen himmlischen Heerschar» genannt wird, denn er ist zehn oder zwölfmal heller als jeder andere Stern erster Ordnung. Sirius ist immer mit großer Hitze in Verbindung gebracht worden, daher kommt der Spruch von den «Hundstagen» in der Sommermitte, wenn die Hitze gewöhnlich am größten ist. Vom Standpunkt des Okkultisten ist Sirius von tiefster Bedeutung. «Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer» und Sirius ist sowohl das Symbol der Universalseele als auch der Einzelseele. Deshalb ist er, esoterisch betrachtet, der Stern der Einweihung. In der Sprache der Symbologie wird uns erzählt, dass ein Augenblick kommt, wo vor dem Eingeweihten ein Stern aufstrahlt. Das bedeutet das Erkennen seiner Identität mit der Universalseele, und er erblickt plötzlich durch das Mittel der eigenen Seele seinen eigenen Stern.
Canis Major ist der unsterbliche Hund des Himmels, der ewig den kleineren Hund, den «Unter-Hund» (the underdog) jagt, den Menschen in physischer Inkarnation. Diese Jagd hat Francis Thompson in «Der Hund des Himmels» unsterblich gemacht:
«Ich floh vor ihm durch die Nächte und Tage;
Ich floh vor ihm durch die Bogen der Jahre;
Ich floh vor ihm durch die Irrgartenpfade
meines eigenen Denkens; und im Nebel der Tränen
verbarg ich mich ihm unter eilendem Lachen.
Ich eilte empor nach fern sichtbarer Hoffnung,
und stürzte hinab in titanisches Dunkel
klaffender Ängste vor den machtvollen Füßen,
die folgten …
und ewig mir folgten.»
Im Tierkreis von Denderah wird dieser Stern «Apes» genannt, das Haupt. Im Anhang der «Companion Bibel», steht auf Seite 1518 zu lesen, dass der hellste Stern im großen Hund Sirius ist, der Fürst, im Persischen «der Häuptling» genannt. Es gibt drei weitere Sterne in derselben Konstellation, einer heißt «der Verkünder», der andere «der Strahlende» und der dritte «der Herrliche». Alle diese Bezeichnungen betonen die Herrlichkeit des Canis Mayor, und esoterisch das Wunder und die Glorie des höheren Selbst.
In Canis Minor, dem «Unterhund», so erzählt uns dieselbe Schrift, bedeutet der hellste Stern «der Erlöser», der nächststrahlende heißt «der Lastträger» oder «der eine, der für die anderen trägt». So haben wir in der Bedeutung dieser beiden Namen ein Bild des Herkules, wie er an seiner eigenen Erlösung arbeitet, wie er die große Bürde des Atlas trägt und die Bedeutung des Dienens lernt.
Lepus, der Hase, der mit diesen beiden Konstellationen verbunden ist, enthält einen Stern von intensiv roter Farbe, beinahe wie ein Blutstropfen. Rot ist immer das Symbol der Begierde nach materiellen Dingen. Im Tierkreis von Denderah wird ihm der Name «Basthi-beki» gegeben, was bedeutet: «der in Fluch Gefallene» Aratus um 250 vor Christus spricht von Lepus als «ewig gejagt» und es ist interessant, dass die hebräischen Namen einiger Sterne in dieser Konstellation bedeuten: «Der Feind des Kommenden» (die Bedeutung des hellsten Sterns Arneb), während drei andere Sterne Namen haben, die bedeuten «der Verrückte», «der Gebundene», «der Betrüger». Alle diese Bezeichnungen sind charakteristisch für das niedere Selbst, das ewig vom höheren Selbst getrieben, «gejagt» wird, die menschliche Seele, verfolgt vom Hund des Himmels.
Wenn wir nachts zum gestirnten Himmel hinaufschauen und Sirius, den Hundsstern finden, sehen wir die Geschichte unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dramatisch abgebildet. In Lepus, dem Hasen, die Geschichte unserer Vergangenheit: flüchtigen Fußes, betrogen, verrückt, ans Rad des Lebens gebunden, mit dem Materieaspekt identifiziert und ewig der Feind des «kommenden Fürsten». Im Kleinen Hund haben wir die Geschichte des Aspiranten, unser gegenwärtiges Los. In uns wohnt der innere Herrscher, die verborgene Gottheit, der Erlöser. Wir schreiten überwindend vorwärts, um zu siegen, aber wir müssen es tun als der beladene Jünger, der dienend die Last des andern trägt. Im Großen Hund haben wir unsere Zukunft verbildlicht und eine glorreiche Vollendung, die alles gegenwärtige Erkennen übersteigt. Wenn alle Schriften, alle Religionen der Welt verlorengingen und uns nichts bliebe als der gestirnte Himmel, die Geschichte des Tierkreises und die Bedeutung der Sternennamen in den verschiedenen Konstellationen, so wären wir dennoch fähig, die Geschichte des Menschen zurückzuverfolgen, das Wissen, um unser Ziel zurückzugewinnen und zu lernen, wie es zu erreichen ist.
Die Lektion der Arbeit
Zusammengefasst bedeutet diese Geschichte in Wirklichkeit die Lektion, die alle Aspiranten zu meistern haben und die unmöglich zu lernen ist, ehe nicht die Prüfungen in Widder und Stier bestanden sind. Dann muss der Jünger auf der physischen Ebene im Gehirnbereich und in seinem Wachbewusstsein Kontakt mit der Seele registrieren und ihre Qualitäten erkennen. Er darf kein visionärer Mystiker mehr sein, sondern muss dem mystisch Erlangten okkultes Wissen der Wirklichkeit hinzufügen. Das wird häufig von den Aspiranten vergessen. Meistens sind sie mit ihrem Streben und ihrer Vision des himmlischen Ziels zufrieden. Sie haben sich im Schmelztiegel des Lebens eine Ausrüstung erarbeitet, die durch Wahrhaftigkeit, richtiges Wünschen und guten Charakter gekennzeichnet ist, sind sich der Reinheit ihrer Motive bewusst, sind auch gewillt, die Voraussetzungen zu erfüllen und haben die Befriedigung, ein gewisses Entwicklungsstadium erreicht zu haben, das ihnen das Recht gibt, weiterzugehen. Aber etwas fehlt noch: sie haben noch nicht gelernt, was man «die Technik der Gegenwart» nennen könnte; sie sind noch nicht zu bewusstem Kontakt mit der Wirklichkeit gelangt, dessen unveräußerlicher Besitz das Privileg und Vorrecht des Eingeweihten ist. Sie glauben an die Tatsächlichkeit der Seele, an die Möglichkeit der Vollkommenheit, an den WEG, der gegangen werden muss: aber der Glaube ist noch nicht umgewandelt in das Wissen des Geistbereichs und sie wissen nicht, wie das Ziel zu erreichen ist! So beginnen sie, wie es Herkules tat, mit der fünffachen Suche.
Das erste Stadium dieser Suche ist voll Ermutigung, wären sie nur fähig gewesen, das Geschehnis zu erkennen. Wie Herkules begegnen sie Nereus, dem Symbol des höheren Selbst, der in der späteren Geschichte des Jüngers das Symbol des lehrenden Meisters ist. Wenn besonders in den frühen Stadien der Suche der Kontakt besteht, wird sich das höhere Selbst als Blitz der Erleuchtung offenbaren und ebenso rasch verschwunden sein; als plötzliches Erkennen der Wahrheit, aber so schwer fassbar und flüchtig, dass es der Jünger zuerst nicht festhalten kann; als ein Hinweis, der in Augenblicken zielgerichteter Aufmerksamkeit ins Bewusstsein «einfällt», wenn das Denken ruhiggehalten wird und die Emotionen vorübergehend aufhören, ihn zu beherrschen.
Im Fall eines weiter fortgeschrittenen Jüngers, der den Kontakt mit seiner Seele hergestellt hat und von dem man deshalb annehmen kann, dass er für Belehrung durch einen großen Führer der Rasse bereit ist, wird erkennbar, dass der Meister genauso wirkt, wie es Nereus tat. Er kann nicht ständig mit ihm in Kontakt bleiben und nur gelegentlich kommt der Jünger mit ihm in Berührung. Geschieht es aber, dann darf er keine Glückwünsche zu seinem wundervollen Fortschritt erwarten, noch werden ihm seine Probleme sorgfältig erläutert oder wird ihm die Arbeit, die er zu tun hat, langwierig erklärt. Der Meister wird einen Hinweis geben und verschwinden. Er wird einen Vorschlag machen und weiter nichts dazu sagen. Es ist Sache des Jüngers, nach dem Wink nach bestem Vermögen zu handeln und der Anregung zu folgen, wenn es ihm richtig erscheint.
Viele wohlmeinende Okkultisten möchten uns glauben machen, dass die Meister der Weisheit ein persönliches Interesse an ihnen haben, dass die überbürdeten Lenker der Rasse nichts Besseres zu tun haben, als ihnen persönlich zu sagen, wie sie leben, ihre Probleme lösen und ihre Unternehmungen leiten sollen. Ich möchte hier ausdrücklich gegen jede solche Verniedlichung der Arbeit der Großen protestieren. Es gibt zweierlei Gründe dafür, dass Nereus, der Meister, unfasslich ist und dem Aspiranten nur einen Gedankenhinweis gibt oder ihm nur momentane Aufmerksamkeit widmet:
Erstens, der einzelne Aspirant ist noch nicht persönlich interessant für den Meister, bevor er in seiner Entwicklung einen Punkt erreicht hat, wo die Verbindung mit seiner Seele so eng ist, dass er zum magnetischen Diener in der Welt wird. Dann, und erst dann, wird es dem Meister von Nutzen sein, ihm einen Gedanken zu widmen und ihm einen Hinweis zu geben. Wenn diese Hinweise befolgt werden, kann er ihm dann mehr geben. Aber, und das ist der Punkt, der ausdrücklich betont werden muss, nur in Verbindung mit der Arbeit, die der Jünger auf dem Gebiet des Weltdienstes zu tun hat. Aspiranten dürfen nicht vergessen, dass sie nur durch meistern Meister werden und dass wir nur durch die Bemühung unserer eigenen Seele zu einem Glied in den Reihen der Weltdiener werden können und gelehrt werden, Meisterschaft zu erlangen. Die Seele ist ein göttlicher Sohn Gottes, allwissend und allmächtig. Je mehr der unsterbliche Zwilling an Macht und Glanz zunimmt, nimmt der sterbliche Bruder ab.
Zweitens sind die physischen Körper der Aspiranten noch nicht in der Verfassung, die stark erhöhte Schwingung zu ertragen, die ein Vollendeter erreicht hat. Der Körper würde zerrüttet und das Gehirn überanstrengt, wenn einer der Meister ständig Kontakt mit einem der Jünger herstellen würde, ehe er noch nicht einmal gelernt hat, Nereus als das Symbol seines eigenen höheren Selbst zu erkennen. Fangen wir jedoch an, durch unser eigenes Bemühen als Seelen zu leben und durch selbst eingeleitetes Streben dienen zu lernen und zu Kanälen für geistige Energie zu werden, dann werden wir Nereus näher kennenlernen. Dann wird fast unweigerlich unser Wissen über die Arbeit der Großen so lebendig und wirklich sein, dass wir unseren eigenen Wunsch nach Kontakt mit ihnen aufgeben und nur noch bemüht sind, die Bürde zu erleichtern, die sie zu tragen haben.
Am Anfang seiner Suche begegnete Herkules Nereus, war aber von ihm nicht beeindruckt und wanderte weiter, indem er ungestüm nach Befriedigung seines eigenen Strebens suchte. Am Ende seiner Suche trifft er auf Atlas, der die Bürde der Welt trägt und ist so beeindruckt von dem Gewicht der Verantwortung und Last, die Atlas, der große Meister trägt, dass er sein Ziel, seine Suche nach den goldenen Äpfeln und alles vergisst und sich nur noch bemüht, die Last von des Atlas Schultern zu nehmen. Wenn die Aspiranten auf religiösem Gebiet, in der Kirche auf dem theosophischem Gebiet und dem Gebiet der Rosenkreuzer oder den vielen Gruppen, zu denen sie sich hingezogen fühlen, gelernt haben, im Dienen sich selbst zu vergessen und ihre geistige Selbstsucht beiseitezulassen, indem sie der Menschheit helfen, dann werden viel schneller Eingeweihte durch das Portal auf den Pfad gebracht, der von der Dunkelheit zum Licht, vom Unwirklichen zur Wirklichkeit führt. Einer der Großen hat einmal gesagt, «dass es Leute gibt, die obwohl sie äußerlich kein Zeichen von Selbstsucht erkennen lassen, dennoch in ihrem inneren geistigen Streben äußerst selbstsüchtig sind.» (The Mahatma Letters to A. P. Sinnett S. 360) Und später hält er uns ein erstaunliches Ideal vor Augen, das tief in die Wurzeln geistiger Selbstsucht einschneidet: «Von unserem Gesichtspunkt aus wird das höchste Streben für das Wohl der Menschheit durch Selbstsucht verfärbt, wenn im Denken des Philanthropen auch nur der leiseste Schatten eines Wunsches nach irgendeinem Nutzen für sich selbst lauert. …»
Herkules, der Jünger, kannte die Berührung des höheren Selbst, wusste aber noch nicht genug, um bei Nereus zu bleiben. Somit wendet er sich nach Süden, oder zurück in die Welt. Er hatte zwar seine erhabenen Augenblicke erlebt, wenn er sein Gehirnbewusstsein überstieg und mit seiner Seele Zwiesprache hielt. Aber das hält nicht an und er fällt zurück in sein Gehirn-Bewusstsein und geht in eine neue Erfahrung. Er muss mit Antaeus, der Schlange (oder dem Riesen) ringen. Aber diesmal ist es die Schlange astraler Verblendung und nicht in erster Linie die Schlange der Begierde. Er muss mit den Verblendungen des niederen Psychismus ringen und diese scheinen in den frühen Stadien unvermeidlich das Interesse der Aspiranten anzuziehen. Jeder Lehrende, der mit Menschen gearbeitet hat, die den WEG suchen, kennt die Verblendung, der sie so leicht verfallen. Gemäß dem Temperament des Aspiranten wird die Verblendung beschaffen sein. Einige werden durch spiritistische Phänomene irregeführt. In dem Bemühen, den Schleier zu durchdringen, vertiefen sie sich in die niedere Seite des Spiritismus und verbringen viel Zeit im Séancen-Zimmer, studieren immer und immer wieder das alte Phänomen der Materialisation, der Geisterkommunikation und deren «Botschaften». Ich beziehe mich hier nicht auf die wirklich wissenschaftlichen Untersuchungen, die von ernsthaften, dazu befähigten Forschern unternommen werden. Ich beziehe mich auf unwissende Teilnahme an bestimmten Typen von Séancenarbeit. Das ist für den Durchschnittsmenschen verwirrend und liefert ihn der Gnade und Ungnade gleichfalls unwissender Medien und Scharlatane aus, denn sie sind nicht in der Lage, das, was sie sehen und hören nachzuprüfen.
Die Schlange kann auch die Form der allgemeineren Aspekte psychischer Phänomene annehmen. Der Aspirant interessiert sich für automatisches Schreiben oder er lernt, ruhig dazusitzen und auf «Stimmen» zu horchen, er wird astral hellsichtig und hellhörend, und fügt zur Verwirrung auf der physischen Ebene und seiner eigenen individuellen Umgebung die noch größere Verwirrung der psychischen Ebene hinzu und gerät so in die Fallen und Schlingen des Astralismus. Er wird negativ, weil er dauernd versucht, das zu hören und zu sehen, was nicht physisch ist. Weil wir mit Katzen und Hunden die Fähigkeit teilen, hellsichtig und hellhörend zu sein, werden wir sicher zu gegebener Zeit sehen oder hören, wenn auch nicht in Wirklichkeit, sondern durch die Macht jener schöpferischen Fähigkeit, die wir alle besitzen, einer schöpferischen Vorstellungskraft. Aber in irgendeiner Form wird der Aspirant, der Nereus verlassen hat, die Schlange treffen und mit ihr zu kämpfen haben. Wie die Sage berichtet, konnte Herkules lange Zeit die Schlange nicht überwinden, aber als er sie hoch in die Luft hob, trug er den Sieg davon.
Diesem Symbol liegt eine große Wahrheit zugrunde. Die Luft wurde immer als das Symbol oder das Element angesehen, das zur Christusebene in Beziehung steht. Diese wird in der theosophischen Terminologie und im Osten die buddhische Ebene genannt. Die Astralebene ist die verzerrte Widerspiegelung der buddhischen Ebene, und nur wenn wir die Verblendung in das klare Licht der Christus-Seele emporheben, können wir die Wahrheit sehen, wie sie ist und unüberwindbar werden. Deshalb möchte ich allen Aspiranten ernsthaft raten, jedes Interesse an psychischen Phänomenen fallen zu lassen und die Astralebene so beharrlich wie möglich auszuschalten, bis sie die Macht der Intuition entwickelt haben und diese dann mithilfe ihres gut entwickelten, gut ausgerüsteten und geschulten Denkens interpretieren können.
Das nächste Stadium der Suche des Herkules ist gleichfalls auf die ganze Menschheit anwendbar. Er fiel dem Busiris in die Hände, der behauptete, ein großer Lehrer zu sein. Während eines langen Zeitraums hielt er Herkules in Knechtschaft. An allen Ecken und Enden sind heute in unserer Welt Lehrer anzutreffen, die wie Busiris ihre Lehren mit den verhängnisvollsten Ansprüchen untermauern; die behaupten, Eingeweihte und Hüter der Wahrheit zu sein und eine totsichere, unfehlbare Entwicklungsmethode zu besitzen, die den Aspiranten unweigerlich befähige, das Ziel zu erreichen. Sie unterstützen ihre Position durch Versprechungen, bauen eine starke Persönlichkeitsbeziehung auf und indem sie die Ernsthaftigkeit und Aspiration des Wahrheitssuchers ausnutzen, sammeln sie Gruppen von Menschen um sich, die unschuldsvoll und ehrlich an die Wahrheit ihrer Behauptungen glauben, und binden sie für längere oder kürzere Zeit an den Opferaltar. Der wahre Eingeweihte ist durch sein Leben und Handeln zu erkennen. Er ist mit seinem Dienst an der ganzen Menschheit viel zu sehr beschäftigt, um Zeit zu haben, Menschen für sich zu interessieren. Er kann keine anderen Versprechungen machen, als jedem Aspiranten zu sagen: «Dies sind die uralten Regeln, dies ist der WEG, den alle Heiligen und Meister der Weisheit gegangen sind. Das ist die Disziplin, der ihr euch selbst unterwerfen müsst, und wenn ihr es nur versuchen wollt und Ausdauer und Geduld besitzt, wird euch das Ziel gewiss sein.»
Aber Herkules befreite sich selbst, wie es alle wahrhaft Suchenden tun, und nachdem er der Welt des Psychismus und der pseudogeistigen Verblendung entflohen war, begann er zu dienen. Erst befreite er sich selbst unter dem Symbol des Prometheus, der den inkarnierten Gott symbolisiert, indem er ihn aus der Folter der ihn, seit altersher quälenden Geier erlöste. Der Solarplexus, der Magen und die Leber sind die äußerlich sichtbaren Entsprechungen – man könnte auch Externalisationen sagen – der Begierdennatur, und Herkules befreite sich von den Geiern der Begierden, die ihn so lange gequält hatten. Er gab es auf, selbstsüchtig zu sein und seine Wünsche zu befriedigen. Er hatte im Zeichen Krebs zwei bittere Lektionen zu lernen und während dieses speziellen Zyklus war er relativ frei. Prometheus, der innere Gott, konnte vorwärtsschreiten zum Weltdienst, um Atlas die Last der Welt abzunehmen.
Nach dem Opfer kommt die Belohnung und Herkules erfährt eine große Überraschung, nachdem er beide, Prometheus und Atlas befreit hat. Da er seine Suche aufgegeben hatte, um der Welt zu helfen, ging Atlas für ihn zu dem Garten, gab ihm die goldenen Äpfel und brachte ihn in Berührung mit den drei schönen Maiden, den drei Aspekten der Seele.
Am Anfang seiner Aufgabe kommt er in Kontakt mit seiner Seele als Nereus; am Ende der Arbeit, nachdem er viel Verblendung überwunden hat, erreicht er eine zunehmend gesteigerte Vision seiner Seele und sieht sie in ihren drei Aspekten, von denen jeder in sich die Macht der drei Prinzipien der Göttlichkeit enthält. Aegle symbolisiert die Glorie des Lebens und die Pracht der untergehenden Sonne; die Großartigkeit der Manifestation auf der physischen Ebene. Sie gab Herkules einen Apfel und sagte: «Der Weg zu uns führt immer durch Taten der Liebe.» Erythea bewachte das Tor, die Seele, das immer durch Liebe-Weisheit geöffnet wird und gibt Herkules einen Apfel, der mit dem Wort DIENST gekennzeichnet ist. Hesperis, der Abendstern, der Stern der Einweihung, versinnbildlicht den Willen. Sie sagt zu Herkules: «Wandle den WEG.» Körper, Seele und Geist; Intelligenz, Liebe und Wille. Durch DIENEN werden diese drei Aspekte vom selbstlosen Aspiranten visionär erkannt und durch DIENEN kommt er mit ihnen in Berührung.
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