Shivabalayogi

Shivabalayogi

Shivabalayogi (Wikipedia)

Beim Durchstöbern der Astrodatabank bin ich auf den indischen Meditations-Lehrer Shivabalayogi aufmerksam geworden. Ich habe noch nie zuvor von ihm etwas gehört oder gelesen. Er kam am 24. Januar 1935 um 14.45 Uhr in dem kleinen indischen Dorf Adivarapupeta mit dem Namen Sathyaraju Allaka zur Welt. Seine Eltern waren sehr arm, sein Vater kannte sich jedoch ein wenig mit dem Panchang aus, dem indischen Mondkalender, und studierte früh das Horoskop seines jüngsten Sohnes. Er prognostizierte daraus, dass im Alter von rund zwei Jahren entweder er selbst (der Vater) sterben und der Junge eines Tages ein „großer Mann“ werde – oder der Junge stirbt (Shivabalayogi Biografie).

Rashi + Vimshottari  Dasha siderisch

Rashi + Vimshottari Dasha siderisch

Das siderische Rashi, auf dessen Basis der Vater sicher seine Prognose stellte, offenbart einen Aszendenten im Zeichen Stier. Lagnesh Venus befindet sich in Steinbock, dem Zeichen eines großen Freundes, gemeinsam mit der Sonne, Merkur und Rahu. Merkur steht so nahe bei Venus, dass die beiden sich im Krieg befinden (Graha Yuddha), den Merkur für sich entscheiden kann, weil er im Zeichen noch vor Venus steht. Dies in Verbindung mit der Anwesenheit der natürlichen Übeltäter Sonne und Rahu konnte den Vater nichts Gutes für seinen Sohn vermuten lassen, sobald das Ketu Bhukti im Maha Dasha der Sonne beginnt.

Vimshottari Dasha

Vimshottari Dasha

Die traditionelle indische Astrologie ordnet dem Vater den natürlichen Karaka Sonne und üblicherweise das 9. Haus und dessen Herrscher zu. Steht der Karaka für eine Person in dem dieser Person zugeordneten Haus, hier also die Sonne im 9. Haus, deutet dies auf Probleme und Schwierigkeiten des Vaters hin, zum Beispiel Krankheit und früher Tod. Ketu, der Südknoten, liegt gegenüber im Zeichen Krebs im 3. Haus, d.h. im 7. Haus vom Dasha-Herrscher Sonne. Ketu verdunkelt (wie bei einer Finsternis), macht unsichtbar bzw. nimmt etwas weg. Das 7. Haus ist neben dem 2. Haus von Maraka-Qualität, steht damit in Zusammenhang mit dem Tod. Tatsächlich stirbt der Vater im Juli 1937.

Dvadashamsha D12 siderisch

Dvadashamsha D12 siderisch

Der zweite Teil der väterlichen Prognose sollte sich auch bewahrheiten: Sathyaraju wurde „ein großer Mann“, ein Yogi, der SELBST-Verwirklichung noch im Kindesalter erreichen sollte. Dies deutet ebenfalls die starke Besetzung des 9. Hauses an.

Shivabalayogi 1950

Shivabalayogi 1950

Am Nachmittag des 7. August 1949 erlebt der 14jährige Sathyaraju Samadhi, einen Zustand tiefster meditativer Versenkung, des bewussten Verschmelzens und Einsseins mit Gott. Sathyaraju saß mit elf Freunden (Elf ist die Zahl Rudras bzw. Shivas) am Godavari Bewässerungskanal etwas außerhalb des Dorfes und teilte mit ihnen eine Palmyra Frucht. Als er die Frucht zusammenquetschte, um den Saft zu trinken, fing sein Körper plötzlich an zu zittern und ein helles Licht strömte aus der Frucht in seine Hände. Er hörte den kosmischen Klang Aum. Ein schwarzer Lingam (Symbol der Absolutheit Gottes), rund einen halben Meter hoch, manifestierte sich. Der Lingam zerbrach in zwei Teile und ein großer, gut aussehender Mann erschien in der Form eines Jangama Devara, ein Asket, der betet und Kleider wie die Gottheit Shiva trägt. Seine dunkle Haut war mit heller Asche beschmiert. Er trug ein weißes Tuch (dhoti) um seine Taille und eine Kette von Rudraksha-Perlen. Seine verfilzten Haare waren auf seinem Kopf aufgetürmt, ganz in der Art der Yogis in alter Zeit. Er war sehr hübsch mit großen, schönen Augen. Ein helles Licht ging von ihm aus, und alles, was Sathyaraju sehen konnte, war der Yogi und das göttliche Licht. Der Yogi forderte Sathyaraju auf, sich im Schneidersitz hinzusetzen und die Augen zu schließen. Er berührte die Stirn des Jungen zwischen den Augenbrauen, an der Stelle des geistigen dritten Auges, und klopfte ihm vorsichtig auf den Kopf. Sathyaraju trat sofort in Samadhi ein.

Fortan wurde der Junge Shivabalayogi genannt: Shiva = Gott Shiva, der „Glückverheißende“, Bala = Junge, Kind und Yogi = jemand, der (meditativen) Yoga praktiziert.

Vimshamsha D20 sideisch

Vimshamsha D20 sideisch

Im siderischen Rashi D1 hatte ein Mars/Rahu/Saturn-Dasha begonnen. Mars befindet sich in der Jungfrau im Zeichen eines großen Feindes und im Haus des Purva Punya, dem Guthaben aus vergangenen Inkarnationen, der religiösen Gesinnung, der Hingabe an Gott und der spirituellen Techniken. Rahu steht in 9 in Steinbock mit Merkur, und ihr Dispositor Saturn in 10 im eigenen Zeichen Wassermann. Im Vimshamsha D20, dem Varga der Hingabe und Anbetung, steht Merkur stark in der Jungfrau gemeinsam mit Lagnesh Mond und mit Rahu. Mars liegt im Steinbock in 7 und Saturn im 9. Zeichen vom Krebs-Lagna.

Vimshottari Dasha 1994Stirbt ein SELBST-verwirklichter Yogi, spricht man in Indien von Mahasamadhi, das bewusste Verlassen des Körpers. Am 28. März 1994 war dieser Tag für Shivabalayogi gekommen, in einem Saturn/Merkur/Mars-Dasha. Diese Planeten kennen wir bereits aus der ersten Samadhi-Erfahrung. Mars und Merkur sind darüber hinaus für Stier-Aszendenten Maraka-Planeten, die direkt mit dem physischen Tod in Zusammenhang stehen.

Siderische und tropische Horoskope

Mir begegnet nur selten ein siderisches Rashi, in dem die Dasha-Auslösungen so stimmig bis in die relevanten Vargas hinein sind, und vergleiche sie mit den tropisch berechneten Horoskopen. Im tropischen Rashi ist Saturn Atmakaraka, der Aszendent ist Zwillinge. Im 9. Haus im Wassermann stehen fünf Planeten, darunter der natürliche Atmakaraka Sonne und der bewegliche Atmakaraka Saturn. Dies weist wie das siderische Rashi auf eine sehr spirituell ausgerichtete Person mit einem starken Dharma hin.

Rashi D1 tropisch

Rashi D1 tropisch

Vimshottari 1937Im Monat vor dem Tod des Vaters begann ein Mond Maha Dasha, der Herrscher des 2. Hauses = Familie. Es lief außerdem ein Rahu oder Mars Pratyantar Dasha. Mond und Rahu stehen in einem für einen Todesfall passenden 6/8-Verhältnis.

 

Dvadashamsha D12 tropisch

Dvadashamsha D12 tropisch

Trimshamsha D30 tropisch

Trimshamsha D30 tropisch

Im BPHS wird der Vater dem 10. Bhava (Haus) zugeordnet. Im Dvadashamsha D12 liegt die 10. Hausspitze (das Medium Coeli) im Krebs => Mond, im Trimshamsha D30 in der Waage mit dem Mond darin. Rahu steht dort im 8. Rashi von der 10. Spitze und dem Mond gerechnet.

 

Vimshotttari SamadhiExakt am Tag der Samadhi-Erfahrung am 7. August 1949 begann ein Mars/Saturn-Dasha. Saturn ist hier als Atmakaraka und Herrscher des 9. Bhava ein wichtiger Signifikator für spirituelle Erfahrungen. Auch Mars befindet sich in 5 in einem Dharma-Haus, beide Dasha-Planeten also in einem dharmischen 5/9-Verhältnis.

Vimshamsha D20 tropisch

Vimshamsha D20 tropisch

Im Vimshamsha D20 steht Mars stark im eigenen Zeichen in einem Kendra und Saturn im 9. Rashi vom Aszendenten. Samadhi ist eine Erfahrung, die dem 8. und dem 12. Haus zugeordnet werden kann. Im D20 beherrscht Mars die 8. Campanus-Hausspitze, während die 12. Campanus-Spitze in einem Saturn-Zeichen liegt.

Transite Samadhi

Transite Samadhi

 

 

Vimshottari 1994 Mahasamadhi

Mahasamadhi ereignete sich einen Tag vor Beginn des Saturn/Venus-Dasha. Venus und Saturn sind einerseits Herrscher der Dharma-Häuser 5 und 9 als auch der Moksha-Häuser 8 und 12, die das Ende eines erfüllten dharmischen Lebens (5 + 9) im Zustand des Mahasamadhi (8 + 12) zum Ausdruck bringen. Korrigiert man Shivabalayogis Geburtszeit nur um plus 30 Sekunden, fällt der Dasha-Beginn exakt auf den 28. März 1994.

Transite Mahasamadhi

Transite Mahasamadhi

6 Gedanken zu „Shivabalayogi

  1. Wolfgang

    Sehr inspirierend! Danke.
    Kleine Anmerkung noch zur Diabetes und Niereninsuffizienz am Ende seines Lebens: Ernst verwendet ja teilweise andere Zuordnungen, aber ich habe noch gelernt, Zuckerhaushalt (Funktion) und Nieren (Organ) sind der Venus zugeordnet. Siderisch beherrscht sie hier Lagna (Körper, Vitalität) und das sechste Haus (Krankheiten). Eingesetzt wird sie aber in 9 im Sinne von bhakti marga.
    Fast erheiternd finde ich in diesm Zusammenhang das Zitat über die Motovation zum Yoga, die er mit Schokolade vergleicht, die ein Kind zum Schulbesuch motivieren soll.

    Antworten
    1. starfish Beitragsautor

      Vivekananda soll auch an den Folgen von Diabetes gestorben sein. Ein guter Draht zu Brahman bzw. dem „Vater im Himmel“ scheint keinen Schutz vor Krankheit zu garantieren, denn fast alle Erleuchteten, von denen ich gelesen habe, starben an schweren Krankheiten. Man denke nur an Ramakrishna oder Ramana Maharishi. Darüber plane ich schon seit langem einen Aufsatz.

      Über Diabetes im Horoskop hatte ich vor Jahren einen astro-psychologischen Artikel in der Zeitschrift Astrolog veröffentlicht, der auch auf meiner Homepage nachgelesen werden kann: Wenn die Süße des Lebens krank macht. Dort waren Venus und Neptun auffällig. Ernst ordnet den Pankreas dem Planeten Saturn und Krankheitsdispositionen speziell Verletzungen der Venus- und Jupiterzeichen zu. Im tropischen D30 von Shivabalayogi sind Stier und Waage von Übeltätern verletzt, außerdem liegen alle Dushtana-Hausspitzen in Stier gemeinsam mit Rahu und Ketu. Im siderischen Rashi ist Venus als Herrscher von 6 und im Krieg mit Merkur ebenfalls ein starkes Indiz.

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      1. Wolfgang

        Im sid. Trimsamsa steht Venus mit Merkur und Mars im Skorpion-Lagna. Mars beherrscht dort auch das 6. Haus. in dem sich Saturn aufhält. Jupiter in 12 und Waage steht genau gegenüber. Er beherrscht die Häuser 2 und 5.
        Ein Yogi, der bereits im jugendlichen Alter Erleuchtung erfährt, ist damit möglicherweise mit voller Absicht und Kontrolle wiedergeboren worden um vielleicht letzte Hindernisse und Bindungen zu beseitigen bzw. uns andere zu unterstützen – als Teil seines Dharmas.

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        1. starfish Beitragsautor

          Wie du sicher bemerkt haben wirst, arbeite ich mit einem anderen Trimshamsha, bei dem ein Rashi wirklich durch 30 geteilt wird. Siderisch sieht das dann so aus:

          Was die schweren Krankheiten der Yogis anbelangt: wichtig ist für sie immer das Wissen, nicht der Körper zu sein, sondern Atman. Das ist vermutlich die Lektion für den Yogi selbst (seine letzte Prüfung?) wie auch für seine Anhänger.

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          1. Wolfgang

            Ja, wir haben uns zu diesem Thema schon ausführlich ausgetauscht und rein mathematisch ist Deine Methode auch zwingender. Ich gestehe allerdings, dass ich – obwohl sonst eher neophil veranlagt – immer (noch) Probleme habe, jahrhundertelange Traditionen über Bord zu werfen. Das geht mir auch mit dem siderischen Tierkreis so. Zwar sind die Zeichen als solche in der indischen Astrologie nicht ganz so wichtig, bestimmen aber wesentlich die Würden, Freundschaften oder Herrschaftsbereiche. Bei Ganzzeichenhäusern macht das oft riesige Unterschiede. Die Vorstellung, tausende Astrologen wären aufgrund kleiner Übersetzungsfehler von völlig falschen Voraussetzungen ausgegangen, ist mir wirklich suspekt.
            Wir haben ja bereits öfter festgestellt, dass beide Perspektiven nachvollziehbare Ergebnisse liefern. Für mich allerdings ein erkenntnistheoretisches Dilemma.
            Im Beispiel oben finde ich interessant, dass die von Ernst für den Pankreas und Diabetes genannten Faktoren, Jupiter in seiner Erhöhung (Übertreibung?) und Saturn im Exil (Hemmung?) dominant sind. Die 4er-Konstellation ist hier in Haus 5 von 6 und könnte damit das Dharma der Krankheit (6) ausdrücken.

          2. starfish Beitragsautor

            Da ich keine Inderin bin, habe ich nicht so viele Skrupel, vermutete alte Zöpfe abzuchneiden. Ähnlich seltsam wie das Trimshamsha ist auch das Hora, das D2. Es gibt noch andere Astrologen in Indien, die diese Vargas anders als üblich berechnen, nicht nur Ernst.

            Ich setze das Thema D2 und D30 auf meine To-Do-Liste für den Blog. Mal sehen, was dabei rauskommt

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