Transpersonale Astrologische Psychosynthese

Roberto Assagioli Radix

Roberto Assagioli Radix

Im Juni 1997 hielt Bruno Huber während des API-Seminars Astrologische Psychosynthese einen Vortrag über Transpersonale Astrologische Psychosynthese. Psychosynthese ist ein Prozess, der sich ständig in der Psyche eines jeden Menschen vollzieht. Gleichzeitig ist Psychosynthese eine Methode der psychischen Entwicklung und Selbst-Verwirklichung. Schöpfer dieser Methode ist der italienische Psychiater Roberto Assagioli. In der Astrologischen Psychologie (Huber-Schule) spielt die Psychosynthese eine grundlegende Rolle.

Im Folgenden veröffentliche ich die schriftliche Übertragung meiner Tonbandaufzeichnung von damals.

balkenRoberto Assagioli unterscheidet die personale von der spirituellen Psychosynthese. Eine spirituelle Psychosynthese ist nicht möglich, wenn nicht zuvor eine einigermaßen gut verlaufene personale Psychosynthese stattgefunden hat. Der Mensch muss erst als Mensch „gerade gewachsen“ sein, bevor er sich sozusagen dem Himmel entgegenstrecken kann. 

Psychosynthese-EiAssagioli fasst die Struktur des Menschen im sogenannten Ei der Psychosynthese zusammen. Hier finden wir im Zentrum den Raum des persönlichen Egos, d.h. hier lebt der Mensch, hier nimmt er sich selbst wahr und geht mit sich selbst um. Hier packt er auch die Welt an, die ihn umgibt. Der Mensch sieht also die Welt in diesem Raum drinnen (5 = das „Ich“ und 4 = „Bewusstseinsfeld“). Oben setzt Assagioli das Höhere Selbst (6) ein und unterscheidet ein tieferes (1), mittleres (2) und höheres Unbewusstes (3).

In der Huber’schen Flasche (auch: Huber’sche Amphora) ist der Bereich des Höheren oder Wahren Selbst offen gelassen. Hier finden wir Wege, um unsere höheren Regionen zu begehen. Das Problem bleibt aber auch hier, dass wir zunächst einmal „unten“ Ordnung schaffen müssen, wenn wir erfolgreich in die Höhe aufsteigen wollen.

Huber'sche Flasche

Huber’sche Flasche (API Bildarchiv)

Natürlich dringen wir in diesen höheren Bereich schon relativ früh in einem noch relativ starken, persönlichen Verwirrungszustand vor, schubweise. Wir haben vielleicht gewisse Erleuchtungen oder wir können plötzlich Dinge erkennen, die von einem normalen menschlichen Standpunkt aus nicht erkannt werden können. Aber wir fallen anschließend automatisch in den Normalzustand zurück, in die normal-menschlichen Funktionskreise, und müssen entweder auf die nächste „Erleuchtung“ warten; oder wir beginnen, darum zu ringen, also den Zustand bewusst herzustellen.

Solange aber im Bauch der Flasche die Dinge nicht einigermaßen in Ordnung sind, erleben wir eigentlich immer nur schubartige transpersonale Erfahrungen und müssen dazwischen mit relativ langen Normalphasen leben, in denen wir uns vielleicht sehr kläglich vorkommen.

Was heißt nun, da unten im Flaschenbauch Ordnung zu schaffen bzw., wie Assagioli es ausdrückt, eine Psychosynthese auf der personalen Ebene, das heißt auf der Persönlichkeitsebene herbeizuführen?

Einfach ausgedrückt geht es darum, den Zustand zu erreichen, der in der Huber’schen Flasche angezeigt ist. In der Mitte der Zeichnung finden wir eine gestrichelte Linie, sozusagen einen Faden. Dieser Faden hat in der Esoterik viele Namen. Überall, an jedem Punkt dieses Fadens, ist der Schwerpunkt, der nach unten zieht. Der schwerste aller Schwerpunkte ist natürlich unten Saturn, das Bleigewicht, das am Ende des Fadens hängt und wie ein Lot wirkt. Der Faden sollte gerade hängen. Außerdem sollten die Persönlichkeitsplaneten am Faden sein und nicht irgendwo in der Flasche herumsausen. Dies tun sie aber häufig, denn wir befinden uns mit unserem Bewusstsein manchmal im Saturnischen, manchmal im Mondhaften, manchmal im Sonnenhaften, aber wir sind immer an der Welt interessiert, wir müssen ja auch in der Welt leben, müssen durchkommen usw.

Die Umwelt findet sich außerhalb der Flasche, und wir sehen durch die Flasche hindurch die Außenwelt. Würden sich nun alle Persönlichkeitsplaneten am Faden ausrichten, wie es in der Graphik dargestellt ist, dann würden wir durch die Scheibe der Flasche hindurch relativ klare Bilder wahrnehmen können. Wir können auch sagen: wenn ich in meiner Mitte bin, sehe ich klare Bilder und weiß um mögliche Verzerrungen. Dadurch kann ich mich sehr objektiv auf die Umwelt einstellen, ich bin „in Ordnung“.

Wenn ich aber glaube, dass die Bilder, die ich sehe, wirklich so seien, wie ich sie sehe, dann bin ich verwirrt, ich sitze eigentlich einer Illusion auf. Wir bewegen uns dann mit den Persönlichkeitsplaneten vom Faden weg hin zur Umwelt an der Flaschengrenze, um das Objekt näher betrachten zu können. Womöglich identifizieren wir uns gar mit der Erscheinung da draußen. Dann handelt es sich aber um keine realen Bilder mehr. Ich bin in meinem Ich-Bewusstsein eingefangen von Fremd-Illusionen, und ich werde durch diese auch bestimmt. Meine Bewegungen werden durch die Bilder bestimmt und ich sause im Flaschenbauch hin und her, um eine vermeintlich optimale Beobachtungsposition zu finden, aber in Wirklichkeit ist da gar nicht das, was ich meine zu sehen, sondern es ist etwas anderes, oder vielleicht auch gar nichts.

Wir erleben zum Beispiel bei Unfällen das Phänomen, dass Augenzeugen oft hinterher unterschiedliche Beobachtungen schildern, obwohl es sich um ein und denselben Unfall handelte. Einer sah ein rotes Auto, ein anderer ein grünes, ein dritter ein blaues. Jeder sah die Welt aus seiner persönlichen Sichtweise mit entsprechenden Verzerrungen.

Wir lassen uns von den Spiegelbildern am Flaschenrand bestimmen, sind überzeugt, dass die Welt so sei, wie wir sie hier wahrnehmen. Wir erliegen der Illusion der subjektiven Wahrnehmung. Wir identifizieren uns mit diesen Bildern, das heißt wir sind nicht in unserer Mitte. Wenn es uns gelingt, uns am Faden auszurichten, das heißt uns in unser Zentrum zurückzuziehen – was zum Beispiel geschehen kann durch Selbstbeobachtung, wenn wir dem automatischen Drang nach Reagieren auf Einflüsse am Flaschenrand widerstehen – so gewinnen wir mehr Distanz und mehr Objektivität. Das Wesentlichste ist, nicht unmittelbar zu reagieren, sondern eine „Schaltpause“ einzuhalten, während der wir in unsere Mitte zurückgehen können und dadurch mehr Distanz zu den Dingen, um die es geht, haben.

Es geht also darum, bevor wir unmittelbar, automatisch und reflexhaft auf Umweltvorgänge reagieren, erst einmal „die Luft anzuhalten“, zurückzutreten und zu schauen. Wir gewinnen damit automatisch mehr Distanz und Objektivität. Wir sind dann nicht mehr identifiziert mit den Vorgängen da draußen. Bei der personalen Psychosynthese handelt es sich darum, die Persönlichkeit als Ganzes zur Mitte zu führen, also das Ego zu lehren, sich nicht reflexhaft mit den Dingen in dieser Welt zu identifizieren, sondern sie aus genüsslicher Distanz zu betrachten, um dann geeignet zum Zuge zu kommen.

Selbsterhaltung – Gier – Sucht

Der Trieb zur Selbsterhaltung ist ein gesunder Egoismus. Er ermöglicht mein Leben hier in dieser Welt. Gier ist etwas, was ich unbedingt brauche, weil ich es schon einmal gehabt habe und immer wieder haben möchte. Es geht bei Gier nicht darum, ob das Objekt vernünftig ist und dem Leben pfleglich. Gier hat sich vom ursprünglichen Selbsterhaltungstrieb als egozentrische Kraft gelöst und selbständig gemacht. Sucht ist eine Form von Gier, die nicht locker lassen kann und immer wieder dasselbe haben will. Es ist schwierig, sich von der Gier zu lösen, aber es ist gar nicht so schwierig, die Gier zu erkennen und zu unterscheiden vom natürlichen Egoismus, der dafür sorgt, dass ich überlebe, gesund bleibe und wachsen kann. Die Gier lässt uns im Flaschenbauch herumsausen auf der Jagd von einem Objekt zum anderen, von dem wir uns einbilden, dass wir es jetzt haben müssten. Wenn wir aber erkennen, dass da ein Gier-Mechanismus drin steckt, also ein sich selbst wiederholender und sich selbst bedienender Mechanismus, dann können wir bereits innerlich einen Schritt von ihm zurücktreten.

Ich-PlanetenEigentlich sollten unsere Triebqualitäten, die in allen Ich-Planeten stecken, uns immer nur dann zu etwas anreizen, wenn es um Wesentliches geht. Wesentlich im Sinne meines Lebens, Überlebens und Wachsens. Nur dann sollten sie uns ansprechen. Dies wäre dann eigentlich nie routinemäßig oder sich wiederholend wie bei der Gier, sondern es geschähe von Fall zu Fall, auf die jeweilige Situation ganz bewusst reagierend. Dann kann die Triebqualität auch die Kraft liefern, um das Richtige zu tun.

Wir müssen also zunächst einmal lernen, die unmittelbaren Reflexe zurückzunehmen, um dadurch Distanz zu gewinnen und in die Mitte zu kommen. Anschließend müssen wir unterscheiden lernen, was natürlicher Trieb ist und was Gier ist.

Der Faden

Der Faden in der Flasche geht oben über die Flasche hinaus. Man weiß nicht, wo der Faden fest gemacht ist. Wir sind also irgendwo weit oben außerhalb unseres Bewusstseins befestigt. Wir können dies verschieden bezeichnen. Ich persönlich nenne es im Kosmos verankert. Der Kosmos ist größer als ich, ich bin ein Teil des Kosmos, und ich bin irgendwie an ihn angeknüpft. Ich hänge an diesem Faden sozusagen senkrecht aus dieser Ur-Mitte heraus. Wenn wir uns gerade auf einen Stuhl setzen ohne uns zu verkrampfen, können wir diesen senkrechten Faden in uns erspüren. Wir nehmen zunächst unser Gesäß auf der Sitzfläche wahr, es entspricht dem Bleigewicht bei Saturn am Flaschenboden. An der Schädeldecke, der Fontanelle, können wir nach einiger Zeit eine Art Kitzeln spüren – hier tritt der Faden sozusagen aus unserem Körper aus. Der Schwerpunkt ist irgendwo im Bauchraum.

Assagioli beschreibt in seinen Büchern Techniken, die teilweise dazu dienen, sich selbst als Persönlichkeit „in Ordnung“ zu bringen und weitgehende Kontrolle über seine Persönlichkeit zu gewinnen. Dies ist naturgemäß ein langer Prozess, der auch in der geistigen Psychosynthese noch nicht beendet ist und weitergeht. Es ist nicht so, dass man zuerst den Prozess der personalen Psychosynthese völlig abschließen muss und super als Mensch in dieser Welt ist, und erst dann den geistigen Weg beschreiten kann.

Der geistige Weg

Irgendwann, mit irgendetwas, beginnt der geistige Weg. Das hat bei jedem Menschen einen anderen Auslöser. Oft fängt es damit an, dass man vor irgendwelchen unlösbaren Rätseln steht. Oder dass man Aufgaben, die das Leben so stellt, einfach nicht begreift, denn es können größere Aufgaben dahinter stecken, als sie aus dem normal-menschlichen Rahmen heraus bewältigt werden können. Es kann auch sein, dass plötzlich Bewusstseinsveränderungen von selbst passieren, dass man Intuitionen oder Visionen hat, dass man anfängt, hellzusehen, dass okkulte Fähigkeiten wirksam werden – all dies kann auslösen, dass wir anfangen zu suchen, denn der geistige Weg oder Pfad ist ein Suchen, und zwar ein Suchen nach oben.

Mit den geistigen Fähigkeiten wollen wir aus der Flasche heraus. Wir sollen aber nicht völlig aus der Flasche heraus und uns nur noch in den höheren Regionen aufhalten, sondern wir sollen über die Flasche hinaus reichen mit unserem Bewusstsein. Unser Bewusstsein fängt an, den geistigen Weg zu beschreiten, wenn wir konsequent nach dem Warum fragen. Dies kann vielfältige Formen annehmen und muss nicht spirituell oder religiös sein. Ein Mensch, der mit dieser Welt, so wie sie ist, nicht zufrieden ist, hat bereits einen möglichen Ansatz des Weltverbesserers.

Der Weltverbesserer ist ein bekannter Ansatz für Uranus: ich bin nicht zufrieden mit dieser Welt, sie hat zu viele Fehler, Nachteile, Ungerechtigkeiten. Ich möchte herausfinden, wie man es besser machen könnte, wie man diese Welt besser organisieren könnte. Dies ist der uranische Ansatz. Auch die Astrologie gehört hierher, denn wir versuchen durch die Astrologie zunächst unser Leben besser zu verstehen, um damit besser umgehen zu können. Das Aufsteigen in der Flasche stellt aber im Verlauf der Entwicklung folgende Bedingung: Fähig zu werden, überpersönlich im Bewusstsein zu funktionieren. Daher der Begriff Transpersonale Psychologie.

Transpersonal bedeutet, über die Persönlichkeit hinausgehen mit dem Bewusstsein. Wenn ich z.B. versuche, mit Pluto eine Ego-Show abzuziehen, mache ich mich sozusagen strafbar vor dem Naturgesetz. Ebenso, wenn ich mit Neptun versuche, der große Heilige zu sein, weil das mein Ego braucht. Und wenn ich mit dem Uranus die Welt verbessern will, koste das, was es wolle und bringe womöglich andere Menschen um ihr Leben, weil ich diesen Zustand erreichen will, dann übertrete ich auch das Naturgesetz. Ich habe nämlich mein Ego hereingebracht. Das ist der wesentliche Punkt.

Mit dieser Grenze, wenn ich das Ei überschreite, muss ich eigentlich die Interessen meiner Persönlichkeit in meinem Bewusstsein weglassen können. Früher hat man das als Selbstlosigkeit formuliert. Mit Selbstlosigkeit ist ein Übersteigen des persönlichen Bewusstseins gemeint. Das Bewusstsein weitet sich aus auf Überdimensionen: es rechnet nicht mehr mit dem, was ich brauche, sondern damit, was die Menschheit braucht. Es weitet sich auf die Gesamtheit aus. Es verlässt den Rahmen der persönlichen Bedürfnisse.

UranusKlare, wissenschaftliche Forschung ist bereits eine geistige Umsetzung des uranischen Prinzips: Forschung zu betreiben, die neue Naturgesetzlichkeiten erkennt und sie dadurch umsetzbar für die Menschheit macht. Das Funktionieren im überpersönlichen Sinne mit seinem Denken. Uranus ist ein Denk-Planet, er ist das höhere Mentale. Er hat eine Entsprechung zu Merkur, der das niedere Mentale darstellt. Sein Ziel ist die Verbesserung des Zustandes dieser Welt. Uranus ist ein Denk-Apparat mit der Fähigkeit zu abstraktem Denken. Astrologisches Denken ist z.B. abstrakt. Mit Uranus kann ich abstrahieren vom ganz persönlich befangen sein in meinem Denken. Es geht bei Uranus also um abstrakte Erkenntnisse, um die Erkenntnis von Prinzipien und Naturgesetzen.

SaturnSaturn ist die Sicherheitsinstanz. Saturn soll unser Leben sichern. Uranus macht dies in einer abstrakten Weise: er erkennt größere Zusammenhänge. Dadurch kann Uranus größere Sicherheit erzeugen als Saturn je erreichen könnte, weil Saturn ichbefangen funktioniert und deshalb vorwiegend defensiv in seiner Natur ist. Mit Saturn tendieren wir dazu, uns zu verteidigen, uns vor Unbillen zu schützen. Dies ist eine egozentrische Funktion, die wir brauchen – ohne sie wären wir nicht lebensfähig. Aber sie bringt eigentlich nichts Kreatives im uranischen Sinne zustande. Uranus hingegen erforscht größere Zusammenhänge. Dazu muss er aus sich heraus gehen. Er muss den bekannten, alltäglichen, auch den wissenschaftlich bekannten Denkrahmen überschreiten und verlassen. Er muss sozusagen in der Huber’schen Flasche die Eischale durchbrechen. Ich muss mit meinem Bewusstsein über den bekannten Denkrahmen hinaus ins Unbekannte vorstoßen. Dies ist ein expansiver, extrovertierter und offensiver Vorgang gegenüber dem defensiven Verhalten des Saturn. Die Motivation ist aber eigentlich dieselbe: eine größere Erkenntnis der Welt bringt eine größere Sicherheit des Lebens.

Das Faust’sche Syndrom ist ein Problem des Uranus. Faust hat sich alles Wissen angeeignet, das es gibt. Auch das abstrakte, magisch-okkulte, philosophische Wissen hat er sich beschafft. Das führte zum Schluss dazu, dass er völlig aufgelöst war und nicht mehr richtig wusste, wer er eigentlich ist. Im Prolog bekennt er bereits, dass er in unserer Ausdruckweise quasi ohne Identität ist.

Unter dem Flaschenhals ist die Begrenzungslinie durchlässig, nur gestrichelt gezeichnet. Hier verflüchtigt sich aufgrund von zu viel Wissen das Maß der Dinge. Man verliert das Maß, wenn man zu viel weiß. Man verliert die Proportionen. Uranus kann sehr viel Wissen sammeln, aber er ist nicht fähig, das Wissen zu ordnen, wenn es zu viel wird. Es gibt einen Grenzwert, ab dem es sozusagen ins Endlose geht, und dann wird alles nivelliert. Man kann dann keine Profile mehr sehen, man ist total verwirrt. Im Extremfall führt dies zum Selbstverlust. Man weiß selbst nicht mehr, wer man ist. Man kann sich zwar selbst schön analysieren, aber man kann sich nicht mehr als Ganzes erleben und sehen. Man könnte dies als eine Art „uranischen Wasserkopf“ bezeichnen. Die Gier nach Wissen führt zur Überdehnung des uranischen Prinzips. Ein Ausweg wäre, sein Wissen loszulassen und wieder zur Menschlichkeit zurückzukehren.

Okkultist – Mystiker – Esoteriker

NeptunÜber Uranus geht der okkulte Weg, ausgehend von Saturn oder Sonne unten im Flaschenbauch nach oben. Es hat lange Zeit einen anderen Weg „nach oben“ gegeben: den mystischen Weg. Er ist heute in unserer Kultur nicht mehr der übliche. Er kann von vielen Menschen, die vorgeben, mystisch zu funktionieren, gar nicht mehr richtig begangen werden, weil ihr Denken bereits zu ausgeprägt ist. Sie können ihr Denken nicht mehr so ausschalten, wie es der mystische Weg erfordert. Beim mystischen Weg gehen wir vom Mond direkt hinauf zum Neptun. Wir gehen direkt aus unserer Gefühlsnatur über eine Du-Zuwendung auf das Göttliche zu und versuchen uns mit diesem zu vermählen durch einen Gefühlsvorgang. Dies ist Anbetung, ein Prozess der Hingabe, der Hinwendung und Identifikation mit einem höheren Wesen. Im mystischen Annäherungsweg sieht man sein Höheres Selbst als ein höheres Wesen, nicht als sich selbst, sondern als ein Du. Es ist eine Hinwendung zu einem vergeistigten Wesen, oder zu einer Göttlichkeit, aber es ist kein intellektueller Vorgang. Heutzutage sind wir zu klar eigenbewusst, wollen etwas mit dem Leben anfangen und unseren Intellekt benutzen – dies versperrt den mystischen Weg.Mond

Von höherer Warte, zum Beispiel von Pluto aus gesehen, können wir den mystischen und den okkulten Weg als Zwischenstadien und mögliche Wege in die richtige Richtung ansehen. Aber sie können auch sehr leicht missverstanden werden und zu Ich- bzw. Selbstverlust führen.

Der Esoteriker vereint beide Wege. Er hat beides bewältigt und bringt es zusammen. Für ihn gibt es keinen mystischen oder okkulten Weg. Für den Esoteriker bilden beide Wege eine Einheit. Faust kam an dem Ende des okkulten Weges an, wo sein Intellekt nichts mehr bringt. Er kann keinen Schritt mehr weiter machen, weil er gar nicht weiß, wo er steht. Er ist verloren, und das ist sein Ende. Für ihn sieht es aus wie im Flaschenhals: da ist eine Barriere und es geht nicht weiter. Er muss zwingend an diesem Punkt mindestens für eine Phase zum Mystiker werden. Er muss ganz bewusst aus sich heraus treten und sich dem Du zuwenden. Neptun ist zweimal eingezeichnet. Er kann so die Natur lieben lernen mit allem, was dazu gehört und die Welt neu erfahren. Alles in diesem Universum kann spürend erlebt werden, man versteht es dann auf eine ganz andere Art, als wenn man weiß. Man versteht das Universum erst wirklich, wenn man Spüren und Wissen zusammenbringen kann. Das Wissen wird nun wieder sinnvoll, es gewinnt neue Proportionen, und Faust kann es wieder richtig einordnen.

PlutoDies führt dann zum plutonischen Zustand: den Sinn erkennen, wissen wo das alles hinläuft, und aus diesem Verstehen heraus mittun, um diese Tendenz der Entwicklung, des Wachsens, des Kosmos, der Natur, des Menschen usw. zu unterstützen mit seinen eigenen Kräften und Fähigkeiten. Bei Pluto geht es um das Verstehen, was das Ganze anstrebt und dabei mithelfen durch das eigene Tun. Die Synthese des mystischen und okkulten Weges führt in einen visionären Zustand des Bewusstseins. Dies erzeugt eine Transformation des Bewusstseins in einen visionären Geisteszustand.

In der Anwendung höherer, geistiger Kräfte muss man entsprechende dienliche Instrumente aus dem Persönlichkeitsraum nachreifen lassen. Sie profitieren in diesem Sinne durch die höheren Prinzipien. Uranus benötigt z.B. die Fähigkeiten des Merkur, des Saturns und auch der Sonne, Neptun die des Mondes, aber auch der Venus und des Jupiters.

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