Fluchtpunkt Deutschland

Immer wieder werde ich in den letzten Wochen gefragt, was die Astrologie zu den aktuellen Ereignissen sagt. Hunderttausende drängen nach Europa, Millionen sind auf der Flucht. Migrationsbewegungen sind für die Welt nichts neues. Neu ist, dass es diesmal Europa aus ungewohnter Perspektive trifft.

Geistige Planeten am Anfang und Ende des Zodiaks

Im 19. Jahrhundert erfasste Europa eine Auswanderungswelle sondergleichen. Millionen verließen den Alten Kontinent für immer und zogen gen Amerika, Afrika oder Australien. Die Gründe waren wirtschaftlicher (Missernten) und politischer (gescheiterte Revolutionen) Natur. Ein Höhepunkt war in den Jahren 1844 bis in die 1850er Jahre hinein. 1844 trat Uranus in das Zeichen Widder ein. Neptun befand sich anfangs noch in Wassermann, wechselte jedoch 1847/48 in das Zeichen Fische. Diese Mischung des feurigen „Umschwungbewirkenden“ (Uranus in Widder) und wässrig-feuchten „Grenzüberschreitenden“ (Neptun in Fische) begleitet nun auch im 21. Jahrhundert große Migrationsbewegungen.

Europa sieht sich traditionell nicht als Kontinent, in den man einwandert. Eher als Kontinent, aus dem man emigriert. Nun stehen Millionen Einwanderungswillige an den Grenzen, wofür die Europäer kein Konzept haben. Nicht nur Deutschland ist kein Einwanderungsland, sondern ganz Europa kein Einwanderungskontinent. Eine Chance hat der durchschnittliche Einwanderungswillige nur, wenn er als Flüchtling anklopft. Oder die Grenzen gleich erstürmt.

Widderingress 375

Widderingress 375 – Beginn der Völkerwanderung

Die Völkerwanderung, mit der einige Politiker die aktuellen Migrationsbewegungen vergleichen, begann um das Jahr 375 n. Chr. mit dem Einfall eines zentralasiatischen Reitervolks, den „Hunnen“. Damals trat Neptun ebenfalls in das Zeichen Fische ein, während Pluto sich bereits seit einigen Jahren im Widder befand. Pluto lief auch im vorletzten Jahrhundert durch den Widder (von 1822/21 bis 1851/52).

Planetenzyklen

Eine wichtige mundanastrologische Größe sind neben den Zeichendurchgängen der drei Langsamläufer Uranus, Neptun und Pluto auch die größeren Planetenzyklen ab Jupiter und Saturn. Im Widderingress-Horoskop des Jahres 375 fällt zunächst die Saturn/Neptun-Konjunktion an der Zeichengrenze Wassermann/Fische auf. Saturn ist die Grenze, die Festgefügtes sichern soll, während Neptun diese Grenze überschreitet. Der aktuelle Saturn/Neptun-Zyklus begann 1989 mit dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Die Zeit der Völkerwanderung hat mit der unseren eine weitere Gemeinsamkeit: Die Welt befand sich in der Luftmutation des Jupiter/Saturn-Zyklus. Jupiter und Saturn sind die Langsamläufer der klassischen Astrologie, ihre Konjunktionszyklen beschreiben die Entwicklung von Religion und Philosophie, von Welt- und Lebensanschauungen sowie des Staats- und Rechtswesens durch die Zeiten. Der Astrologe Rüdiger Plantiko erläutert dies anschaulich in seiner Arbeit Die letzten 1200 Jahre im Lichte der Grossen Konjunktionen.

Entscheidend für die Prägung einer Zeit ist demnach das Temperament bzw. Element, in dem sich die Konjunktion von Jupiter/Saturn alle zwanzig Jahre ereignet. Etwa alle zweihundert Jahre ändert sich dieses Temperament.

Ju-Sa Temperamentwechsel

  • Feuer – Für die Feuerzeit ist die Symbolik des Anfangs die wesentliche. In Feuerzeiten werden neue Reiche gegründet, werden die Dinge mit einem neuen Schwung ergriffen.
  • Erde – Konsolidierungszeiten. Das Bestehende wird weiter gefestigt und ausgebaut. Entsprechend der Erde-Symbolik kann man eine Hinwendung zum Materiellen beobachten. Das Materielle tritt in den Vordergrund, der „geistige Überbau“ tritt eher zurück oder stagniert, wird zumindest als im Vergleich zu den materiellen Dingen zweitrangiger eingestuft.
  • Luft.- In diesen, auf die Erdezeit folgenden Epochen verlagert sich das Interesse auf das Ideelle oder Ideologische, während auf die materiellen Grundlagen der Gesellschaft weniger Aufmerksamkeit verwendet wird. Eine weitere Luft-Entsprechung ist der Seifenblasen-Effekt: Reiche dehnen sich über die Gebühr zu riesigen Großreichen aus, um dann mangels Stabilität in kurzer Zeit wieder zusammenzufallen. Auch die Völkerwanderung war ein typisches Luft-Phänomen. Erst in nachfolgenden Zeiten zeigt sich, ob die Resultate dieser Wanderungen tragfähig sind.
  • Wasser – Mit dem Wasserelement schließt sich der Kreis. In diesen Zeiten greifen die Menschen nach dem Spirituellen. Religiöse Erneuerungsbewegungen führen – gewollt oder ungewollt – zur Gründung neuer Religionen, Konfessionen oder Sekten.

Die Luftmutation hat vor 35 Jahren mit der dreifachen Jupiter/Saturn-Konjunktion in Waage begonnen. Zu dieser Phase schreibt Plantiko u.a.:

Es zeichnet sich in dieser Luftzeit bereits ab, daß das Denken einen idealistischen oder auch ideologischen Einschlag bekommt. Aus Prinzipien heraus wird geurteilt, und die materiellen Verhältnisse allein verlieren an Bedeutung. Hierzu gehören Denkweisen wie das Prinzip der political correctness ebenso wie die Zunahme fundamentalistischer Religionen und Weltanschauungen aller Art. Mit der Anerkennung der Realität der Idee erwachen auch Intoleranz und Fundamentalismus. Denn man kämpft nur um Dinge, die man als existent erachtet und die einem wichtig sind.

Typisch für eine Luftphase sind auch die massenhaften Migrationsbewegungen, deren weitere Zunahme noch zu erwarten ist. Wir denken an die Luftzeit der Völkerwanderung 400-600 und das Mongolenreich im 13. Jahrhundert. Auch in dieser Luftzeit ist wieder die Ausdehnung eines Reiches denkbar, das danach wie eine Seifenblase zerplatzt.

Die Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan sind durch Bürgerkriege gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Der syrische Bürgerkrieg begann im Frühjahr 2011. Damals erreicht der aktuelle Jupiter/Saturn-Zyklus seinen Höhepunkt mit der Opposition am 28. März 2011. Zwei Wochen zuvor wechselte Uranus in den Widder, der wiederum im Januar 2011 am Tag der Sonnenfinsternis mit Sichtbarkeit in Nordafrika und dem Mittleren Osten seinen Zyklus mit Jupiter begann. Im Jahr zuvor erreichte der Saturn/Uranus-Zyklus mit der Opposition seinen Höhepunkt. Es war also einiges los. All diese Faktoren spielen in die aktuelle Krise hinein. Schauen wir uns die Horoskope an:

SoFi 04.01.2011 Damaskus

Sonnenfinsternis 04.01.2011 Damaskus

Jupiter/Saturn-Opposition Damaskus

Jupiter/Saturn-Opposition Damaskus

Pluto stand im Moment der Sonnenfinsternis in Damaskus am MC, mit der Sonne/Mond-Konjunktion auf 13° Steinbock im Quadrat zu Saturn nahe dem DC. Dieses Jahr lief Pluto über diesen Tierkreisgrad und intensivierte das Thema dieser Finsternis.

Die Jupiter/Saturn-Opposition auf 14° Widder/Waage stand in Damaskus in Konjunktion mit der IC/MC-Achse. Der aktuelle Transit-Pluto befindet sich im Quadrat zur Opposition und intensiviert damit auch dieses Zyklusthema.

Warum suchen die Menschen vor allem in Deutschland Zuflucht?

Die Aspektfigur „Wiege“ im Horoskop des Grundgesetzes steht im direkten Einflussbereich der Jupiter/Saturn-Opposition und der Sonnenfinsternis von Januar 2011.

Grundgesetz "Wiege-Figur"

Grundgesetz „Wiege-Figur“

Die Wiege ist eine sehr stabile Vierecksfigur. Spannung fällt ins Harmonie- und Ruhebedürfnis. Sie ruft ein starkes Selbstschutzverhalten und Perfektionsbedürfnis mit dem ausgeprägten Wunsch nach Geborgenheit hervor. Man sammelt oder saugt wie ein Schwamm Gefühle, Bedürfnisse und Schmerzen seiner Umwelt auf, ohne jedoch dadurch wirklich belastet zu werden. Man wendet fast alles in Harmonie um, und was zu hart ist, trennt man ganz klar ab. Auf der einen Seite sehr talentiert und harmonisch, doch der Rest der Welt wird lieber draußen gelassen (Opposition: „Den Deckel zumachen“).

Jetzt öffnen sich jedoch die Menschen mehrheitlich demonstrativ und bieten den Flüchtenden Hilfe und Unterstützung an. Man darf nicht vergessen, dass vor wenigen Jahren Pluto über den Aszendenten der deutschen Verfassung transitierte. Offenbar wandelte dies tatsächlich die Gestalt Deutschlands so tiefgehend, dass insbesondere konservative Kräfte es mit der Angst zu tun bekommen. Doch Angst ist immer ein schlechterer Berater als Furcht, die sich gegen reale Bedrohungen richtet.

Aus indischer Sicht ist das moderne Deutschland anfällig für Ängste (Mond/Rahu im 4. Bhava, siehe: Der rechtsextreme Mob in Deutschland), denen die Menschen am besten mit einer klaren und zuverlässigen Verankerung des Geistes im Herzen begegnen. Vieles wird in der Zukunft für Deutschland davon abhängen, wie seinen Bürgern diese Herausforderung gelingen wird.

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