Die geistigen Planeten und der Kreis in der Mitte

23. Jan 2010 – 10:38:36

„Der Neptun ist doch spirituell?“ wurde ich kürzlich gefragt.

In der Astrologischen Psychologie zeichnen wir in die Mitte eines Horoskops stets einen leeren, unberührten Kreis.

C. G. JungDer Kreis in der Mitte steht für das Wesenszentrum, das SEIN, das biblische „Ich bin der Ich bin!“. Im Hinduismus kennt der Advaita Vedanta den Begriff „Atman“: das individuelle (wahre) Selbst, die unzerstörbare, ewige Essenz des Geistes, die durch diesen Innenkreis dargestellt wird. Das Horoskop umschreibt diese ewige Essenz, die selbst vom Horoskop unberührt bleibt. Sie ist der Beobachter und der Erlebende in der Welt der Manifestation (das Horoskop mit Planeten, Zeichen und Häusern), während sie selbst zeitlos und ewig in der Gegenwart ist.

Der Kreis in der Mitte symbolisiert das, was wir eigentlich sind. Das Horoskop, das sich um diesen Kreis herum anordnet, ist die Welt in Manifestation, in der Naturgesetze, Zeit und Raum herrschen. Das Sein identifiziert sich mit diesen Manifestationen, und je mehr und intensiver dies geschieht, vergessen wir unseren eigentlichen Ursprung, unser eigentliches SEIN. Irgendwann glauben wir, wir seien das Horoskop, wir seien das, wofür die Sonne oder Merkur oder der Aszendent stehen. Dennoch bleibt ein Unbehagen in uns, ein Ahnen des Ursprungs und der Wunsch, sich mit dem Ursprung wieder verbinden zu wollen. Dies ist der Weg zurück in die Kreismitte, den wir als spirituellen oder geistigen Weg bezeichnen.

Es geht im Grunde darum zu erkennen, wer wir wirklich sind.

Hier kommen die neu entdeckten Planeten Uranus, Neptun und Pluto ins Spiel. Die Planeten mit den Lichtern Sonne und Mond symbolisieren im Horoskop Werkzeuge, mit denen das SEIN, der Kreis in der Mitte, in der manifestierten Welt handeln kann. Die neuen Planeten sind Werkzeuge, mit denen eine Rückkehr ins Zentrum besonders leicht bewerkstelligt werden kann. Deshalb nennt sie die Astrologische Psychologie „geistige Planeten“. Es muss jedoch eine Bedingung erfüllt werden, wie auch der Held oder die Heldin im Märchen erst eine Aufgabe lösen muss, bevor sie ans Ziel kommen: das Ich muss zurück gelassen werden in der Welt der Manifestation. Es ist wie das Kamel, das eher durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher (jemand mit einem großen Ego) ins Himmelreich (in den innersten Kreis des SEINS) kommt. Die geistigen Planeten Uranus, Neptun und Pluto führen uns nur dann zurück zu unserem Ursprung, wenn wir alle Ich-Ansprüche und Ego-Spielchen losgelassen haben, uns von ihnen disidentifiziert haben.

Benutze ich die Werkzeuge der geistigen Planeten aus einer egoistischen Motivation heraus, zum Beispiel, indem ich mit Neptun spirituell sein will, führen sie mich eher weg vom Ursprung und hinein in ein aufgeblähtes Ich.

Es geht mit Neptun darum, eine Haltung der Empathie, der liebevollen Zuwendung zu allem einzunehmen: das Erkennen und Erleben, dass alles Eins und verbunden ist. Die geistigen Planeten symbolisieren Leitbilder, die auf das Bewusstsein verändernd und wandelnd einwirken können. Neptun steht dabei für ein höheres Liebes-Ideal: das höchstmögliche, das wir uns unter Liebe, unter Kommunikation und Austausch zwischen den Menschen, aber auch allem anderen in der Natur, vorstellen können. Deshalb wirkt Neptun (grenz-)auflösend, da dies für seine Motivation eine sehr nützliche Funktion ist. Ein „Ich“ ist hier störend, denn es wirkt stets trennend und vereinzelnd und ist daher für das Ziel der Rückverbindung mit dem SEIN kontraproduktiv.

Losgelassen werden kann jedoch nur das, was man auch hat. Es hat eine gewisse Ironie, dass wir erst ein stabiles Ich aufbauen müssen, damit wir den Weg zurück auch bewusst, unbeschadet und ohne „ver-rückt“ zu werden, gehen können. Deshalb betont die Astrologische Psychologie wie auch die Psychosynthese von Roberto Assagioli, dass am Anfang aller Spiritualität ein starkes, stabiles Ich stehen muss – im Horoskop dargestellt durch die Ich-Planeten Sonne, Mond und Saturn. Wenn wir auf dieser Persönlichkeitsebene mit den Herausforderungen des Lebens gut umgehen können, meldet sich spätestens in der Lebensmitte der innerste Kreis und das SEIN ruft sich in Erinnerung.

Lese-Tipp:
Planeten als Funktionsorgane, Bruno und Louise Huber, API-Verlag, ISBN3-85523-012-9
Atman
Psychosynthese

Ein Gedanke zu „Die geistigen Planeten und der Kreis in der Mitte

  1. Birgit

    Deine Darstellung diesbezüglich wirkt auf mich, auch wenn ich nicht immer zustimmen kann. Ich glaube sie hat außerordentlicher Auswirkungen auf mich und mein Bewußtsein. Danke für Deine phantastische Arbeit. Mein Horoskop wurde nach API erstellt, aber der Kreis in der Mitte ist mir noch nicht deutlicher geworden.
    LG Birgit

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