Der Alterspunkt in den zwölf Häusern

23. Sep 2012 – 19:53:50

Zur Analyse des aktuellen Standortes des Alterspunktes (AP) stellen wir uns zunächst zwei Fragen:

In welchem Haus steht der AP?
Die Hausbedeutung erschließt sich uns durch Betrachtung der Horoskophälften – oben, unten, rechts oder links –, in welchem Quadranten der AP steht, ob es ein kardinales, fixes oder veränderliches Haus ist usw.

Wo im Haus steht der AP?
An der Häuserspitze, am Invertpunkt (IP) oder Talpunkt (TP)? Im kardinalen, fixen oder veränderlichen Bereich?

Die untere Horoskophälfte – Häuser 1 bis 6

Obere HoroskophälfteDie untere Hälfte des Horoskops bezeichnet die Astrologische Psychologie als den unbewussten Raum. Am Aszendenten drängt uns der Geburtsstoß mit großer Energie ins Leben und trägt uns die kommenden 36 Jahre vom ICH-Punkt am Aszendenten zum DU-Punkt am Deszendenten. Zuerst lernen wir, ein ICH in der Welt zu sein, wir wollen dabei sein und dazugehören, um schließlich beim DU anzukommen, um mitreden und mitmachen zu können. Wir tauchen in das Leben ein, und wir erfahren uns selbst in zunehmender Extraversion in der Auseinandersetzung mit der Welt.

 

1. Haus – ICH-Bildung

Geburt bis 6 Jahre. Kardinales Feuer-Haus. Aktiver ICH-Raum. Zeichenanalogie: Widder

Im 1. Haus geht es um das ICH, um den eigenen Standort im Leben. Die ersten sechs Lebensjahre ab der Geburt drehen sich um die Eroberung, den Aufbau und die erste Erkundung dieses ICH-Standortes. Im kardinalen Bereich des 1. Hauses (SP bis IP) geht es um das Erwachen des ICH. Im fixen Bereich (IP bis TP) werden die ersten ICH-Erfahrungen konsolidiert, das Kind stößt jedoch gleichzeitig an die Grenze des Nicht-ICH, das DU der Elternwelt. Diese ersten Grenzerfahrungen kennen alle Eltern als Trotzphase ihres Kindes im 4. Lebensjahr (Talpunktjahr). Das Kind erlebt den Talpunkt des 1. Hauses als Einbuße von Eigen-Macht und Niederlage im Durchsetzen des eigenen Willens.

Im veränderlichen Bereich des 1. Hauses, d.h. vom Talpunkt bis zur Spitze des 2. Hauses, löst sich das Kind im Idealfall ein Stückweit von der Durchsetzung des eigenen ICH-Willens und nimmt zunehmend die Welt der „anderen“ wahr (erstes Erwachen des Umweltbewusstseins).

2. Haus – Eigener Lebensraum

6 bis 12 Jahre. Fixes Erd-Haus. Zeichenanalogie: Stier.

Im 2. Haus geht es um Fragen des Besitzes, d.h. um all das, was das ICH bereichert, zum Beispiel Talente und besondere Fähigkeiten, aber auch Spielzeug usw. Das Kind löst sich zunehmend von den Eltern ab, findet neue Kollektive in der Schule und auf dem Spielplatz und steckt einen eigenen Lebensraum ab. Der soziale Status, z.B. unter den Spielfreunden, wird wichtig. Am Talpunkt (10. Lebensjahr) markiert der Alterspunkt eine Krise in Fragen des sozialen Status und des materiellen Besitzes. Das Kind erkennt, dass beide, Status und Besitz, wandel- und verlierbar sind.

Im veränderlichen Bereich des 2. Haus (TP 2 bis Spitze 3) beginnt das 3. Haus und der gesamte Kollektiv-Raum (Häuser 3 und 4) interessant zu werden. Wissen wird wichtig, Neues und Unbekanntes will entdeckt, erforscht und in Erfahrung gebracht werden.

3. Haus – Lern- und Bildungsphase

12 bis 18 Jahre. Veränderliches Luft-Haus, (passiver) Kollektiv-Raum. Zeichenanalogie: Zwillinge.

Der kardinale Bereich des 3. Hauses beginnt mit einem ordentlichen Pubertätsschub, dessen erste Vorläufer bereits im vorhergehenden veränderlichen Bereich von Haus 2 auftauchten. Der Körper verändert sich sichtbar, Freundschaften und romantische Liebesbeziehungen werden wichtig. Durch die ernorme Ansammlung von Wissen und Lernstoff werden kollektive Denknormen übernommen. Das Talpunktjahr (16. Lebensjahr) bringt eine Krise in Zusammenhang mit dem sozialen Status innerhalb der Schule und in Bezug zu Lehrern. Die Lernanforderungen sind heutzutage immens hoch, der Jugendliche erlebt Versagensgefühle, wenn er Klausuren und Prüfungen nicht schafft, er hält den ganzen Schulbetrieb womöglich für überzogen und sinnlos. Auch die erste, meist „unglückliche“ Liebe kann in dieser Lebensphase großen Frust schaffen. Die Suizidgefahr in diesem Alter darf nicht unterschätzt werden.

Im veränderlichen Bereich des 3. Hauses (TP bis IC) soll der Jugendliche sich bereits Gedanken über seinen weiteren Ausbildungs- und Berufsweg machen. Gleichzeitig nimmt das Freiheits- und Unabhängigkeitsbedürfnis zu und das Interesse an entsprechenden philosophischen Fragestellungen.

4. Haus – Ablösung vom Elternhaus

18 bis 24 Jahre. Kardinales Wasser-Haus. (Aktiver) Kollektiv-Raum. Zeichenanalogie: Krebs.

Die kardinale Phase in einem kardinalen Haus setzt immer neue Impulse. Die kardinalen Hausspitzen haben eine Analogie zu den Momenten, da die Sonne in ein kardinales Zeichen wechselt. Diese neue Impulse, die über die Sonne der Natur gegeben werden, bringen wir heutzutage mit dem Beginn einer neuen Jahreszeit in Zusammenhang. Im 4. Haus kommt ein wichtiger Individuationsimpuls auf den jungen Menschen zu, denn das 4. und 10. Haus bilden gemeinsam die Individuations- oder Wachstumsachse. Mit der Volljährigkeit werden wir voll rechts- und geschäftsfähiger Bürger des gesellschaftlichen Kollektivs, müssen in diese Eigenständigkeit psychisch jedoch noch hineinwachsen, denn im Kollektiv-Raum geht es auch um Zugehörigkeitsgefühle. Vom Elternhaus nabelt sich der Mensch ab, zieht von Zuhause aus und ein in neue Zugehörigkeiten, z.B. in die Studenten-WG. Wo dies nicht möglich ist, kann es am Talpunkt 4 zu Ohnmachtskrisen können, weil wieder unser Eigenwillen und unser Individuationsstreben mit dem Willen der Eltern kollidiert („Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…!“). Abhängigkeit von den Eltern wirkt erdrückend, weshalb man bemüht ist, eigene Wege zu gehen. Freiheit und auf eigenen Füßen stehen kann gleichzeitig auch Ängste auslösen.

Nach dem TP 4 im veränderlichen Hausbereich beginnt der Einfluss des 5. Hauses zuzunehmen. Erste große Reisen durch die Welt werden unternommen, neue Möglichkeiten der Selbsterfahrung ausprobiert und man ist offensiver in der Kontaktnahme im privaten Bereich (Liebesbeziehungen).

5. Haus – Experimentier-  und Erprobungsphase

24 bis 30 Jahre. Fixes Feuer-Haus. Zeichenanalogie: Löwe.

Durch die Feuer-Qualität hat diese Lebensphase einen dominanten und aktiven Charakter. Wir wenden uns offensiv unserer Umwelt und insbesondere potentiellen Liebespartnern zu. Auch im beruflichen Bereich packen wir unsere Chancen beim Schopfe und drängen offensiv in die Arbeitswelt. Wir probieren vieles aus: neue Verhaltensweisen, neue Strategien und „Verhaltensmaschen“ (fixe Hausqualität). Der Talpunkt des 5. Hauses gibt diesem offensiv-aggressiven Expansionsdrang einen manchmal schwerwiegenden Dämpfer, denn erste Enttäuschungen in beruflichen und privaten Beziehungen treten auf und stellen das neu gewonnene Selbstwertgefühl in Frage. Es geht jetzt darum, das eigene gesunde Maß zu finden, die wesenseigenen Grenzen und Beschränkungen zu erkennen und zu akzeptieren.

Im veränderlichen Bereich des 5. Hauses vom TP 5 bis zur Hausspitze 6 beginnt das Folgehaus bereits zu wirken. Wir erreichen den Höhepunkt unserer physischen, aber auch der intellektuellen Leistungsfähigkeit, die von anderen kritisch bewertet wird.

6. Haus – Existenzbewältigung

Veränderliches Erd-Haus. Passiver DU-Raum. Zeichenanalogie: Jungfrau.

Das 6. Haus ist ein passiv-dienendes Haus, in dem es um die Bewältigung unserer materiellen Existenz geht. Gemeinsam mit dem 12. Haus bildet das 6. Haus die Existenzachse. Nach den vergangenen Jahren einer betont offensiven Lebenshaltung kommt der Mensch nun in die Defensive. Er muss manches als unabänderliche Tatsache hinnehmen und kann nicht mehr ins Spielerische ausweichen, wie das noch im 5. Haus möglich war. Leistung ist gefragt, und oft kommt es beruflich zu Umstellungen, weil man gezwungen wird, sich den Realitäten des Arbeitsalltages anzupassen. Der Talpunkt des 6. Hauses um das 34. Lebensjahr herum kann eine Berufs- und Existenzkrise heraufbeschwören, wenn der gesunde Ausgleich zwischen eigenen Fähigkeiten und der Nachfrage der Arbeitswelt nicht in Übereinstimmung gebracht werden kann. Es können Gefühle des Versagens auf ganzer Linie entstehen. Man erkennt seine Begrenzungen und gerät leicht in Resignation, weil die Welt nicht auf einen gewartet hat, sich niemand für seine Arbeit interessiert. All dies kann das Selbstbewusstsein schwer erschüttern.

Nach dieser Phase der Resignation und (beruflichen) Neubesinnung rappelt sich der Mensch im veränderlichen Bereich des 6. Hauses meist wieder langsam auf. Wichtig ist, dass tatsächlich eine innere Umkehr stattgefunden hat, man nun wirklich seine Marktlücke gefunden hat, damit man die richtigen, realistischen Entscheidungen treffen kann und seine Chancen wahrnimmt.

 

Die obere Horoskophälfte – Häuser 7 bis 12

Die obere Horoskophälfte ist der bewusste Bereich im Horoskop. Die Einteilung in eine bewusste obere Horoskophälfte und eine unbewusste untere Hälfte leitet sich vom Stand der Sonne in den Häusern ab. Befindet sich die Sonne in der oberen Hälfte des Horoskops, ist es Tag und wir können die Sonne am Himmel in ihrer Helligkeit sehen. Steht die Sonne in der unteren Horoskophälfte, ist es Nacht. Die Sonne ist unter dem Horizont (im Horoskop die AC/DC-Achse) verschwunden und in der nun herrschenden Dunkelheit können wir höchstens die Sterne und künstlich Beleuchtetes sehen.

  • Obere Horoskophälfte – Taghälfte – Helligkeit – Bewusstheit
  • Untere Horoskophälfte – Nachthälfte – Dunkelheit – Unbewusstheit

Untere HoroskophälfteWenn der Alterspunkt mit 36 Jahren über den Deszendenten wandert, erreicht er die Helligkeit des Tages, den bewussten Raum. Während des AP-Durchlaufs durch die untere Horoskophälfte drängte uns der Geburtstoß, mit dem wir am Aszendenten in die materielle Welt eintauchten, durch die Lebenserfahrungen. In diesen 36 Jahren ging es primär darum, uns selbst und das Leben zu erfahren. Im bewussten Bereich trägt uns dieser Geburtsstoß nicht mehr automatisch im Leben weiter. Wir richten unser Bewusstsein zunehmend auf innere Prozesse und neigen vermehrt zum Reflektieren über Erfahrungen, als dass wir uns spontan von ihnen mitreißen lassen.

7. Haus – DU-Zuwendung, Gestalten von Beziehungen

36 bis 42 Jahre. Kardinales Luft-Haus. Aktiver DU-Raum. Zeichenanalogie: Waage.

Nach der Leidensposition, die im 6. Haus oft eingenommen werden musste, kommt es im kardinalen Bereich des 7. Hauses zu einem Umschwung. Wir finden bessere Möglichkeiten, kommen beim DU besser an, wirken überzeugender. Neue Wege tun sich auf. Die obere Horoskophälfte lässt plötzlich viele Dinge des Lebens in einem neuen, klareren Licht erscheinen. Am TP 7 (40. Lebensjahr) kann dieser neue Blickwinkel Krisen in bestehenden Partnerschaften heraufbeschwören, denn uns wird vielleicht klar, dass wir Illusionen in Bezug auf unseren Partner oder die Beziehung aufgesessen sind. Wir erkennen, dass wir aktiv an Beziehungen arbeiten müssen, dass sie gestaltet werden können. Die kritische Sicht können wir auch auf unseren bisherigen Lebensweg einnehmen. Vielleicht wird uns jetzt klar, dass unsere berufliche Situation nicht wirklich unseren inneren Bedürfnissen und Zielen entspricht, oder wir werden unserer Pflichten überdrüssig. Nicht zuletzt spüren wir zunehmend, dass wir älter werden.

Im veränderlichen Bereich des 7. Haus, mit der 4 an erster Stelle unseres Alters, spüren wir meist erstmals, dass wir nicht unsterblich sind. Wir beschäftigen uns zumindest insgeheim mit dem Altern, mit dem Tod, der am Ende unseres Lebens steht. Die Qualität des 8. Hauses macht sich hier im Schattenbereich der 8. Hausspitze bereits bemerkbar.

8. Haus – Wandlungsphase, Stirb- und Werdeprozesse

42 bis 48 Jahre. Fixes Wasser-Haus. Zeichenanalogie: Skorpion.

In der kardinalen Phase des 8. Hauses kommt es oft zu wesentlichen Umgestaltungen und Neuorientierungen nach den Krisen des TP 7. Meist werden in dieser Zeit die Kinder selbständig oder ziehen gar von zu Hause aus. Frauen können ihre Rolle im Leben spätestens jetzt nicht mehr ausschließlich über das Dasein als „Mutter und Ehefrau“ definieren. Die eigenen Eltern werden pflegebedürftig oder sterben. Wir werden mit dem Thema Endlichkeit alles Irdischen und des eigenen Lebens konfrontiert.

Seitdem der AP den Deszendenten überschritten hat, ist die grundlegende Entwicklung nicht mehr auf das „Wirken in der Welt“ (Welt im Sinne des DU der rechten Horoskophälfte) ausgerichtet. Die Entwicklung geht jetzt in Richtung „Individuation“ (MC), d.h. sich geistig von anderen zu unterscheiden und die eigene innere Wirklichkeit und Einzigartigkeit zur Entfaltung zu bringen. Im 8. Haus werden wir uns in diesem Prozess der Strukturen und Fixierungen bewusst, die wir im Laufe des Lebens angesammelt und uns angeeignet haben. Manchmal gibt uns das Leben zu diesem „Erworbenen“ noch etwas hinzu, zum Beispiel eine besondere Stellung, materielle Sicherheiten (Erbschaften u.ä.) oder eine neue, einflussreichere gesellschaftliche Position. Oder uns werden Stellung, Geld und Beziehungen genommen, wir erleiden Verluste, unter denen wir massiv leiden. Im Grunde verlieren wir überlebte, „tote“ Rollenmuster, die eine weitere gesunde Entwicklung unmöglich machen würden, spielten wir sie bis ans Ende unseres Lebens weiter. Im fixen Haus lassen wir diese Rollenfunktionen jedoch nicht freiwillig los. Wir widersetzen uns meist dem „natürlichen Sterbeprozess“, wollen das „Überlebte“ (Tote) nicht loslassen, und leiden in der Folge am Talpunkt des 8. Hauses. Dieser Widerstand gegen den natürlichen Fluss des Lebens kann in einer massiven Lebenskrise, in Frustration, Resignation oder Depression gipfeln. Der TP 8 ist oft eine Zeit massiver Stagnation: „Rien ne va plus – Nichts geht mehr“.

Wenn im veränderlichen Bereich des 8. Hauses die Qualität des folgenden 9. Hauses zunehmend seine Wirkung entfaltet, werden wir uns der Diskrepanz zwischen den Zwängen, die unser Leben bestimmen, und dem Wunsch nach Befreiung von ihnen schmerzlich bewusst. Natürlich wollen wir etwas dagegen unternehmen. Wir möchten aus unserem Gefängnis ausbrechen. Wer allerdings nach der TP-Erfahrung das Gefühl hat, er habe keine Zukunft und das Leben keinen Sinn mehr, könnte nur noch im Suizid eine Lösung seiner Probleme sehen. In einigen Ländern, zum Beispiel in den USA, ist in diesem Alter die Selbstmordrate am höchsten.

Besser ist natürlich, sich bei seinen Freiheitsbestrebungen nicht nur auf die materielle Ebene zu konzentrieren. Der Stressbereich vor der 9. Hausspitze wie auch die kommenden Jahre des AP im 9. Haus bieten eine sehr günstige Gelegenheit, über die Auseinandersetzung mit philosophischen oder religiösen Themen dem Leben wieder einen neuen Sinn zu geben, nachdem wir erkannt haben, dass Geld und Status allein kein Glück garantieren können. Nach den Sterbeerfahrungen der letzten vier Jahre ist jetzt die Zeit für eine „geistige“ Wiedergeburt, um „wie der Phönix aus der Asche“ aufzusteigen.

9. Haus – Neue Horizonte, eigene Lebensphilosophie

48 bis 54 Jahre. Veränderliches Feuer-Haus. (Passiver) Individual-Raum. Zeichenanalogie: Schütze.

Das 9. Haus handelt von Autonomie und von der Freiheit, speziell des Denkens. Hier besinnen wir uns auf unsere eigentliche Bestimmung, jenseits unserer Alltagsverpflichtungen, die wir im 8. Haus ein Stückweit hinter uns gelassen haben (sollten). Es gibt Größeres, Bedeutsameres zu verstehen und zu tun. Wir richten den Blick in die Ferne, zu neuen Horizonten, um unserer Bewusstsein zu erweitern. Wir versuchen den Sinn des Lebens, unseres eigenen bisher gelebten Lebens, aus einer neuen, höheren Warte zu verstehen und beschäftigen uns mit Philosophie, Psychologie, Religion oder Esoterik. Nach der Lebenskrise des 8. Haus können wir nun im 9. Haus die wesentliche Essenz aus unseren bisherigen Lebenserfahrungen herausdestillieren, die uns durch die kommenden Jahre des AP-Durchlaufs durch den IV. Quadranten tragen können. Jetzt ist eine letzte Gelegenheit für den Aufbau einer eigenen Wertewelt, die auch schweren Lebensstürmen standhalten kann.

Gelingt uns dies nicht, verstehen wir einfach nicht den Sinn und die tieferen Zusammenhänge des Lebens und unseres Tuns, können wir am Talpunkt des 9. Hauses (52. Lebensjahr) in eine tiefe Sinnkrise stürzen. Oft hilft dann eine Rückbesinnung auf die Ideale unserer Jugend, unserer Zukunftsvorstellungen der Lebensjahre 12 bis 18 (AP-Durchgang durch das gegenüberliegende 3. Haus). Manchmal werden wir uns wieder unserer Jugendträume bewusst, die uns neuen Mut und Lust am Leben geben können. Im veränderlichen Bereich des 9. Hauses im Schatten des Individual-Punktes (MC) ist die passende Gelegenheit, uns mit unseren Träumen zu befassen, seien es jene der Jugend oder der letzten Nacht, unsere innere Wahrheit zu erkennen und ihr zu folgen.

10. Haus – Individuationsphase, Selbstverwirklichung, Berufung

54 bis 60 Jahre. Kardinales Erdhaus, (aktiver) Individual-Raum. Zeichenanalogie: Steinbock.

Im 10. Haus geht es darum, unsere Individualität zum Ausdruck zu bringen, also das, was uns von anderen unterscheidet und einzigartig macht. Im kardinalen Haus geht es nicht mehr primär um den Erkenntnis- oder Bewusstwerdungsprozess wie noch im vorangehenden 9. Haus, sondern um das Tun. Wir können hier für andere zur Autorität werden und bekommen vielleicht sogar eine Position mit Macht und Einfluss vom Kollektiv (gegenüber im 3. und 4. Haus) verliehen, die unserer inneren Berufung mehr oder weniger entspricht. Diese Bestätigung und Anerkennung unserer Fähigkeiten und Qualitäten vermittelt tiefe Befriedigung und Erfüllung. Gleichzeitig müssen wir im familiären oder partnerschaftlichen Bereich oft ein Stückweit zurückstecken, denn eine zunehmende Exponiertheit in der Öffentlichkeit oder im Beruf geht in der Regel einher mit Einschränkungen im Privatleben. Am Talpunkt des 10. Hauses (58. Lebensjahr) kann dies zu einer Isolationskrise führen. Wir stellen das Erreichte im Leben in der Folge zunehmend in Frage.

Möglich ist im Talpunktjahr des 10. Hauses auch, dass wir zunehmende Konkurrenz von Seiten der jüngeren Generation erleben. Oft haben wir dann Angst, unseren nach so langer Zeit und mit so viel Mühen erlangten Platz im Leben zu räumen oder zu verlieren. Wir sperren uns gegen jede Veränderung – doch die Zeit läuft gegen uns. War unsere Autorität nur angemaßt und nicht von innen gewachsen, könnte jetzt die Zeit sein, da wir von unserem Stuhl gestoßen, entmachtet werden. Das beste wäre, den TP 10 als Wendepunkt im Leben zu begreifen: wir können zurückblicken auf ein aktives, ereignisreiches, hoffentlich erfülltes Leben und gleichzeitig erkennen, dass es in den nächsten Jahrzehnten so nicht mehr wird weitergehen.

Im veränderlichen Bereich des 10. Hauses, wo das nachfolgende 11. Haus mit seiner fixen und damit auch fixierenden, beruhigenden Qualität spürbarer wird, erkennen wir, dass wir mehr Ruhe brauchen, mehr Erholungsphasen und Mußestunden als noch in den Jahrzehnten zuvor. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die zur Verfügung stehende freie Zeit gestalten wollen, über die wir uns spätestens mit der Pensionierung in einigen Jahren freuen dürfen. Falls wir ein Lebenswerk an die nächste Generation übergeben müssen, sollten wir uns spätestens jetzt Gedanken darüber machen, wer dafür in Frage kommen könnte.

11. Haus – Frei gewählte Beziehungen, Freundschaften, Rückblick

60 bis 66 Jahre. Fixes Luft-Haus. Zeichenanalogie: Wassermann.

In den sechs Jahren zuvor ging es noch darum, die eigene, innerlich empfundene „Berufung“ im Leben aktiv umzusetzen. Wenn der Alterspunkt durch das 11. Haus wandert, geht es um den Rückblick auf die gemachten Lebenserfahrungen, um eine Essenz aus ihnen herauszufiltern zu können. Wir blicken mit Distanz auf unser bisheriges Leben und unsere Erfahrungen zurück, aus einer Vogelperspektive heraus, und können vieles toleranter und nachsichtiger sehen als noch vor 36 Jahren, als der Alterspunkt durch das 5. Haus lief. Wir erreichen eine neue Freiheit in Beziehungen: wir wählen unsere Freundschaften und Beziehungen frei, sind nicht mehr durch unbewusste Reflexe und Automatismen bestimmt wie noch in unseren 20er Jahren.

Im Talpunktjahr des 11. Hauses (64. Lebensjahr) stehen viele Menschen in der westlichen Welt unmittelbar vor der Pensionierung oder sind bereits berentet worden. Diese neue Lebenssituation führt meist zu einer prägnanten Reduzierung der sozialen Kontakte. Wir können darauf gelassen reagieren und zufrieden mit unserem Leben und der geleisteten Arbeit sein. Häufig entwickelt sich jedoch aus der aufkommenden Langeweile heraus eine depressive Grundhaltung, vielleicht sogar eine gewisse Panikstimmung und Angst vor der gähnenden Leere, die die Zukunft bereitzuhalten scheint. Viele reagieren darauf mit Krankheit. Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir unsere Vergangenheit nicht mehr ändern können. Es ist, wie es ist. Jetzt ist die Zeit günstig, uns von überholten Vorstellungen über Sinn und Zweck des Daseins zu verabschieden, zum Beispiel, wenn wir uns bislang hauptsächlich mit unserer Arbeit und Leistung identifiziert haben. Aber auch, wenn wir nicht gelernt haben, unser Leben alleine zu gestalten, fürchten wir uns für dem Alleinsein und dem Älterwerden. Am TP 11 kann es zur „Reaktivierung“ alter Sehnsüchte kommen, die ihren Ursprung in den Lebensjahren hatten, als wir altersmäßig am Talpunkt der anderen fixen Häuser waren (10., 28. und 46. Lebensjahr). Wenn wir damals „die Kurve nicht gekriegt“ haben, uns über unsere inneren Ziele und Bedürfnisse nicht klar geworden sind, uns selbst nicht gelebt haben, könnten wir am TP 11 plötzlich versucht sein, unsere ganze Jugend im Schnellverfahren nachzuholen. Oder wir zementieren unser kristallisiertes ICH, unfähig zu einer neuerlichen Anpassung an das Leben und seine veränderten Bedingungen. Nicht selten zeigt sich diese Kristallisation in seelischen Abbauprozessen (Senilität, Demenz usw.).

12. Haus – Verinnerlichung, Sinnfindung, Rückzug

66 bis 72 Jahre, veränderliches Wasser-Haus. Passiver ICH-Raum. Zeichenanalogie: Fische

Seitdem der Alterspunkt das MC, den Individual-Punkt, überschritten hat, ist der AC, der ICH-Punkt, wieder in den Fokus gerückt. Wir wandern auf unseren Ursprung zu, kehren zu uns selbst zurück. Das 12. Haus wird in der Astrologischen Psychologie der „passive ICH-Raum“ genannt. Passiv ist er aufgrund der veränderlichen Hausqualität, der es um die Sinnfrage, den Erkenntniszuwachs und dem Verstehen der Zusammenhänge geht. Um sich selbst zu finden, ein Lebensresumée zu ziehen, ist Rückzug vonnöten, der im 12. Haus entweder bewusst gesucht oder vom Leben als Zwang auferlegt wird, zum Beispiel durch Krankheit. Im Rückzug geht es um Verinnerlichung, d.h. um Gewahrwerden des inneren Reichtums, der uns mit dem größeren Ganzen, vielleicht sogar dem Göttlichen und Transzendenten, verbindet.

Am Talpunkt des 12. Hauses (70. Lebensjahr) erleben wir den Abbau unserer Körperkräfte. Oft tritt unser wahres Wesen jetzt prägnanter in den Vordergrund. Sind wir im Inneren ein liebenswerter, selbstloser und großzügiger Mensch und haben in unserem Leben diese innere Haltung gepflegt, tritt sie nun noch stärker in Erscheinung. Im umgekehrten Fall kann auch eine innere Härte, Verbitterung und Egozentrik unangenehm scharf wahrnehmbar werden. Oder eine latente Depression, ein Gefühl von Sinnlosigkeit, das einen im Leben unterschwellig immer begleitet hatte und immer wieder erfolgreich verdrängt werden konnte, ist nun nicht mehr wegzuleugnen. In jedem Fall geht es um das Annehmen des eigenen Lebensweges: sich selbst zu akzeptieren wie man ist und gelebt hat.

Wir können jetzt zur Reife der eigenen Persönlichkeit gelangen, die im Idealfall Weisheit, Güte und Gelassenheit ausstrahlt. Meist möchte der Mensch jetzt nichts mehr für sich selbst, für sein „kleines ICH“, sondern das „große SELBST“ tritt in den Vordergrund. Mit diesen neuen Erkenntnissen und Erfahrungen können wir beim kommenden Übergang des Alterspunktes über den Aszendenten für uns selbst und in unserer Umwelt wieder neue Impulse setzen.

Literatur:
Bruno und Louise Huber: Lebensuhr im Horoskop – Altersprogression Band 1, API-Verlag
Bruno und Louise Huber: Transformationen – Astrologie als geistiger Weg, API-Verlag

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