Romy Schneider

Radix 22.00 Uhr

Sie war eine willkommene Projektionsfläche. Für Millionen Deutsche, die den verlorenen Weltkrieg mit all seinen Schrecken vergessen wollten. Ein junges, hübsches, unschuldiges und „blitzsauber“ her­ausgeputztes Mädchen. Die Eltern waren im 3. Reich zwei berühmte Schauspieler, das „Traumpaar“ der UFA-Zeit: der Vater Wolf Albach-Retty, von Goebbels in die Liste der „Gottbegnadeten“ aufgenom­men, die Mutter Magda Schneider, die im Jahr 1935 eine Villa mit Blick auf den Obersalzberg, den „Heiligen Berg“ der Nationalsozialisten erbauen ließ. Hielt sich der „Führer“ hier zur Sommerfrische auf, wurde er regelmäßig von der Mutter besucht. Romy Schneider war später überzeugt, ihre Mutter habe ein Ver­hältnis mit ihm gehabt.1 Kurz nach der Geburt vertraute die Mutter ihr erstes Kind den Großeltern an, denn die Eltern waren durch ihre schauspielerischen Engagements zu selten anwesend. 1943 trennten sie sich und wurden 1945 geschieden.

Der Einfluss der Großmütter findet sich bereits im Vornamen Rosemarie, eine Zusammensetzung des Vornamens der Großmutter väterlichseits – Rosa – und mütterlichseits – Maria –, in deren Obhut das Mädchen aufwächst. Dieser prägende Einfluss spiegelt sich wider in der Obenstellung der Planeten Saturn („die Mutter“) und Uranus („die Großmutter“).  Das väterliche Prinzip ist dieser matriarchalen Struktur untergeordnet. Lediglich Jupiter am Talpunkt des 9. Hauses bildet in Elevation ein Gegenge­wicht. Er bildet vielleicht eine Traum- oder Sehnsuchtsvorstellung des Vaters und späterer Ehepartner ab, wie Jupiters Alterspunkt-Aspektzyklus zeigen wird. Vielleicht war die Entscheidung für den Künst­lernamen Romy ein erster Akt der Emanzipierung.

In der Schule träumt Romy von einer Karriere als Schauspielerin, und bereits mit 15 Jahren dreht sie auf Betreiben ihrer Mutter (Saturn im Stressbereich der 11. Spitze) ihren ersten Film. Die Opposition des Alterspunktes zu Jupiter initialisiert dessen absteigenden Alters­punkt-As­pektzyklus, in dem es um die Entwicklung und Klärung des Wahrneh­mungsvermö­gens geht, um Sinnenwachheit, die Schulung des Urteilsvermögens, des Wertge­fühls und Qualitätsbewusstseins. Durch die Nähe zum Kreuzungspunkt (K2) auf 26°30‘ Wassermann steht Jupiter in Zusammenhang mit Erfahrungen und Ereignis­sen, die das weitere Schicksal entscheidend prägen werden. Während der Opposi­tion begegnet ihr der Regisseur Ernst Marischka, mit dem sie eine Reihe Filme dre­hen wird, darunter die „Sissi“-Filme, mit denen sie in Deutschland einen fulminan­ten Erfolg feiern wird, die sie jedoch gleichzeitig auf dieses Image festlegen werden, aus dem sie sich bereits während des Halbsextils zu Jupiter durch ihre Ver­lobung mit Alain Delon und ihre Umsiedelung nach Frankreich zu lösen versucht. Beim Trigon kommt es zur Trennung von Delon. Gleichzeitig gelingt ihr in Frankreich die berufliche Wende mit der weib­lichen Hauptrolle in einer Pari­ser Theater-Inszenierung von Luchino Visconti, für die sie französischen Sprach- und Phonetik-Unter­richt nimmt. Später wird sie über die Zusammenarbeit mit Visconti fest­stellen: „Ich habe vier Lehrer: Visconti, Welles, Sautet und Żuławski. Der größte ist Visconti. Er hat mir beigebracht, was er allen bei­bringt, die mit ihm arbeiten, nämlich seine Art, die Dinge auf die Spitze zu treiben, seine Disziplin.“2

Beim Quadrat kommt ihr erstes Kind David zur Welt, dessen Vater, den Hamburger Theaterschauspie­ler Harry Meyen, sie im Sommer 1966 geheiratet hatte. Inzwischen lebt sie wieder in  Deutschland, wo im Februar 1967 ihr Vater stirbt. Beim Sextil spielte sie 1972 nochmals die Rolle der „Sissi“, diesmal jedoch unter der Regie des Regisseurs Visconti, der die Rolle im Gegensatz zu Marischka authentisch inszenierte. Sie avanciert in Frankreich zur „Grande Dame“ des französischen Films, trennt sich von ihrem Ehemann und kann von nun an, wieder in Paris lebend, ihre Rollen frei wählen.

Im Jahr 1976 (AP ☍⚷  △♂) führt die feministische Journalistin Alice Schwarzer, die Romy Schneider seit der Aktion „Ich habe abgetrieben!“ im Jahr 1971 persönlich kennt, ein sehr intimes, fast schon psycho­therapeu­tisch anmutendes Interview, in dem die Schauspielerin vieles von sich selbst preisgibt. Sie will von der Welt in ihrem Innersten erkannt und gesehen werden und nicht nur als bloße Projektionsfläche wahr­genommen werden. In Deutschland fühlt sie sich verkannt, als Mensch nicht erkannt. Darunter leidet sie sehr. Vielleicht trägt die Wiederkehr der Mondknotenachse zur schonungslosen Selbstoffen­barung bei. Sie empfindet tiefe Traurigkeit und Melancholie, sie will ihr Bestes geben und hat dennoch stets das Gefühl hat, Wichtiges bleibe ungesagt, unerreicht und sie daher von der Welt unerkannt. Sie leidet unter Angst vor Einsamkeit, vor dem Altern und den Veränderungen, die das Alter in ihrem Beruf mit sich bringen wird. Sie ertränkt ihre Angst in Alkohol und Tabletten.

Das Gefühl, nicht gesehen zu werden und die Anteilnahme der Welt nicht spüren zu können, ist in der Neu­mond-Stellung auf 0° Waage am Talpunkt des 4. Hauses an­gezeigt. Steht der Mond in Konjunktion mit der Sonne, so ist er für das Auge unsicht­bar. Er kann in dieser Position seine Aufgabe, das Licht der Sonne zu reflektieren, nicht erfüllen. Er fühlt sich leer. Die Talpunktstellung intensiviert dieses Gefühl der Leerheit, des nicht wahrgenommen wer­den. Man spürt sich selbst nicht mehr.

Der Mond erlebt sich im 4. Haus primär in einem Kollektiv, in der Familie. Diese ist sein natürlicher Schutz gegen die äußere Welt, weshalb jemand mit diesem Mondstand sich immer in irgendeinem Nest abgesi­chert und wohlfühlen muss. Als ambivalentes, wechselhaftes Prinzip wird der Mond diese Sicherheit auf Dauer jedoch nicht erreichen. Er hört nie auf, sich nach Geborgenheit zu sehnen. Gleichzeitig wird er am Talpunkt ins Wesenszentrum der Kreismitte hineingezogen, dort muss er seine Subjektivität, seinen Ich-Anspruch nach Geliebt werden aufgeben und sich die Sicherheit selbst geben. Dann kann er dauerhafte Geborgenheit im Wesensgrund finden.3

Krebs und 4. Haus

In der Dynamischen Auszählung ist Romy Schneider mit -15 Punkten ein ausgeprägter Minus-Typ, der durch das erziehende Milieu in vielen Le­bensbereichen wenig Förderung erhielt. Lediglich das kardinale Kreuz und das Temperament Wasser weisen Pluszahlen auf. In der Kombination ergibt das eine hohe Pluszahl (+54) für das Zeichen Krebs und das analoge 4. Haus. Diese Zahlen verraten etwas über den Entwicklungsauftrag:

Die Zeichen in den Häusern mit den Planeten als Wesenskräfte werden durch das Leben umgeformt, verwandelt, auf- oder abgebaut. In Wirklichkeit rundet das Leben selbst unser Wesen auf, wenn wir es geschehen lassen. Das Wissen, welche Zeichen man aufbauen und welche man abbauen muss, gibt einen Hinweis für die zu vollbringende Arbeit an sich selbst. Dabei kann man von psychologischer Sicht aus die abzubauenden und aufzubauenden Zeichenqualitäten als Entwicklungsauftrag ansehen. Um den Aus­gleich zu finden heißt das, dass man diese Qualitäten in uns gegenseitig abwägen und sie durch Bewusst­werdung so wandeln sollte, dass wir sie annehmen und in die Gesamtpersönlichkeit integrieren können. Sonst werden sie als Projektion in der Außenwelt Schwierigkeiten bereiten und das Leben unnötig er­schweren und belasten.4

Zeichen und Häuser mit einer Pluszahl gilt es aufzubauen, solche mit einer Minuszahl abzubauen. Was bedeutet es nun für Romy Schneider, das Zeichen Krebs bzw. das 4. Haus aufzubauen? Es geht darum, sich die Qualitäten des Zeichen Krebs aktiv und bewusst zu erarbeiten, denn sie können eine Abrun­dung der Persönlichkeit mit sich bringen. Das bedeutet nicht, das sich Romy Schneiders Lebensaufgabe im damals gängigen Klischee der Hausfrau und Mutter erschöpfen solle, sondern dass sie lernt, ihre Bedürfnisse, ihren Wunsch nach Liebe, Zuwendung und Geborgenheit bewusst zu erkennen, von der Umwelt einzufordern und zu verwirklichen. Dabei wird der Wille zum entscheidenden Faktor. Da das Zeichen Krebs bereits durch den Aszendenten betont ist, beschreibt er auch das Entwicklungsziel der Seele.

Im Zeichen Krebs, das vom Mond beherrscht wird, wird Einfühlsamkeit schnell zu Empfindlichkeit. Mit sozialer Fürsorglichkeit kann das Gegenüber erstickt oder mit einem betont kindlichen, klammernden Verhalten die Fürsorglichkeit anderer erzwungen werden. Gefühle und gemüthafte Beziehungen spie­len eine dominante Rolle. Schutz und Geborgenheit sind wichtig, doch die Bedürftigkeit danach kann zu Irrtümern in der Partnerwahl führen. Auseinandersetzungen werden gefürchtet und man flüchtet lieber in eine Traumwelt, in die Melancholie oder auch in übertriebenen Ehrgeiz.

Einsamkeit wird nur schwer ertragen, doch gerade sie ist für den Krebs ein wichtiger Entwicklungs­schritt, denn nur in der Einsamkeit, wenn man allein auf sich gestellt ist, kann Sicherheit und Vertrauen in sich selbst gefunden werden. In der Einsamkeit können Reifungsprozesse geschehen und man er­kennt zunehmend, wie egoistisch für den Erwachsenen das Einnehmen einer Kind-Rolle ist, die dem Krebs so nahe liegt. Erst wenn Kindlichkeit in eine bewusste Haltung der Offenheit, Vorbehaltlosigkeit und Unbefangenheit gewandelt werden kann, ist man bereit für den esoterischen Zeichenherrscher Neptun, der sich im Horoskop von Romy Schneider ebenfalls im 4. Haus befindet. Er öffnet für die universelle Menschenliebe, die nicht nach persönlicher Liebe sucht, sondern Liebe als Haltung verwirk­licht hat.

In Romy Schneiders letzten Lebensjahren, eigentlich schon mit dem Eintritt des Alterspunktes in das Zeichen Stein­bock im Jahr 1974, zeigt sich das Schicksal von seiner harten und erbarmungslosen Seite. Sie trennt sich von ihrem Ehemann und geht eine neue Beziehung mit ihrem Sekretär Daniel Biasini ein, den sie im Dezember 1975 heiratet. Nach einer Fehlgeburt kommt im Sommer 1977 die gemeinsame Tochter Sarah zur Welt. Im April 1979 nimmt sich ihr Ex-Mann Harry Meyen das Leben. Romy macht sich Vor­würfe, sich nicht genügend um ihn, der an Depressionen und unter der Trennung vom gemeinsamen Sohn David litt, gekümmert zu haben. Wegen Alkohol- und Medikamentenmissbrauchs kommt es im Jahr 1980 zu einem Zusammenbruch. Romy Schneider sieht sich am Ende ihrer Kräfte: „Ich muss Pause machen, ich muss endlich zu mir selbst finden. Im Moment bin ich zu kaputt.“² Es kriselt auch in der zweiten Ehe, und sie reicht im Februar 1981 die Scheidung ein. Im Mai 1981 musste wegen eines gutartigen Tumors ihre rechte Niere entfernt werden. Der größte Schicksalsschlag ereilte sie jedoch im Juli 1981, als ihr Sohn bei dem Versuch, über einen Zaun zu klettern das Gleichgewicht verlor und im Fallen von einer Metallspitze des Zauns aufgespießt wurde.

Doch Romy beginnt bereits im Herbst mit den Dreharbeiten zu einem neuen, wie sich später heraus­stellen wird letzten Film, in dem sie die Pflegemutter eines jüdischen Jungen während des 3. Reichs spielt, der im Film das gleiche Alter hat wie ihr soeben verstorbener Sohn hat. Für diese Rolle wird sie im Mai 1982 für einen César nominiert. Im Monat zuvor beschließt sie, mit ihrem neuen Lebensgefährten Lau­rent Pétain aufs Land zu ziehen und muss feststellen, dass obwohl sie mit ihren Filmen ein Vermögen verdient hatte, sie am Ende ihres Lebens vor einem Schuldenberg steht: ihr Stiefvater, der bis zu sei­nem Tod im Mai 1968 die Gagen seiner Stieftochter verwaltete, hatte ihre gesamten Einnahmen ver­untreut. Ihrem Ex-Mann Harry Meyen wurde nach der Scheidung eine Abfindung von über einer Mil­lion Mark gezahlt, und der zweite Ex-Mann Daniel Biasini hatte auf ihre Kosten ein Luxusleben geführt. Zu guter Letzt verlangte noch das französische Finanzamt Nachzahlungen in Millionenhöhe. Sie stand buchstäblich vor dem finanziellen Ruin. Am Ende des Monats starb Romy Schneider in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1982 im Alter von nur 43 Jahren an Herzversagen. Ihr Körper war durch den übermäßigen Alkoholkonsum und jahrelangen Medikamentenmissbrauch zerstört.

Zwei Geburtszeiten

Radix 21.45 Uhr

Für Romy Schneider kursieren zwei Geburtszeiten: 21:45 Uhr ergibt einen Aszendenten auf 28°48‘ Zwillinge sowie 22:00 Uhr mit einem Aszendenten auf 2°27‘ Krebs. Die Altersprogression zeigt um 21.45 Uhr die meisten Auslösungen klarer an. Am überzeugendsten sind jedoch die Solarhoroskope.

Mit dem Aszendenten im Zeichen Zwillinge rutscht der Neumond exakt auf den Talpunkt des 4. Hauses und  Jupiter und Saturn werden zu dominanten Stressplaneten. Vor allem Saturn zeichnet ein stimmiges Bild einer Mutter, die ihre Tochter jahrelang der Großmutter zur Pflege übergab und keine Skrupel hatte, sie als 14jähriges Mädchen an die Welt des Films und der Paparazzi des deutschen Boulevards auszuliefern, weil sie selbst am meisten davon profitierte.

In der Dynamischen Auszählung bleibt Romy zwar ein Minus-Typ (-8), aber nicht mehr so gravierend wie bei einer Minus­zahl von 15 Punkten. Das Zeichen Krebs bzw. das 4. Haus bleibt ein Plus-Haus mit +49 Punkten. Entwicklungsaufgabe bleibt damit weiterhin die Kultivierung der Krebsqualität.

Und Aszendent Zwillinge ist stets auf der Suche nach seinem anderen, „wirklichen“ und authenti­schen Selbst.

In der Nacht ihres Todes wanderte um drei Uhr morgens der laufende Mond über die 4. Hausspitze auf 27° Löwe. Im indischen Horoskop begann am Abend zuvor ein Jupiter/Venus/Mond/Rahu-Dasha, wobei Jupiter und Mond beide Maraka für den Zwillinge-Lagna sind.

Indische Horoskope (tropisch)

Horoskopgrafiken

21.45 Uhr

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1 Ein Abend mit Romy Schneider. ARTE F 2017
2 Wikipedia
3 Louise Huber: Die Persönlichkeit. Astrolog Nr. 23
4 Louise Huber: Auf- und Abbauprozesse im Horoskop. Astrolog Nr. 157

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