Bhrigu-Direktionen

Obwohl Direktionen als westliche Prognosetechnik angesehen werden, finden sie sich auch in der indischen Astrologie. Offenbar basieren die Vorhersagen der Palmblatt- oder Nadi1– Astrologie (nāḍi jyotiṣa) auf Direktionen.

In einem Fernkurs des niederländischen Astrologen Roeland De Looff erfuhr ich erstmals von diesen Bhrigu Progressionen. Das Buch Bhrigu Nāndi ḍi des indischen Astrologen R.G. Rao basiert auf den Vorhersage-Techniken der Nāḍi- oder Palmblatt-Astrologie. Palmblatt-Horoskope wurden vor Jahrhunderten im Voraus für Menschen berechnet und niedergeschrieben, die eines Tages nach ihrem Palmblatt-Horoskop fragen werden. Die skandinavischen Astrologen Martin Gansten und Tommy Larsen untersuchten Horoskope der Nāḍi-Astrologie und stellten fest, dass für die Vorhersagen sogenannte Bhrigu-Direktionen (bhṛgu progressions) verwendet wurden. Diese Direktionen funktionieren auf drei Ebenen:

♦ Auf der 1. Ebene werden die Planeten jedes Jahr um 2°30‘ vorwärts bewegt.
♦ Auf der 2. Ebene werden die Planeten jedes Jahr um 30 Grad bewegt.
♦ Auf der 3. Ebene wird jeden Monat alles um 30 Grad vorwärts bewegt.

2°30‘-Direktion

Die erste Ebene entspricht einem Direktionsschlüssel, der den indischen Dwadashamsha (dvādaśāṃsa „Zwölftel“) entspricht, die identisch mit den westlichen Dodekatemoria sind. Das Dwadashamsha handelt von unseren Eltern und Urahnen bzw. allgemein von den karmischen Einflüssen unserer Vergangenheit. Der Begriff Dodekatemoria stammt vom griechischen Dodekate – ‚Zwölftel‘ und Moira – ‚Anteil, Los, Schicksal‘ und bedeutet ‚Zwölftel Schicksal‘. Charles O. Carter nannte diese Direktion in seinem Buch Symbolische Direktionen schlicht das „Zwölfer System“.

30°-Direktion = Profektion

Die zweite Ebene entspricht den Profektionen der hellenistischen Astrologie. In der vedischen Tajika Astrologie sind sie als Muntha bekannt: die Profektion des Geburtsaszendenten in jedem Solar.

Die dritte Ebene entspricht vielleicht der Monatsprofektion in Astroplus, bin mir jedoch nicht sicher und denke, sie ist vernachlässigbar, wenn wir uns zunächst auf die Ergebnisse der 2°30‘-Direktion und evtl. die 30°-Profektion beschränken.

2°30‘ Bhrigu-Direktion

Für die Bewegung von 2,5 Bogengrad pro Jahr werden für den Lauf durch den gesamten Zodiak 144 Jahre benötigt. Dies entspricht einer doppelten Umrundung des Huber‘schen Alterspunktes (2 x 72 bzw. 4 x 36 Jahre). Zur Halbzeit mit 72 Jahren erreichen die Direktionsplaneten die Opposition zur Radixposition, mit 36 und 90 Jahren jeweils das Quadrat.

Biquintil 144°

Die 144 findet sich beim astrologischen Aspekt Biquintil, der einem Abstand von 144 Bogengraden entspricht. Die Hälfte von 72° entspricht dem Quintil, das im Zodiak zum Pentagramm führt: 5 x 72° ergeben 360°. Im Pentagramm wiederum verbirgt sich der Goldene Schnitt. Eine wahrhaft kosmische und göttliche Zahl, die wir auch vom Präzessionszyklus kennen, der in 72 Jahren zu einer Verschiebung des

Pentagon-Dodekaeder

gesamten Fixsternhimmels um rund 1° führt. Beide Aspekte, das Quintil und das Biquintil, offenbaren die verborgene Wesensstruktur und Quintessenz eines Menschen und des gesamten Kosmos.

Im folgenden untersuche ich diese Direktion in den Horoskopen berühmter Persönlichkeiten. Als Aspekt-Orbes empfiehlt sich ein Abstand von , die zwei Lebensjahren entsprechen. Berücksichtigt werden Konjunktionen, Oppositionen, Quadrate und Trigone.

Albert Einstein

Das Jahr 1905 war für den Physiker ein äußerst fruchtbares Jahr, ein Annus mirabilis (Wunderjahr). Am 17. März 1905 beendete er seine Arbeiten zum photoelektrischen Effekt, am 30. April 1905 stellte er seine Dissertation Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen fertig und reichte am 30. Juni 1905 seine Abhandlung Zur Elektrodynamik bewegter Körper ein, um kurz darauf den Nachtrag Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig? zu ergänzen. Letzterer enthält zum ersten Mal die wohl berühmteste Formel der Welt, E = mc² (Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat, Äquivalenz von Masse und Energie). Beide Abhandlungen werden heute als Spezielle Relativitätstheorie bezeichnet.

Albert Einstein: Radix + 2°30′-Direktion 30.06.1905

Im Innenkreis findet sich die Radix, im Außenkreis die Direktionsplaneten. Angezeigt werden ausschließlich Direktionsaspekte. Der vorgeschobene Aszendent liegt auf 17°22‘ Jungfrau. Der Direktions-Pluto auf 0°27‘ Löwe erreicht den südlich absteigenden Mondknoten auf 2° Löwe, der außerdem ein Quadrat vom Direktions-Jupiter empfängt. Radix-Uranus auf 1°17‘ Jungfrau erhält eine Opposition vom Direktions-GZ. Das supergalaktische Zentrum M87/VCl empfängt ein Trigon von der Direktions-Sonne, die auch ein Quadrat auf Radix-Uranus wirft. Der Direktions-Uranus erreicht die Opposition zum Radix-Neptun, währen der Direktions-Neptun im Jahr zuvor über den Aszendenten lief.

Edwin Hubble

Dem Astronom gelang in der Nacht des 6. Oktober 1923 eine Fotoaufnahme des Andromeda-Nebels, der sich als Galaxie entpuppte: die Andromeda-Galaxie M31.

Edwin Hubble: Radix + 2°30′-Direktion 06.10.1923

Wir sehen den Direktions-Pluto auf 0°44‘ Jungfrau in Konjunktion mit dem Radix-Aszendenten und im separativen Quadrat zur Radix-Sonne, die wiederum ein Quadrat des Direktions-Neptun erhält und auf der sich der Direktions-Saturn befindet. Außerdem steht der südlich absteigende Direktions-Mondknoten im Trigon zur Radix-Sonne. Merkur empfängt in Trigon vom Direktions-GZ auf 19°58‘ Fische. Die Direktions-Venus läuft auf das Quadrat zum Radix-Mond und das Trigon zum Radix-Neptun zu. Die direktive Andromedagalaxie M31 auf 20°59‘ Krebs steht auf dem Radix-Chiron, der eine Opposition des Kleinplaneten Ceres empfängt. Das direktive supergalaktische Zentrum M87/VCl befindet sich in Konjunktion mit dem GZ.

Wir finden hier eine Fülle von Direktionsaspekten. Interessant ist vor allem, dass sowohl die traditionellen (exoterischen) wie auch die esoterischen Zeichenherrscher eine herausragende Rolle spielen.  Der klassische Herrscher des Aszendent-Zeichens Jungfrau ist Merkur, der esoterische Herrscher ist der Mond. Der traditionelle Herrscher des Zeichens Krebs, in dem sich der aufsteigende Mondknoten befindet, ist der Mond, sein esoterischer Herrscher der Neptun.

Werner Heisenberg

Im Juni 1927 formulierte der Physiker die Heisenbergsche Unschärferelation, die eine der fundamentalen Aussagen der Quantenmechanik trifft – dass bestimmte Messgrößen eines Teilchens wie sein Ort und sein Bewegungsimpuls nicht gleichzeitig beliebig genau zu bestimmen sind. Hierfür erhielt er 1932 den Nobelpreis.

Werner Heisenberg: Radix + 2°30′-Direktion Juni 1927

Die Andromeda-Galaxie M31 mit Ceres erreichten in der Direktion den Radix-Neptun und Quadrate zur Radix-Position des supergalaktischen Zentrums M87/VCl, das gegenüberliegende Shapley-Zentrum SCl die Opposition zum Radix-Neptun. Der Direktions-Mars stand im Quadrat zur Radix-Sonne, die Jupiter/Saturn-Konjunktion löste sich von ihren Quadraten zur Uranus/Pluto-Opposition. Die Direktions-Venus (der esoterische Herrscher des Aszendenten Zwillinge) läuft auf das Quadrat zu Chiron zu.

Nobelpreis

Vincent van Gogh

Nach erfolglosen Versuchen, seinen Lebensunterhalt als Verkäufer, Lehrer oder Prediger zu bestreiten, beschließt der inzwischen 27jährige Niederländer Vincent van Gogh, Maler zu werden und beginnt  im Oktober 1880 ein Kunststudium in Brüssel.

Vincent van Gogh: Radix + 2°30′-Direktion Oktober 1880

Der Aszendent erreichte in der Direktion die Zeichengrenze auf 0° Waage mit dem supergalaktischen Zentrum M87/VCl. In der Direktion stand dieses Zentrum auf 8°47‘ Schütze im Trigon zur Sonne, die außerdem ein Quadrat vom Direktions-Pluto erhält. Chiron steht in der Direktion auf dem MC im Quadrat zur Radix-Mondknotenachse. In der Direktion bildet der aufsteigende Mondknoten ein Trigon zu Pluto.

Knapp sechs Jahre später zieht Vincent im März 1886 zu seinem Bruder Theo nach Paris.

Vincent van Gogh: Radix + 2°30′-Direktion März 1886

Das supergalaktische Zentrum M87/VCl erreicht in der Direktion die Radix-Mondknotenachse, der Aszendentherrscher Mond lief über den Radix-Neptun, den esoterischen Herrscher des Aszendenten.

Vincent van Gogh: Radix + 2°30′-Direktion 19. Februar 1888

Am 19. Februar 1888 bricht van Gogh auf, um in das südfranzösische Arles umzusiedeln. Das GZ erreichte in der Direktion das MC und die Quadrate zur Mondknotenachse mit der Mond/Jupiter-Konjunktion am südlich absteigenden Mondknoten. Die Direktion der Mondknotenachse steht im Gegenzug in Quadraten zu den Radix-Positionen, denn mit 35 Jahren befand sich van Gogh in einer kritischen Phase der 2°30‘-Direktionen, die in der Altersprogression durch die Stressphasen im Schatten einer kardinalen Hausspitze angezeigt sind:

Zeiten vor kardinalen Häuserspitzen gehen oft mit extremen Anstrengungen und daraus resultierenden Spannungen, Erschöpfungs- und Angstzuständen einher. Auch van Gogh muss seine letzten Reserven mobilisieren, um den Gipfel des DC erreichen zu können. Er arbeitet wie ein Besessener bis zur totalen Erschöpfung. Allerdings erlaubt sein geschwächter Gesundheitszustand dies nicht, er bricht physisch und geistig zusammen.
Vincent van Gogh – Feuer in der Seele

Bereits in Paris träumte van Gogh vom Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft mit gleichgesinnten Malern, einem Künstler-Kollektiv. Als er im Sommer das gelbe Haus bezogen hatte, lädt er den befreundeten Maler Paul Gauguin ein. Am 23. Dezember eskaliert jedoch ein Streit zwischen den beiden ungleichen Künstlern. Gauguin verlässt wutentbrannt die Stadt und van Gogh schneidet sich am Abend des 23. Dezember 1888 ein Ohr ab. Die Mondknotenachse erreicht in der Direktion die Meridian- und gleichzeitig Individualachse.

Vincent van Gogh: Radix + 2°30′-Direktion 23. Dezember 1888

Im Folgejahr hält sich Vincent in einer privaten Nervenheilanstalt in Saint-Rémy auf, um anschließend die letzten Monate seines Lebens in Auvers sur Oise zu verbringen. Es entstehen in diesen letzten zwei Jahren die berühmtesten und farbenprächtigsten Gemälde, von denen er jedoch zu Lebzeiten kein einziges verkaufen konnte und von der finanziellen Unterstützung seines Bruders abhängig blieb.

Vincent van Gogh: Radix + 2°30′-Direktion 29. Juli 1890

Vermutlich veranlasste ihn diese Erfolglosigkeit dazu, sich am 27. Juli 1890 zu erschießen. Er stirbt in der Nacht des 29. Juli 1890 an den Folgen seiner Verletzung.

John F. Kennedy

Abschließend untersuche ich die 2°30‘-Direktion im Horoskop des 35. US-Präsidenten John F. Kennedy für das Attentat am 22. November 1963. Der Präsident war 46 Jahre alt und erlebte die dritte Opposition des aufsteigenden Mondknotens zu seiner Radix-Stellung  (→ Mondknoten-Transitzyklus). Saturn (der Herrscher des aufsteigenden Mondknotens) erreicht in der Direktion die Opposition zu Jupiter, der Mond hatte die Mondknoten-Achse bereits überlaufen und das supergalaktische Zentrum M87/VCl die Opposition zum Radix-Saturn erreicht. Das Shapley-Zentrum SCl stand auf Radix-Uranus (der esoterische Herrscher des Aszendenten Waage), die Andromeda-Galaxie M31 in Opposition dazu. Die Merkur/Mars-Konjunktion, die sich in der Radix auf der 8. Häuserspitze findet, erreichte das Quadrat zur Herrscherin des Aszendenten.

John F. Kennedy: Radix + 2°30′-Direktion 22. November 1963

Es überrascht , wie viele Auslösungen festzustellen sind, rücke ich von der Vorstellung ab, dass nur exakte Auslösungen wirksam sind, so dass ich mit der 2°30‘-Direktion bereits zufrieden bin, denn sie liefert viele Informationen.

John F. Kennedy: Radix + Profektion 22.11.1963

Dennoch werde ich das letzte Beispiel mit einem Blick auf die Profektion abschließen. Dort erreicht der Kleinplanet Ceres die Radix-Position des Saturn mit Quadraten zu M31 und dem Shapley-Zentrum SCl, Mars im Quadrat zum Radix-Pluto und Trigon zu Radix-Neptun, der Mond ein Quadrat zur Radix-Venus und das Shapley-Zentrum SCl ein Trigon zum auf steigenden Mondknoten.

Mir erscheinen diese Direktionen inzwischen wesentlich aussagekräftiger als die meisten anderen von mir bisher verwendeten Prognosemethoden. Die Berücksichtigung der traditionellen und esoterischen Zeichenherrscher ermöglicht zudem eine umfassendere Betrachtung als die Altersprogression allein, denn die 2,5°-Direktion rückt viele Ereignisse des Lebens in ein neues Licht, da sie als wichtige Etappen auf dem geistigen Entwicklungsweg erkannt werden können. Auch die immense Bedeutung der galaktischen Zentren war mir bis heute nicht bewusst.

Lesetipp:
Starfish-Blog: Galaktische Faktoren im HoroskopMessier-ObjekteZeichenherrscher
Birgit Braun: Die galaktische Dimension der Astrologie

Anmerkungen:
1nāḍi – Kanal, Puls, Nerv, Vene, 12 Bogenminuten im 360° Kreis

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