Fische – Pisces – A.NU.NI.TUM


Fische

Pisces (Urania’s Mirror)¹

Künstlerische Darstellungen dieses Sternbildes zeigen zwei Fische, von denen der eine aufwärts strebt in Richtung des Himmelsnordpols bzw. zu den zirkumpolaren Sternbildern, die das ganze Jahr über sichtbar sind, während der andere horizontal auf der Ekliptik in westliche Richtung zum Sternbild Wassermann schwimmt. Ein Teil dieser Konstellation ist auf die Vertikale ausgerichtet, himmelwärts zum Göttlichen (das Menschen sich seit alters her „oben“ bzw. im Norden vorstellten), der andere Teil bewegt sich auf der Horizontalen und begegnet dort der Welt und den Menschen. Er schwimmt jedoch gegen den Strom, nicht im kosmischen Rhythmus wie die Himmelslichter Sonne und Mond, die sich in östlicher Richtung zum Frühlings- oder Widderpunkt bewegen, sondern rückwärts wie die Mondknoten, die ebenfalls von den Fischen zum vorhergehenden Sternbild Wassermann wandern.

Nach dem Analogiegesetz „Wie oben (Sternbild) so unten (Tierkreiszeichen)“ gibt es auch im Tierkreiszeichen Fische zwei unterschiedliche Bewegungen, wie sie auch im Symbol des Kreuzes dargestellt sind, in dem sich die Vertikale mit der Horizontalen kreuzt. Diese zwei Bewegungsrichtungen, aufwärts zum Göttlichen, seitwärts zu den Menschen, weist auf eine Dualität in diesem Zeichen hin, wie sie auch die beiden exoterischen Zeichenherrscher zum Ausdruck bringen. Neptun, in der Astrologischen Psychologie ein geistiger Planet, der uns mit der Ebene unseres „höheren Selbst“ in Verbindung bringen will, unserem Einssein mit dem Göttlichen, und Jupiter, der Chef der Wahrnehmungsfunktionen des Menschen, der fünf Sinne, damit auch der Sinnlichkeit, die uns gerne die Früchte des Irdischen genießen lässt. Venus, die personifizierte Liebe, gilt seit alter Zeit mit den Fischen verbunden, sie ist hier erhöht.

Fische & Andromeda

Im antiken Sumer und späteren Babylonien bildeten der östliche Teil des Sternbildes Fische (Pisces) und das nördlich darüber liegende Sternbild Andromeda gemeinsam die Konstellation A.NU.NI.TUM, die „Göttin des Himmels“ und die „mit Schmerzen gebärende Mutter der Menschheit“ in Gestalt der su­merischen Göttin Inanna (babylonisch Ischtar, phönizisch Astarte), die mit dem Planeten Venus verbunden wurde.

Das klassische Griechenland trennte diese Konstellation in die Sternbilder Andromeda und Pisces. Das heutige Sternbild Fische wurde auf die aus Meeresschaum geborene Göttin Aphrodite übertragen, die auf der Flucht vor Typhon, einem riesigen Ungeheuer mit hundert Drachenköpfen, gemeinsam mit ihrem Sohn Eros (dem „Begehren“ als Frucht ihrer Verbindung mit Ares) in den Fluss Euphrat sprang, wo sie sich in zwei Fische verwandelten und entkommen konnten. Die Konstellation Andromeda handelte von einer unschuldigen Jungfrau, die zur Bestrafung der Eitelkeit ihrer Mutter Kassiopeia vom Seeungeheuer Ketos verschlungen werden sollte und vom Helden Perseus gerettet wurde.

Es geht in den Fischen einerseits um das Leben in der Welt, um das Genießen all der damit verbundenen Annehmlichkeiten und das Erleiden der auf diesem Weg unvermeidbaren Konsequenzen als schmerzliche, unangenehme Erfahrungen (die horizontale Bewegung). Gleichzeitig geht es um das Wissen, dass es ebenso ein Leben jenseits dieser Welt gibt (die vertikale Ausrichtung). Man ist sich hier der Vergänglichkeit der Materie schmerzlich bewusst und spürt, dass die vertikale Ausrichtung eine Hilfe, wenn nicht gar Heilung dieser Schmerzen des Vergänglichen bringen könnte. Doch wie so oft im Leben scheint diese „Heilung“ nicht ohne Kampf möglich zu sein. Auf der Ebene der Seele, des „Wahren Selbst“, wirkt der esoterische Zeichenherrscher Pluto, der alles, was nicht mit dem Wahren Selbst in Übereinstimmung zu bringen ist, den Wandlungsprozessen des Irdischen und Vergänglichen anheimgibt. Dieser plutonische Wandlungsprozess im Zeichen Fische führt zum „Tod des Egos“, der Persönlichkeit mit all ihren egoistischen Ansprüchen, hinter der sich das wahre oder „höhere Selbst“ der unsterblichen Seele verbirgt.

Diese Transformation entspricht gleichzeitig einer Umkehrung der Richtung, in die sich der horizontal schwimmende Fisch bewegt. Die westwärts gerichtete Bewegung zum Sternbild Wassermann entspricht der rückläufigen Wanderung des Frühlings- bzw. Widderpunktes durch den Kreis der zwölf Ekliptik-Sternbilder. Diese enthüllt

… einen anderen revolutionären Gedanken, den die esoterische Astrologie der heutigen exoterischen Astrologie vorlegt: In dem großen Zyklus der vielen Inkarnationen wandert der Mensch – wie man zutreffend erkannt hat – durch den Tierkreis von den Fischen zum Widder; er schreitet somit durch die Zeichen zurück, da er ja der rückläufigen Bewegung der Sonne folgt. Dieser Ausdruck hat mich schon immer gestört, aber der anscheinende Rücklauf, der auf der Präzession der Tagundnachtgleichen beruht, ist ganz und gar ein integraler Teil der Großen Illusion. Sobald ein Mensch anfängt, aus dieser Illusion herauszukommen, wenn er also nicht länger dem Wahn und der Wirkung der Welt-Maya unterworfen ist, bewegt sich das große Lebensrad umgekehrt; er beginnt dann (langsam und mühevoll) in der entgegengesetzten Richtung zu wirken. Er schreitet dann vom Widder durch die Zeichen hindurch zu den Fischen. Er beginnt, geduldig und bewusst als Seele zu wirken; er ringt sich dem Lichte entgegen, bis er schließlich am Ende des Pfades der Fische als Welt-Überwinder und Welt-Erlöser dasteht. Er weiß dann, was der Triumph über den Tod bedeutet, denn er hat das Begehren überwunden und hinter sich gelassen.
Alice Bailey: Esoterische Astrologie

Die rückläufige Bewegung durch den Tierkreis, die wir von der natürlichen Bewegungsrichtung der Mondknoten und dem Voranschreiten des Frühlings-Äquinoktiums kennen, entspricht dem involutionären Weg der Persönlichkeit, auf dem diese sich mit der stofflichen Welt der Materie durch Identifikation verbunden hat und seitdem gezwungen ist, unter leidvollen Erfahrungen mühsam, weil unbewusst, voran zu schreiten, bis sie in den Fischen die Gelegenheit zur Umkehr des Weges erhält. Der evolutionäre Weg im kosmischen Drehsinn der beiden Lichter Sonne und Mond, auf dem Erkenntnisse rasch erlangt und Einsichtsfähigkeit entwickelt werden kann, entspricht der schrittweisen bewussten Rückverbindung der Persönlichkeit mit ihrem Ursprung, dem „höheren Selbst“ oder spirituellen Geist. Diese Verbindung bringt bereits das Fische-Symbol zum Ausdruck: zwei Fische als sensitive, empfangsbereite Antennen, die in unterschiedliche Richtungen geöffnet und durch eine Linie miteinander verbunden sind: der „Lebensfaden“ oder die „Silberschnur“, die Seele und Körper aneinander bindet.

Die Fastenzeit vor dem Osterfest geht in der Regel mit dem Transit der Sonne durch dieses Zeichen einher. Sie bietet den Menschen Gelegenheit, in einer intensiven Entschlackungskur das Denken und die physischen Sinne vom zwanghaften Begehren und Genießen zu entwöhnen und alten Ballast abzuwerfen. Manchen gelingt sogar eine radikale innere Umkehr.

In wenigen Tagen findet der Vollmond im Zeichen Fische statt. Der Vollmond reflektiert dann das Licht der Sonne und des Tierkreiszeichens, in dem die Sonne sich gerade befindet. Nutzen wir diese Zeit zur Meditation, können wir unser Inneres auf diese kosmische Energie einstellen. Meditieren ist tiefes Nachdenken oder intensives innerliches Betrachten eines Themas, einer Qualität oder eines Symbols. Ziel ist das Erreichen eines Bewusstseinszustandes, der ein klares hellwaches Gewahrsein bei gleichzeitiger tiefster Entspannung ermöglicht. Die meditative Betrachtung eines Tierkreiszeichens lässt eine tiefe und umfassende Wahrnehmung seiner Qualitäten zu (→ Entwicklungsprozesse in den Zeichen).

Esoterisches Konstitutionsmodell

Die Esoterik unterscheidet die mystische Meditation von der okkulten Meditation. In der mystischen Meditation, die dem geistigen Planeten Neptun als höherer Oktave des Mondes (Gefühls-Ich) zugeordnet wird, steht das intensive Verlangen nach Einswerdung mit dem „höheren Selbst“, um dessen Einheit mit dem Göttlichen zu erfahren. Die okkulte Meditation arbeitet demgegenüber auf der Mentalebene, denn nach esoterischer Auffassung befindet sich das höhere Selbst auf den höheren Mentalebenen. Das heißt, dass die Begegnung des mentalen Ichs (Sonne) mit dem höheren Selbst auf der höchsten, abstrakten Mentalebene stattfindet, die dem geistigen Planeten Uranus zugeordnet wird. Im esoterischen Konstitutionsmodell gibt es eine Lücke zwischen Sonne und Uranus, die in der Meditation überbrückt werden kann (die Antahkarana als inneres Werkzeug). Die von Louise Huber in ihrem Buch Die Tierkreiszeichen vorgestellten Vollmond-Meditationen gehören zur okkulten Meditation.

¹ Urania’s Mirror

Loading

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.