Henri Matisse

Nach einer Blinddarmoperation, deren Nachwirkungen Henri Matisse ein Jahr lang ans Bett fesselten, begann der 21jährige mit der Malerei. Der Alterspunkt (AP) wechselte in das Zeichen Schütze. Nach seiner Genesung gab er die im Jahr zuvor begonnene juristische Karriere auf und trat in eine private Kunstakademie ein, um sich auf die Aufnahmeprüfung an der staatlichen Kunsthochschule vorzubereiten. Er scheiterte im ersten Anlauf und wurde erst im Jahr nach der Geburt seiner unehelichen Tochter Marguerite (31.08.1894, Kippstelle ☽/) von der École des Beaux-Arts aufgenommen.

Für Matisse ging es im Talpunktjahr 4. Haus darum, sich von seinem Elternhaus und den Erwartungen seines Vaters zu emanzipieren und seinen eigenen Weg zu gehen. Der Übergang des Alterspunktes von einem Zeichen in das nächste bewirkt eine drastische Änderung der Grundhaltung (Feuerzeichen: tatorientiert, kreativ, neue Ziele anpeilend), der Antriebsdynamik (veränderliches Zeichen: Bereitschaft zur Richtungsänderung) und im Lebensgefühl (Schütze: grundlegend optimistische Stimmung, Chancen zur Selbstverwirklichung erkennen und ergreifen). Gleichzeitig wird die Qualität der Planeten spürbar, die sich im letzten Drittel des Zeichens Schütze befinden: ein Stellium zwischen Saturn, GZ und Mond im Stressbereich der 5. Hausspitze.

AP Ingress Wassermann

Am 10. Januar 1898 heiratete Henri Matisse Amélie Noellie Parayre (AP in Steinbock + 5. Haus). Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor: Jean Gérard (1899–1976) und Pierre (1900–1989). Seine Tochter Marguerite (1894-1982), die einer Affäre mit seinem Modell Camille Joblaud entstammte, wurde in die Familie aufgenommen. Mit dem Wechsel des AP in das 6. Haus und dem Eintritt in das Zeichen Wassermann erlebte Matisse eine schwere finanzielle Krise und war gezwungen, als Dekorationsmaler für die Weltausstellung in Paris zu arbeiten. In jenen Tagen war Matisse derart entmutigt, dass er daran dachte, die Malerei ganz aufzugeben. Mit dem Zeichenwechsel befanden sich nun beide Alterspunkte im Zeichen Wassermann und bewegten sich auf ihren Treffpunkt im Februar 1903 zu. Die Krise konnte vermutlich dank des Quadrats der Kreuzungsachse zu Jupiter überwunden werden, denn Matisse bemühte sich um Kunstsammler, fand neue Ausstellungsmöglichkeiten und konnte einige seiner Arbeiten verkaufen.

Den Sommer 1905 verbrachte Matisse mit befreundeten Malern in einem kleinen Fischerdorf am Mittelmeer nördlich der Pyrenäen.  Als sie ihre Bilder im Herbst zum ersten Mal in einer Ausstellung in Paris zeigen konnten, riefen sie Empörung bei Publikum und Kunstkritikern hervor, die den Malstil der Gruppe als Fauvismus bezeichneten: ein Malstil „wilder Bestien“. Der Alterspunkt erreichte im Stressbereich der 7. Hausspitze das Sextil zur Mond/GZ-Konjunktion und im Februar 1906 die Konjunktion mit Venus am Deszendenten, als er sowohl Kritik als auch Begeisterung für sein neues Werk Die Lebensfreude (Le bonheur de vivre) erntete, mit dem nach eigener Aussage sein eigentliches Lebenswerk begann und der Alterspunkt-Aspektzyklus der Venus in der Konjunktion einen ersten Höhepunkt erreichte.

Als der Alterspunkt 36 Jahre später erneut die Opposition zur Venus erreichte, musste sich Matisse einer schweren Darmoperation (Zwölffingerdarmkrebs und zwei nachfolgenden Lungenembolien) unterziehen. Die Operation und die darauffolgende Krankheit machten ihm schwer zu schaffen, da er sich nur noch beschränkte Zeit aufrecht halten konnte. Der Alterspunkt stand im Stressbereich des Aszendenten im Trigon zum Stellium zwischen Saturn, GZ und Mond. Während seiner Rekonvaleszenz begann er von neuem zu arbeiten, er malte und zeichnete im Bett. Um 1943 wurde wegen seiner schweren Erkrankung der Scherenschnitt zu seinem Hauptausdrucksmittel. Nach 1948 schloss Matisse ganz mit der Malerei ab. Er ließ von Assistenten Papierbögen mit monochromer Gouachefarbe bemalen, aus denen er seine Figuren und freien Formen ausschneiden konnte. Matisse nannte diese Technik „mit der Schere zeichnen“. Sie bot die Möglichkeit, Linie und Farbe zu verbinden, und war daher die von ihm lange Zeit angestrebte Lösung seines Anliegens. In der Zeichnung konnte er einen Eindruck in wenigen Umrisslinien darstellen, wenn auch ohne Farbe. In der Malerei fehlte diese Spontanität. Wenn die Schere den Pinsel ersetzt und direkt in die Farbe einzeichnet, wird der Gegensatz von Farbe und Linie überwunden. Das Ergebnis – der Schnitt – ist schärfer als der gezeichnete Strich, hat also einen anderen Charakter. 1947 wurde eine Folge von Scherenschnitten aus den Jahren 1943 bis 1944 als Künstlerbuch unter dem Titel Jazz veröffentlicht, die im Schablonendruck vervielfältigt worden waren. Der Titel spielt auf die Spontanität und Improvisation des Musikstils Jazz an. Zum Gebrauch der Linien schrieb Matisse in diesem Buch:

    „Das Lot bestimmt die vertikale Richtung und bildet zusammen mit seiner Gegenspielerin, der Horizontalen, den Kompaß des Zeichners. […] Um diese angenommene Linie entwickelt sich die ‚Arabeske‘. Ich zog aus dem Gebrauch des Lots dauernden Nutzen. Die Vertikale ist in meinem Geist eingezeichnet, sie hilft mir, die Richtung meiner Linien genau zu bestimmen, und auch in meinen rasch hingeworfenene Zeichnungen ist keine Linie […] ohne Beziehung zur Vertikalen entstanden. – Meine Linien sind nicht verrückt.“

– Henri Matisse (Wikipedia)

Sowohl Venus als auch Mars stehen in engem Aspekt zum Galaktischen Zentrum GZ sowie zum Zentrum der Andromeda-Galaxie M31 und des Shapley Superhaufens SCl 124. Die archetypisch-kreativen Planetenkombinationen zwischen Saturn-Venus-Mars und Mond-Venus-Mars stehen unter direktem Einfluss dieser galaktischen Zentren.

Zum 150. Geburtstag des Künstlers präsentiert die Kunsthalle Mannheim in der Ausstellung Inspiration Matisse bis zum 19. Januar 2020 die eindrucksvolle Entwicklung von Matisse vom Frühwerk um 1895 bis zum Ende der Nizza-Periode 1930.

4 Gedanken zu „Henri Matisse

  1. Klaus Wessel

    Sehr sprechend, Dank. – Wenn diese Frage erlaubt ist: Wird in der Astrologischen Psychologie auch der Lauf des APs über Halbsummen (vorzugsweise direkte) berücksichtigt“ ?
    Grüße,
    Klaus W.

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      1. Klaus Wessel

        Danke für den Hinweis. Ich hätte drauf kommen können, da der Begriff ja im Text eingangs erwähnt wurde. Ich kann mich nicht entsinnen, den Begriff in den Bänden 1 und 2 der Huber Lebensuhr- Bücher vorgefunden zu haben….ist aber einige Zeit her, möglich, dass ich’s schlicht nicht mehr präsent hatte….

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