Die Mondknoten betreten die Denkachse ♊/♐

In den nächsten Tagen oder Wochen wird die Mondknotenachse in die tropische Zeichenachse Zwillinge/Schütze eintreten. Sobald ein Planet oder die Mondknoten ein neues Tierkreiszeichen betreten, reagieren alle Planeten in diesem oder im gegenüberliegenden Zeichen auf diese neue Schwingung. Denn der Planet oder Mondknoten steht ab jetzt in einem neuen Verhältnis zu allen anderen astrologischen Faktoren, sowohl im aktuellen mundanen Horoskop als auch im persönlichen Horoskop. Dazu ist es ausreichend, das Zeichen des persönlichen Aszendenten zu kennen. Zuweilen kann der Zeichenwechsel sogar mit schlagartigen Veränderungen einhergehen, sowohl mundan als auch individuell. So werden vor allem jene direkt betroffen, die mit der Sonne oder dem Aszendenten im Zeichen Zwillinge geboren wurden. 

Mittlerer, wahrer und interpolierter Mondknoten

Traditionell bevorzugen indische Astrologen den mittleren Mondknoten (die Schnittpunkte der Mondbahn mit der Ekliptikebene), der bereits seit Jahrtausenden verwendet wird. Er bewegt sich stets rückwärts durch den Tierkreis.

Ab den 1980er Jahren wurde unter Astrologen der wahre Mondknoten zunehmend populärer.

Der „wahre“ Mondknoten wird in der Regel als das oszillierende Knotenelement der momentanen Mondumlaufbahn betrachtet. D.h. die Achse der Mondknoten ist die Schnittlinie der momentanen Orbitalebene des Mondes und der Ebene der Ekliptik.

Der Vorteil der ‚wahren‘ Knoten gegenüber den mittleren ist, dass der Mond, wenn er sich in exakter Verbindung mit ihnen befindet, in der Tat einen Breitengrad von null hat. Dies ist bei den mittleren Knoten nicht der Fall.1

Die oszillierende Umlaufbahn des Mondes führt zu einer zeitweisen Direktläufigkeit der Mondknotenachse.

Seit einigen Jahren wird außerdem ein interpolierter Mondknoten diskutiert, denn der wahre Mondknoten ist ebenfalls nur eine Annäherung.

Im engeren Sinne des Wortes sind selbst die „wahren“ Knoten nur zweimal im Monat wahr, d.h. zuzeiten, in denen der Mond die Ekliptik kreuzt. Positionen, die für die Zeiten zwischen diesen beiden Punkten angegeben werden, basieren auf der Idee, dass Himmelsbahnen durch elliptische Elemente oder große Kreise angenähert werden können. Die monatliche Schwingung des Knotens erklärt sich durch die starke Störung der Mondumlaufbahn durch die Sonne. Ein anderer Ansatz für den „wahren“ Knoten, der sinnvoll wäre, wäre, zwischen den wahren Knotenpassagen zu interpolieren. Die monatliche Schwingung des Knotens würde unterdrückt, und die maximale Abweichung vom herkömmlichen „wahren“ Knoten würde etwa 20 Bogenminuten betragen.1

Die Jyotish-Software Kāla bietet alle drei Varianten der Mondknotenberechnung an, weshalb ich im Folgenden die Ingress-Horoskope der drei Mondknotenvarianten untersuchen werde.

Interpolierter Mondknoten

Als erstes wechselt der interpolierte Mondknoten am 02.05.2020 um 17:54:28 UT in das Zeichen Zwillinge. In Berlin kommt der Lagna in das Krisen-Zeichen Skorpion zu liegen. Lagnesh Mars befindet sich gemeinsam mit seinem Dispositor Saturn in dessen Mūlatrikona (MT) Wassermann im 4. Bhava. Saturn bildet ein Shasha Yoga, das zu den Mahapurusha Yoga gehört. Es vermittelt innere Stärke und Durchhaltevermögen gepaart mit einem übergroßen Bedürfnis nach äußerer Kontrolle aus innerer Angst heraus. Wohlstand zur individuellen Absicherung wird zur Lebensmaxime.

Passenderweise liegt die Mondknotenachse auf der 2/8-Bhava-Achse. Die geistige Entwicklung, um die es bei der Mondknotenachse aus psychologischer Sicht geht, oder die Zeitqualität, die uns als Menschheit vor neue und oft als schicksalhaft erlebte Herausforderungen und Lernaufgaben stellt, handelt von der Einstellung zu und dem Umgang mit dem Thema des Besitzes und der mit ihm verbundenen Sicherheit.

Mit Ketu im 2. Bhava sind wir überzeugt, unter Einsatz unserer eigenen Mittel und Fähigkeiten ein ausreichendes Maß an Besitz mit der damit einhergehenden Sicherheit erlangen zu können. Wir tendieren deshalb zu Selbstzufriedenheit, die auf dem Besitz von Geld beruht oder auf dem Wissen um Fähigkeiten zur Vermehrung des Besitzes. Rahu im 8. Bhava kündigt jedoch Krisen an, nämlich den möglichen Verlust des persönlichen Besitzes oder Einkommens, mit dem wir unseren täglichen Bedarf decken können. Wir sind gezwungen, auf die Mittel anderer, vor allem des Staates, zurückzugreifen. Die daraus entstehenden Ängste führen zu emotionalen Überreaktionen, Depressionen, Panikattacken, hysterische Ausbrüche, die am Ende in die totale innere Resignation führen können. Tatsächlich löst der durch die Corona-Pandemie verursachte „Lockdown“ mit seinen sozialen und wirtschaftlichen Folgen bereits jetzt massive Ängste unter den Menschen aus, die sich mit dem Zeichenwechsel noch verstärken und zum entscheidenden Problem dieses Transits werden können.

Der Mond im 11. Bhava liegt im Kendra und aufgrund der veränderlichen Zeichenqualität der Mondknoten und des Mondes im Rashi-Aspekt zur Mondknotenachse. Ihr Einfluss auf den Geist und das Gemüt des Volkes wirkt zusätzlich destabilisierend und verstärkt etwaige Ängste, die zu panikartigen Reaktionen führen können. Das Denken kreist nur noch um das durch den Virus (Ketu!) bedrohte Thema des persönlichen Besitzes und des Empfindens persönlicher Sicherheit durch eben diesen Besitz und mit dem Mond im 11. Bhava seiner geradezu unersättlichen Sehnsucht nach grenzenlosem Wohlstand, mit dem alle Wünsche erfüllt werden kann. Das Kemadruma des Mondes entzieht ihm die unterstützende Hilfe durch Planeten in den benachbarten Zeichen und verstärkt seine Labilität und tiefe innere Unsicherheit, die eine klare Vision auf die Lösung der Krise verstellt. Im Gegenteil verleitet sie den Planeten im Rashi-Aspekt zur Mondknotenachse zu blindem Aktionismus, der niemandem hilft.

Wahrer Mondknoten

Wahrer Mondknoten

Der wahre Mondknoten wird drei Tage später am 05.05.2020 um 05:49 UT die Achse Zwillinge/Schütze betreten. Der Lagna kommt in Berlin in das Zeichen Zwillinge zu liegen und betont den Mondknoteningress. Lagnesh Merkur ist gleichzeitig der neue Dispositor des aufsteigenden Mondknoten Rahu, befindet sich selbst im 12. Bhava, wird dort von der Sonne verbrannt (V = Kopa Avastha) und bildet mit seiner Dispositorin Venus, die ebenfalls verbrannt ist, ein Parivartana Yoga (Rezeption). Gemeinsam bilden die gegenseitigen großen Freunde (GFr) eine kraftvolle Verbindung des 1. und 12. Hauses. Dabei entsteht allerdings ein Dainya Yoga (Elend, Bedrängnis, Depressivität), welches der Herrscher von 12 – Venus – durch große Ausgaben und Verluste erzeugt. Je mehr Geld durch die Krise ausgegeben wird, umso intensiver wird auch das persönliche Bedrohungsempfinden, weil die Menschen umso mehr erkennen, was für sie auf dem Spiel steht.

Ketu im 7. Bhava findet seine persönliche Sicherheit durch sein öffentliches Ansehen und die Bedeutsamkeit einflussreicher Beziehungen zur Umwelt. Als Exportnation besteht generell die Tendenz, sich von anderen abhängig zu fühlen und seine Identität der des Partners anzugleichen. Rahu im 1. Bhava weist jedoch auf die Notwendigkeit hin, eine eigenständige Position zu entwickeln, unabhängig von Partnern oder der öffentlichen Anerkennung. Die damit einhergehende Isolierung ist mit Ängsten besetzt, denn man spürt die Abhängigkeit, solange die Sicherheit nicht im Inneren und einem ausgewogenen Selbstverständnis gefunden wird.

Der Mond befindet sich wie drei Tage zuvor hilflos in Kemadruma, steht jetzt allerdings in einer 3/11-bzw. 5/9-Beziehung zur Mondknotenachse. Der blinde Aktionismus weicht einer mehr spielerischen Suche nach kreativen Lösungswegen aus der Krise.

Mittlerer Mondknoten

Mittlerer Mondknoten

Die mittleren Mondknoten werden erst am 04.06.2020 um 14:09:52 UT in die Zeichen Zwillinge und Schütze wechseln. Die Sonne befindet sich gemeinsam mit dem Lagnesh Venus im 9. Bhava in Zwillinge. Als Herrscherin des 11. Bhava entsteht ein Dhana Yoga, das Gewinne und Wohlstand aus der Krise des 8. Bhava verspricht, das ebenfalls von Venus beherrscht wird. Die Knotenachse auf der Bhava-Achse 3/9 greift die Zeichenachse der Mondknoten unter verkehrten Vorzeichen auf.

Ketu im 3. Bhava gelang es bisher, durch die Nutzung des rationalen Verstandes ein sicheres Leben zu führen. Doch sobald dieses Wissen durch neue Informationen in Frage gestellt wird, reagieren die Menschen mit Abwehr. Der entstehende Zweifel hinsichtlich ihres Wissens kann eine Identitätskrise in Bezug auf ihr Wissen auslösen, lässt jedoch andererseits auch das Bewusstsein entstehen, dass sie trotz all ihres Lernens und Wissens eigentlich nichts wirklich wissen können.

Rahu im 9. Bhava erfordert ein neues Glaubenssystem, das auch jene Bereiche einbezieht, die mit dem rationalen Verstand nicht erfasst werden können. Der von Ketu erzeugte Zweifel am nicht mehr zeitgemäßen Wissen über die beste Lösung der Probleme zwingt letztendlich dazu, an etwas „Höheres“, universal Gültiges zu glauben, anstatt sich nur auf das „alte“ Wissen zu verlassen. Es entstehen neue Freiräume für die Erweckung der Intuition. Außerdem weist Rahu im 9. Bhava auf die Forderung hin, das von „Gelehrten“, zu denen nicht nur die Wissenschaft gehört, sondern auch das von Philosophen, Psychologen, Geistlichen und religiösen Führern vermittelte Wissen auf- und anzunehmen. Der Schlüssel liegt letztendlich darin zu erkennen und zu verstehen, dass obwohl wir niemals alles wissen und erfassen werden, wir dennoch im entscheidenden Moment unsere ureigene Aufgabe im Leben erfüllen können. Rahu im 9. Bhava fordert die Transzendierung des eigenen Verständnisses vom reinen Intellekt zur geistigen Sphäre der Intuition.

Mondknotenachse auf der Galaktischen Ebene

Die Mondknoten befinden sich auf der tropischen Zwillinge/Schütze-Achse in besonderen Sternkonstellationen: der aufsteigende Mondknoten Rahu im Nakshatra Ardra und der absteigende Mondknoten Ketu im Nakshatra Mula. Sie befinden sich in ihrem eigenen mental-emotionalen Herrschaftsbereich, wo sie zu größter Form auflaufen können. Der Hauptstern des Nakshatra Ardra ist der Fixstern Beteigeuze im Sternbild Orion, ein roter Riese, der in wenigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten in einer Supernova den Nachthimmel erleuchten könnte. Seit Oktober letzten Jahres nahm seine Helligkeit rapide ab, erreichte am 10. Februar einen bisherigen Tiefstand und nimmt seither wieder zu. → Beteigeuze wird wieder heller

Zuletzt erlebten wir das Zusammenfallen der Mondknotenachse mit der galaktischen Ebene im Winter 2001/02, als die Weltmacht USA nach den Anschlägen auf das World Trade Center dem islamistischen Terror den Kampf ansagte und sich die Welt in den christlich-jüdischen geprägten Okzident und den muslimisch geprägten Orient mit ihren jeweils eigenen Auffassungen von Gerechtigkeit und Wahrheit spaltete.

Heute kämpft die Welt nicht nur gegen ein unbekanntes Virus, sondern gleichzeitig gegen den jeweils anderen, von dem man glaubt, er könne sonst die eigene Existenz mit sich in den Abgrund ziehen. Wieder entstehen neue Fronten: einerseits zwischen den Vertretern der Wissenschaft in Gestalt der Virologen und Epidemiologen auf der einen Seite und den Landes- und Staatsführern auf der anderen, die sich wiederum in entweder freiheitlich-demokratischen oder in nationalistischen, zentralistischen oder diktatorischen Lösungsansätzen der Pandemie versuchen und eine weitere Frontlinie eröffnen. Es wird um den besten und richtigen, den vermeintlich „wahren“ Lösungsansatz gerungen. Dabei wirkt offenbar ein uraltes und unglaublich mächtiges Denkmuster der Menschheit: spalte und herrsche!

In ihren eigenen Nakshatra werden die Mondknoten allmächtig.  Sie erzeugen und wiederholen im Denken große psychologische Widerstände gegen ein ausgewogenes natürliches  Wachstum in der Zukunft. Die Unfähigkeit der Menschen, ihre alten Denkmuster aufzugeben offenbart ihre fehlende Kontrolle über das Geschehen. Sie sind dem Wirken der Schicksalsmächte in Gestalt der Mondknoten machtlos ausgeliefert und reagieren darauf hektisch bis panisch. Die Qualitäten der Zeichenherrscher Merkur und Jupiter  (die als Intelligenzplaneten das veränderliche Kreuz beherrschen) sind überaus wichtig für ein wahres Verständnis der Ardra/Mula-Achse

In dieser besonderen Zeit werden die Mondknoten das GZ erreichen. Solange sie sich noch auf dem ersten Steinbockgrad befanden, lagen sie auf dem Galaktischen Äquator, der Verbindung der Sonne mit dem Galaktischen Zentrum. Der mittlere Mondknoten wird das GZ am 28. Juli 2020 erreichen, der wahre Mondknoten am 21. August 2020.

Ketu in Schütze blickt auf eine Vergangenheit zurück, in der ein Gefühl der Sicherheit durch ein Glaubenssystem auf der Grundlage der Intuition erschaffen wurde. Rahu in Zwillinge will diesen Glauben überprüfen, um durch Versuch und Irrtum herauszufinden, was tatsächlich stimmt und was nicht. Oft führt dies zu Unentschlossenheit, wenn es um neue Erfahrungen geht, für deren Bewältigung auf keinen entsprechenden Erfahrungsschatz zurückgegriffen werden kann. Wichtig ist deshalb, die Intuition zu fokussieren und mit den eigenen Gedanken sinnvoll zu verbinden, so dass die Erkenntnisse verständlich erklärt und kommuniziert werden können.

Die Nähe zum Galaktischen Zentrum könnte dazu verleiten, sich das Wissen um die absolute universale Wahrheit anzumaßen und diese dem Volk, den Gläubigen oder Auserwählten zu verkünden. Wir alle sollten während des Mondknotentransits genau zuhören, wer welche Wahrheit verkündet, um die Probleme der Zeit zu lösen. Wir können selbst auf die Suche nach Wissen gehen, das verfügbare Wissen mit unseren eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen verbinden und erweitern, damit wir den vermeintlichen Wahrheits-Verkündern nicht unwissend ausgeliefert sind.

1 Swiss Ephemeris
2 Komilla Sutton: The Lunar Nodes

Lesetipp:
Das Königreich der Schlange

2 Gedanken zu „Die Mondknoten betreten die Denkachse ♊/♐

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