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♈ & Die Arbeiten des Herkules
Das Zeichen Widder ist der Anfang und das Ende des Zodiaks. Hier beginnt ein neuer Erfahrungszyklus: entweder die Heldenreise der menschlichen Seele, die sich in einen irdischen Körper inkarniert, oder die Rückkehr dieser Seele zu ihrem Ursprung (→ Moksha).
Auf der Ebene der Persönlichkeit prägt der exoterische Zeichenherrscher Mars das Zeichen Widder. Er betont die Impulskraft und das mutige und pionierhafte Vorwärtsdrängen. Sie drängt zum Handeln aus dem Affekt heraus. Ich denke nicht lange nach, sondern setze einen spontanen Impuls. In der Regel stößt diese oft richtungslose Mars-Energie jedoch auf Grenzen. Die anderen sind nicht immer begeistert von meinen Ideen und Impulsen. Sie fühlen sich zuweilen von der zupackenden und stürmischen Widder-Art überrumpelt und überfahren.
Es gilt für den Widder-Mars, die Waage-Qualitäten des Ausgleichs zu kultivieren und zu integrieren, um in seinen Handlungen das DU einzubeziehen und nicht nur das „ICH WILL“ als Maxime des eigenen Handelns zu sehen. Während dieses Integrationsprozesses beginnt sich der esoterische Zeichenherrscher Merkur allmählich bemerkbar zu machen. Das Denken wirkt zunehmend auf die Handlungsimpulse ein: Wir denken zuerst und handeln dann.
Das Denken und seine Bewusstwerdungsprozesse spielen folglich eine wichtige Rolle auf dem Entwicklungsweg des Zeichens Widder. Zum Beispiel, sich der Motive seiner Handlungen bewusst zu werden und sie im Denken zu reflektieren. Konflikte werden nicht mehr allein physisch mit Muskelkraft ausgetragen, sondern es wird unter dem Einfluss des esoterischen Herrschers Merkur versucht, durch Erkennen der grundlegenden Dualität des Menschen Harmonie (→ ♎) ins Leben zu bringen. Je mehr der Widder in der Lage
ist, sein feuriges Temperament und seine Impulsivität zu zügeln und das Denken zur Lösung von Konflikten zu nutzen, desto intensiver erlebt der seelisch erwachende Mensch die Klärung seines Bewusstseins, die ihn zur Umkehr, zur Neuausrichtung seines Lebensziels führt, um Befreiung zu erlangen. Am Ende dieses Weges sind die Gegensatzpaare der ♈/♎-Achse im Bewusstsein zu einer Einheit verschmolzen. Das ICH-Bewusstsein der Persönlichkeit verliert ihren Einfluss als lenkende Kraft und der hierarchische Herrscher Uranus verhilft dem spirituellen Bewusstsein zum Durchbruch: der Geistige Mensch ist erwacht.
Die Arbeiten des Herkules
(übertragen von Djwhal Khul, erläutert von Alice Bailey)
Die erste Arbeit
Das Einfangen der menschenfressenden Stuten
(Widder, 20. März – 20. April)
Der Mythos
Das erste große Tor stand weit offen. Aus dem Portal ertönte eine Stimme: «Herkules, mein Sohn, schreite voran. Geh ein durch das Tor und betritt den Pfad. Verrichte deine Aufgabe. Dann kehre zu mir zurück und berichte über die Tat.»
Mit Triumphgeschrei stürzte Herkules durch das Tor und rannte in übermütigem Vertrauen, sicher seiner Macht, durch die Säulen des Tores. So begann die erste Aufgabe und die erste seiner großen Diensthandlungen. Was sie erzählen, sind Lehren für die Menschensöhne, welche die Söhne Gottes sind.
Der Sohn des Mars, Diomedes, von feurigem Ruf, herrschte im Land hinter dem Tor und züchtete dort in den Sümpfen Kriegspferde und Stuten. Wild waren die Pferde und hitzig und alle Menschen zitterten, wenn sie diese hörten, denn sie verwüsteten das Land weit und breit. Sie richteten Großen Schaden an und töteten die Söhne der Menschen, die ihnen in den Weg kamen. Und ständig zeugten sie sehr wilde, böse Pferde.
«Fange diese Stuten und mach‘ diesen bösen Taten ein Ende», war der Befehl, der die Ohren des Herkules erreichte. «Geh‘ und rette das weite Land und die darin wohnen.»
«Abderis,» schrie Herkules, «komm, hilf mir bei dieser Aufgabe!» So rief Herkules den Freund, den er sehr liebte und der ihm überallhin folgte, von Ort zu Ort. Und Abderis kam, nahm seinen Platz neben dem Freund ein und stellt sich mit ihm der Aufgabe. Nach sorgfältiger Planung folgten die beiden den Pferden, die über die Wiesen und Sümpfe des Landes schweiften. Schließlich trieb Herkules die wilden Stuten auf einem Feld zusammen wo sie nicht weiterkonnten und hier fing und fesselte er sie. Er jubelte vor Freude über den Erfolg. So groß war sein Entzücken über seine eigene Tapferkeit, dass er es unter seiner Würde hielt, die Stuten selbst zu halten oder sie auf den Weg zu Diomedes zu treiben. Er rief den Freund und sagte: «Abderis, komm her und treibe diese Pferde durch das Tor.» Dann wandte er sich um und schritt voll Stolz von dannen.
Aber Abderis war schwach und fürchtete die Aufgabe. Er konnte die Stuten nicht halten, noch sie anschirren oder in den Fußstapfen seines Freundes durch das Tor treiben. Die Pferde wandten sich gegen ihn, zerrissen ihn und zertraten ihn unter ihren Hufen; sie töteten ihn und entkamen in die wilderen Ländereien des Diomedes.
Weiser, doch gram zerstört, gedemütigt und entmutigt, kehrte Herkules zu seiner Aufgabe zurück. Wieder machte er sich auf die Suche nach den Stuten, von Ort zu Ort. Den Freund ließ er liegen. Und wieder fing er die Pferde und trieb sie selber durch das Tor. Aber Abderis lag tot.
Der Lehrer musterte ihn besorgt und schickte die Pferde nach dem Ort des Friedens, wo sie für ihre Aufgaben gezähmt und abgerichtet wurden. Das Volk des Landes, von der Furcht befreit, hieß den Befreier willkommen und proklamierte Herkules als den Retter des Landes. Doch Abderis lag tot.
Der Lehrer wandte sich zu Herkules und sagte: «Die erste Aufgabe ist beendet, sie ist erfüllt, doch schlecht erfüllt. Lerne die wahre Lektion dieser Aufgabe und dann schreite voran, deinen Mitmenschen zu dienen. Geh‘ hinaus in das Land, das vom zweiten Tor behütet ist. Finde den geweihten Stier und bringe ihn zum Heiligen Ort.»
DER TIBETER.
Die Deutung der Sage
Indem wir diese astrologisch symbolische Erzählung mit dem täglichen Leben und den Aufgaben moderner Jüngerschaft in Beziehung bringen, wollen wir die Geschichte von der Aufgabe, die Herkules unternahm und der Prüfung, der ihn König Eurystheus unterwarf, erzählen. Dann werden wir die Bedeutung des Zeichens studieren, in dem sie stattfand, denn es besteht eine enge Verbindung zwischen den beiden und die Arbeit wurde nur möglich durch charakteristische Eigenschaften, die Herkules in diesem besonderen Zeichen verliehen waren. In jedem Zeichen wird der Mensch, der darin geprüft wird, dem Einfluss bestimmter, spezifischer Kräfte unterworfen und mit bestimmten Tendenzen ausgestattet. Diese müssen wir verstehen, wenn der Sinn der Prüfung klarwerden soll.
Verbunden mit jedem Zeichen des Zodiak finden sich drei weitere Konstellationen, die symbolisch und oft in höchst erstaunlicherweise die Probleme des Jüngers verkörpern und auf die Lösung hinweisen. Diese müssen wir uns zunächst ansehen, denn die Aufgabe, das Zeichen und die damit verbundenen Konstellationen mitsamt den Kräften, die durch ihre Verbindung frei werden, bilden eine komplette Geschichte voll lehrreicher Elemente. Ich möchte deshalb hier um der Klarheit willen darauf hinweisen, dass die Konstellationen den dreifältigen Geistesaspekt symbolisieren: dass das Zeichen uns das Tätigkeitsfeld der Seele anzeigt und die Aufgabe die Arbeit des Jüngers veranschaulicht, der in seinem physischen Dasein auf dem Kampfplatz der Welt seine innewohnende Göttlichkeit und die latent in ihm vorhandenen Kräfte zu demonstrieren sucht. In diesen drei haben wir Geist, Seele und Körper zusammengefasst. Leben, Bewusstsein und Form begegnen sich in Herkules, dem persönlichen Selbst, das unter dem Einfluss der Seele, dem innewohnenden Christus handelnd die Absicht des Geistes, des Vaters im Himmel, ausführt. Wir werden als nächstes die Beziehung des Zeichens zu den Konstellationen betrachten und jedes Kapitel mit einer bestimmten Nutzanwendung der Geschichte der Prüfung auf das Leben eines Jüngers und das der Menschheit als Ganzes schließen.
Beim Studium der zwölf Arbeiten folgen wir der Laufbahn des Herkules rund um den Zodiak vom Zeichen Widder, dem Zeichen des Beginns, über Stier, Zwillinge und so fort, dem Uhrzeiger entgegen, bis zu den Fischen, dem Zeichen des Todes und der Vollendung. Das ist in entgegengesetzter Weise zum scheinbaren Weg der Sonne in Uhrzeigerrichtung, der im Widder beginnt und dann rückwärts durch die Zeichen zu gehen scheint, zu den Fischen, durch Wassermann und alle dazwischenliegenden Zeichen wieder zurück zu Widder. Der Mensch, welcher der Form verhaftet ist, folgt notwendigerweise dem Pfad der Illusion und des Scheins. Aber Herkules, die Seele, folgt dem wahren Weg, dreht (bildlich gesprochen) das gewöhnliche Verfahren um und geht gegen den Strom. Herkules, die erwachte Seele, erkennt den Tag der Gelegenheit. Er hat seine Instruktion erhalten, die zwölf Aufgaben zu unternehmen und stellt seine Fähigkeiten unter Beweis. Es war ihm versprochen, er werde, falls er die Voraussetzungen erfülle, in das Reich der Götter eingehen. Er ist mit allen göttlichen Kräften ausgestattet, obwohl er sie bis jetzt noch nicht zu nützen weiß, er hat sich selbst eine Keule zurechtgehauen und mit dieser besteigt er symbolisch das Kreuz, das fixe Kreuz der Himmel, auf dem er im Geist bleibt, bis die letzte Aufgabe erfüllt ist.
So tritt er zu seiner ersten Arbeit an, ist sich der Größe seiner Aufgabe kaum bewusst und auf einen Fehlschlag nicht vorbereitet. Das reizvolle an der Geschichte des Herkules ist seine Impulsivität und die Tatsache, dass er nicht immer erfolgreich war. Zuweilen hat er versagt und musste die Arbeit wiederholen, bis seine Mühen von Erfolg gekrönt waren.
Es wird ihm gesagt, Diomedes, der Sohn des Kriegsgottes Mars, besitze eine große Anzahl Zuchtstuten. Das waren wilde Pferde, die frei herumliefen, das Land verwüsteten, großen Schaden anrichteten und sich vom Fleisch menschlicher Wesen ernährten. Niemand war vor ihnen sicher und in der ganzen Gegend herrschten Angst und Schrecken. Außerdem brachten diese Stuten eine große Anzahl Kriegsrosse zur Welt und Diomedes war um den Ausgang der Situation sehr besorgt. Eurystheus, der König, befahl Herkules, die Tiere zu fangen. Viele Versuche waren schon unternommen worden, aber immer waren sie entkommen, nachdem sie Pferde und Menschen getötet hatten, die man ihnen entgegengeschickt hatte. Nachdem es aber Herkules gelungen war, die Stuten zu fangen, gab er sie dem Abderis zu halten, während er selbst davonstolzierte und die Stärke und Wildheit der Pferde nicht bedachte. Ehe er es verhindern konnte wandten sich die Pferde gegen Abderis, trampelten ihn zu Tode und entkamen, um erneut das Land zu verwüsten. So musste er die Arbeit von neuem beginnen und nach anstrengenden Mühen gelang es ihm, die Stuten wieder einzufangen. Diese erste Arbeit beginnt daher mit einem teilweisen Fehlschlag, wie es so oft mit unerfahrenen und ungestümen Aspiranten der Fall ist. Das ist die Erzählung – kurz, dramatisch und ermutigend. Was ist nun mit dem Zeichen, in dem sie unternommen wurde?
Das Zeichen
Vom Zeichen Widder, welches das erste Tätigkeitsfeld war, wird immer als vom ersten Zeichen des Zodiak gesprochen. In diesem Zeichen beginnt das große Rad seine zyklische Runde und deshalb ist es das Zeichen des Beginns. Kosmisch ist es das Zeichen der Schöpfung und dieser Gedanke liegt den Worten der Bibel zugrunde: «Alle Erdenbewohner werden es anbeten, deren Namen seit Anbeginn der Welt nicht geschrieben stehen im Lebensbuch des Lammes, das geopfert ist.» (Offenbarung XIII, 8) Denn dieses Zeichen wird das Zeichen des Widders oder Lammes genannt. Im Leben des menschlichen Wesens kennzeichnet es den Anfang des ersten, subjektiven, latenten Bewusstseins der Existenz und seinen Beginn auf dem Kreis der Erfahrung. Im Leben des Jüngerschaftsaspiranten deutet es die Periode der Neuorientierung und einer neuen, selbst-bewussten Bemühung an, gleichzeitig seinen Start zum letzten Stadium des evolutionären Pfads, der ihn aus dem menschlichen Reich hinaustragen wird und ihn befähigt, den Übergang in das Reich der Götter zu machen. So war die Verheißung, die Herkules gegeben wurde und das ist die Belohnung, die alle Jünger erwartet. Diese erste Aufgabe kennzeichnet den ersten Schritt auf dem «Pfad der Entrückung.»
Widder ist das Zeichen der hinausgehenden Macht, der von der zentralen Gottheit, Gott, oder von einem menschlichen Wesen, einem Sohn Gottes ausströmenden göttlichen Energie. Die Energie strömt in zwei Richtungen aus, (so wird der Punkt zur Linie, der Eine wird der Erste): sie strömt in die Welt der Formen und auch in die Welt des Seins oder Geistes. Ein Strom der Energie drückt sich durch den Pfad der Rückkehr aus, des nach Innengehens und beide zusammen bilden die zwei großen Kreisbogen des Daseins. In diesem Zeichen beginnt der Pfad auf dem die Form angenommen wird und vorherrscht; gleicherweise beginnt in ihm das Leben der inneren Entfaltung und der Beherrschung durch die Seele oder des subjektiven Seins. Neuorientierung, Neuorganisation, Neupolarisation und Regeneration sind die Kennzeichen dieses Stadiums und alle sind Ausdruck der gleichen Lebenskraft. Die beiden Anwendungsweisen dieser Kraft hängen von der mentalen Aufmerksamkeit des Wesens ab, ob göttlich oder menschlich, das sie benützt. Es ist dieselbe Kraft, aber auf zwei verschiedene Arten genutzt und davon abhängig, ob der göttliche Benutzer seine Aufmerksamkeit auf das Formnehmen konzentriert hat oder auf das Betreten des Pfades der Befreiung von der Form.
Seit Äonen ist diese Lebenskraft zu selbstsüchtigen Zwecken benutzt worden, zu Selbstgenuss und zur Befriedigung von Begierde. Nach und nach verliert das Formleben seine Anziehungskraft, bis nach unzähligen Runden des Zodiak Rades sich der Mensch wieder im Widder findet, nur diesmal mit einem neuen Brennpunkt, einem neuorientierten Interesse und einer anderen Vision. Vor ihm steht die Verheißung, dass er nach Erreichen bestimmter Ziele von der Wiedergeburt frei werden und das Reich Gottes erlangen kann; er hat durch Erfahrung manches von seiner eigenen essentiellen Dualität erkannt und sehnt sich danach, die Befriedigungswünsche des niederen Aspekts dieser Dualität zu beenden und die Anforderungen des höheren zu erfüllen. Er fängt an, auf die Impulse zu reagieren, die aus der Welt der Seelen kommen und Gruppenziele und Gruppenabsichten zu erkennen. Nun muss er lernen, die Lebenskraft für selbstlose Zwecke anzuwenden und nicht für die Befriedigung seiner persönlichen Habgier.
Die drei Anfangsimpulse im Widder
Das hervorstechende Merkmal dieses Zeichens ist ein dreifacher Impuls. Da ist zunächst, wie wir gesehen haben, der Impuls etwas zu beginnen. Das kann sich als der einfache Drang ausdrücken, Form anzunehmen, in Materie verstrickt zu werden, oder es kann sich im umgekehrten Vorgang in den Drang konzentrieren, Befreiung von der Form zu erlangen und im Hervortreten der Seele aus dem Gefängnis der Formnatur. Diesem letzteren folgt dann der daraus resultierende schöpferische Drang, jene Tätigkeit der Gottheit, die in der Bildung von Ausdruckswelten resultiert und seinen Wunsch befriedigt, in einem Sonnensystem zu inkarnieren und den großen Lebenszyklus des Universums zu beginnen. Es kann ebenso der Drang zu individueller Schöpfung sein, dem der Seele, einen Körper anzunehmen oder dem eines menschlichen Wesens, etwas zu schaffen, was sein spezifisch Eigenes sein soll. In den alten Tagen von Arkadien wurde der Widder das Zeichen genannt, «worin das Opfer der Rechtschaffenheit dargebracht wird», oder das Zeichen der «gefallenen Engel». Die Söhne Gottes, getrieben durch diesen Urimpuls, fielen aus ihrer Höhe, nahmen Form an und begannen einzeln eine Runde nach der anderen um den Zodiak.
Drittens finden wir den Drang zur Auferstehung. Im Widder, der Zeuge des Beginns des Formlebens war, der das schöpferische Werk einleitete, beginnt sich der Drang zur Freiheit von der Form fühlbar zu machen, den Stein vom Grab der Seele zu wälzen und in der Freiheit der Söhne Gottes zu stehen. Im Widder findet sich der Impuls, der zur Bildung derjenigen Form führt, die während langer Zeitalter das Gefängnis der Seele bilden wird. Dieser Prozess erreicht seine Massenform im Krebs und seine individuell menschliche im Löwen; zum dichtesten Punkt der Illusion in der Form kommt es im Skorpion und in den Fischen stirbt dann die Form, nur um in der ermüdenden Runde der Formerfahrung erneut gebildet zu werden. Aber in diesem Zeichen wird der «Weg der Erfahrung» erstmals gefühlt und das Bilden des geistigen Körpers begonnen. Das ist das Zeichen der keimenden geistigen Tätigkeit, die später zur «Geburt des Christuskindes» im Zeichen Jungfrau, bis zu der des Welterlösers im Steinbock und in den Fischen führt. Physischer Beginn und geistiger Beginn, physische Schöpfung und geistige Schöpfung, physisches Hervortreten und geistige Befreiung: das sind die einleitenden Impulse, die im Widder erfühlt werden.
Es ist deshalb das Zeichen starker, machtvoller Impulse, heftiger Schwankungen und übertriebener Anstrengungen; häufig ein Zeichen des Versagens, letztlich aber immer des Erfolges. Im gegenüberliegenden Zeichen Waage erreicht dieses Zeichen dann seine Vollendung des Ausgleichs und Gleichgewichts, denn die dazwischenliegenden Erfahrungen und gelernten Lektionen der fünf mittleren Aufgaben bringen diese Ausgeglichenheit zustande, die wir bei Herkules sehen, wenn er in der Waage den Eber fängt.
Im brahmanischen Zodiak herrscht Vishnu über Widder, und Vishnu ist die zweite Person der Hindu-Trinität, oder der kosmische Christus in Inkarnation, wenn er den Prozess des Formnehmens einleitet und schließlich die Endepisode der Auferstehung vollbringt. So verkörpert Vishnu oder Christus die zwei Impulse: den Impuls zu schaffen und Form zu bilden, und den Impuls zur Befreiung oder Auferstehung aus der Form. Unter diesem Impuls zur Befreiung beginnt Herkules seine Arbeiten.
Das Zeichen des Denkvermögens
Widder beherrscht den Kopf. Er ist daher das Zeichen des Denkers und infolgedessen ein machtvoll mentales Zeichen. Alles Beginnen hat seinen Ursprung auf der mentalen Ebene und im Denken des Erschaffenden, ob es Gott ist oder die Seele des Menschen. Das Universum hat seinen Ursprung im Denken Gottes, des kosmischen Denkers. Die Seele beginnt ihre Laufbahn in der Materie durch denselben Denkprozess. Die menschliche Familie, das vierte Naturreich, kam ins Dasein als das Denkvermögen entstand und den Menschen vom Tier unterschied. Der Aspirant beginnt seine Aufgaben, wenn er wahrhaft ein Denker wird und in vollem Bewusstsein als der Schiedsrichter seines eigenen Schicksals zu funktionieren anfängt. …
Es ist daher offensichtlich, dass im Widder richtige Richtung und Orientierung ihren Anfang nehmen und Herkules, der neuerdings denkende Jünger, mit seiner Arbeit beginnt. Der Schlüssel zu dieser Arbeit und die Bedeutung des Zeichens sind in den Worten einer uralten indischen Schrift zu finden: «Der Mensch kennt den Weg zu den himmlischen Welten nicht genau, aber das Pferd weiß ihn.» In den Urtagen Indiens war das Pferdeopfer mit dem Sonnengott verknüpft und es wird uns erzählt, dass bei den vedischen Ariern der Sonnengott als das zodiakale Pferd Jahr für Jahr sterben musste, um alles Fleisch zu retten. Der Sonnenwagen des Apollon wird beschrieben als von Pferden gezogen und das «fürstliche Zeichen des Widders ist eng verknüpft mit der Pferdesymbologie, eine Tatsache, die uns die erste Aufgabe beweist.
In Büchern über Symbologie ist nachzulesen, dass das Pferd für intellektuelle Tätigkeit steht. Das weiße Pferd symbolisiert das erleuchtete Denken des geistigen Menschen und so finden wir auch, dass im Buch der Offenbarungen Christus auf einem weißen Pferd reitend wiederkommt. Schwarze Pferde repräsentieren das niedere Denken mit seinen falschen Ideen und irrenden menschlichen Begriffen. Die Zuchtstuten, wie wir sie in dieser ersten Aufgabe antreffen, weisen auf den weiblichen Aspekt des Denkens hin, wie er Ideen, Theorien und Begriffe gebiert. Die Neigung des Denkens, Gedankenformen zu bilden, wird hier symbolisiert, wie sie die empfangenen Ideen in Formen kleidet die auf die Welt losgelassen werden und, wenn sie aus dem niederen Denken ausströmen, verwüstend und zerstörend wirken, aber aufbauend und erlösend, wenn sie von der Seele kommen.
Der exoterische Regent des Zeichens ist Mars, der Kriegsgott und so nimmt
Herkules, indem er unter rechter Denkrichtung handelnd seine Arbeit auf der Mentalebene beginnt, seinen Stand als der Krieger ein. Sein hervorragendes Merkmal unter diesem Zeichen ist der wegbereitende, streitbare Geist. Die Stuten waren im Besitz des Diomedes, des Sohnes des Mars. Aber der esoterische Regent ist Merkur, der «das Denken erleuchtet und zwischen Seele und Persönlichkeit vermittelt.»
Konstellationen im Widder
Wie gewöhnlich stehen drei Konstellationen zu Widder in Beziehung. Erstens Cassiopeia, die Königin auf dem Thron, immer das Symbol der Materie. Es ist sehr interessant zu sehen, wie wir im Kreis des Zodiak auf drei Frauen stoßen. In Verbindung mit Widder, dem Zeichen des Beginns, ist Cassiopeia die beherrschende Frau. Materie herrscht. Die Form betört. In der Mitte, im Zeichen Jungfrau, finden wir Mutter und Kind und, wie wir später sehen, ist die Mutter-Materie die Ernährerin des Kindes (des Sohnes, Christus) die Jungfrau Maria bringt Jesus zur Welt. In den Fischen, am Ende der großen Runde, finden wir Andromeda, die gefesselte Frau. Erst die Frau auf dem Thron und beherrschend, dann die Frau das Kind betreuend, den Christus, und dann die Frau, welche die nun beherrschte und kontrollierte Materie repräsentiert. Cassiopeia finden wir auf dem arktischen Zirkel dicht neben Cepheus sitzend, dem König oder Gesetzgeber, den wir später als eine der drei Konstellationen in den Fischen antreffen. Am Anfang Gesetz und am Ende Gesetz; denn Cepheus hat eine enge Beziehung zum ersten und zum letzten Zeichen des Zodiak. Es ist interessant zu beachten, dass Mohammed, der Gründer der militantesten Religion, in diesem Zeichen geboren wurde und die Legende sagt, dass auch Moses in ihm geboren war; Moses der Gesetzgeber und Mohammed der Krieger!
Wenn Herkules seine Aufgabe beginnt besteht das Problem für ihn darin, die Macht über Materie und Form zu demonstrieren und so muss er von Anfang an Cassiopeia erkennen, die bis dahin die Königin auf dem Thron war.
Die zweite Konstellation ist Cetus, das Seeungeheuer, «der Feind der kleinen Fische». … Eines der größten Symbole der Seele ist der Fisch, der im Ozean der Materie schwimmt, und Cetus, das Seeungeheuer, ist das Symbol dessen, was wir böse nennen, was die Seele in Inkarnation zu verderben droht. Das Seeungeheuer im Ozean der Existenz und die Königin auf dem Thron sprachen zu Herkules vom Ausmaß seiner Problematik, aber die dritte Konstellation sprach zu ihm vom Sieg. Perseus ist die dritte der drei Konstellationen. Im Zodiak von Denderah in Ägypten wird er «der eine, der unterjocht, bezwingt» genannt und manchmal auch «der Zerstörer», derjenige, der die Königin auf dem Thron fesseln und das Ungeheuer besiegen kann. Es wird uns erzählt, dass Perseus den Helm besaß, der unsichtbar macht, den Schild der Weisheit, die Sandalen der Schnelligkeit und das Schwert des Geistes. So sah sich Herkules in den Himmeln widergespiegelt und als er auszog, die menschenfressenden Stuten zu fangen, erkannte er in sich selbst die Garantie für die schließlich Vollendung des Werkes, obgleich die Schwierigkeiten, denen er zu dieser Zeit gegenüberstand, unüberwindlich schienen.
Die Schwierigkeit der Prüfung
Die Unterwerfung der Materie und die Überwindung der Illusion ragten drohend vor Herkules auf und deuteten vom Anfang seiner zwölf Aufgaben an auf die Art des endgültig zu erreichenden hin. Es heißt, dass der Grundton des Zeichens Widder die Hoffnung ist und als Herkules vor seinen Aufgaben stand war Hoffnung seine einzige Garantie, das Ziel zu erreichen. Hoffnung, seine unerprobte göttliche Ausrüstung, seine Keule und viel Enthusiasmus: so beginnen alle Jünger.
Der Sinn der Aufgabe ist jetzt sicherlich klar. Herkules musste in der Welt der Gedanken beginnen um die mentale Kontrolle zu gewinnen. Durch die Jahrhunderte hatten die Zuchtstuten der Gedanken Kriegsrosse geboren und durch falsches Denken, falsches Reden und irrige Ideen die Gegend verwüstet. Eine der ersten Lektionen, die jeder Anfänger lernen muss, ist die ungeheure Macht, die er mental handhabt und das Ausmaß des Unheils, das er in seiner Umgebung und Nachbarschaft durch die Zuchtstuten seiner Gedanken verursachen kann. Er muss deshalb den rechten Gebrauch seines Denkvermögens lernen und als erstes diesen weiblichen Aspekt seines Denkens gefangen nehmen und darauf achten, dass nie mehr Kriegsrosse geboren werden. Jeder angehende Herkules kann leicht erkennen, dass er diese zerstörerischen Zuchtstuten besitzt, wenn er während eines ganzen Tages aufmerksam auf seine Gedanken achtet und auf die Worte, die er spricht, die immer das Resultat von Gedanken sind. Er wird sehr rasch merken, dass Selbstsucht, Lieblosigkeit, Geschwätzigkeit und Kritik einen großen Teil seines Gedankengutes bilden und dass die Zuchtstuten seines Denkens ständig von Selbstsucht und Illusion befruchtet werden. Statt dass diese Zuchtstuten Ideen und Entwürfe gebären, die ihren Ursprung im Reich der Seele haben und aus dem geistigen Reich befruchtet sind, sind sie die Erzeuger von Irrtum, Falschheit und Grausamkeit, die ihren Ursprung im niederen Aspekt der menschlichen Natur haben.
Herkules erkannte das Unheil, das die Zuchtstuten anrichteten. Mutig eilte er zur Rettung seiner Umgebung. Er beschloss, die Zuchtstuten zu fangen, aber er überschätzte sich. Es gelang ihm, sie in die Enge zu treiben und einzufangen, aber er unterschätzte ihre Macht und Stärke und übergab sie Abderis, dem Symbol des niederen Selbst, sie festzuhalten. Aber es bedurfte sowohl des Herkules, der Seele, als auch des Abderis, der Persönlichkeit, um diese Verheerung anrichtenden Pferde zu bewachen. Abderis allein war nicht stark genug und ihm geschah, was den Leuten der Umgebung passiert war: sie töteten ihn. Das ist ein Beispiel vom Wirken des großen Gesetzes, dass wir in unserer eigenen Natur den Preis für falsch gesprochene Worte und falsch beurteilte Handlungen bezahlen müssen. Wieder musste sich die Seele in der Person des Herkules mit dem Problem falschen Denkens befassen und erst als er im Schützen zu einem zielbewussten Aspiranten wurde und in diesem Zeichen die menschenfressenden Vögel tötete, erreichte er die vollkommene Kontrolle über die Denkvorgänge seiner Natur.
Die praktische Bedeutung der Macht der Gedanken kommt in den Worten Thackerays zum Ausdruck:
«Säe einen Gedanken und ernte eine Tat.
Säe eine Tat und ernte eine Gewohnheit.
Säe eine Gewohnheit und ernte einen Charakter.
Säe einen Charakter und ernte ein Schicksal.»
Die beiden Schlüsselworte des Zeichens Widder sind:
[Aus «Esoterische Astrologie», Bd. III: «Eine Abhandlung über die Sieben Strahlen».]
Und das Wort sprach: Lass erneut Form gesucht werden.» (Der Mensch)
«Ich trete hervor und von der Ebene des Denkens herrsche Ich.»
(Der Eingeweihte)
Literatur:
Louise Huber: Die Tierkreiszeichen – Reflexionen Meditationen. API-Verlag
Louise Huber: Tierkreis-Meditationen Widder (Audio) Ebertin / Bauer Verlag
Gunda Scholdt: Praxisbuch der Esoterischen Astrologie. Ebertin-Verlag → Geistiges Schulungszentrum
Alice Bailey: Esoterische Astrologie. Lucis Trust
Alice Bailey: Die Arbeiten des Herkules. Lucis Trust
Wolfgang J. Denzinger: Die zwölf Arbeiten des Herakles. Kailash Hugendubel
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