- Stier-Ingress 20.04.2026
- Stier-Vollmondphase 30.04.2026
- Stier-Vollmond 01.05.2026
- Stier-Neumond 16.05.2026
♉ & Die Arbeiten des Herkules


Das Symbol für das Tierkreiszeichen Stier zeigt einen geschlossenen Kreis mit einer halbrunden, nach oben geöffneten Schale. Die Schale nimmt Dinge von außen auf, seien sie materieller oder immaterieller Natur. Der geschlossene Kreis bewahrt das Aufgenommene sicher im Inneren.

Das Zeichen Stier hängt eng mit der Wunschnatur des Menschen zusammen. Er ist zunächst auf Empfangen und Besitzen eingestellt, mit dem exoterischen Zeichenherrscher Venus vor allem auf materiellen Genuss und die schönen Seiten des Lebens.

Ist diese Haltung zu einseitig geworden, werden automatisch die ausgleichenden Gegenkräfte des gegenüberliegenden Zeichens Skorpion aktiv. Diese Gegenkräfte erlebt der Stier zunächst als massiven Angriff auf seine Beharrungstendenzen. Je mehr das Zeichen Stier dickköpfig festhält, umso mehr zwingt ihn das Zeichen Skorpion zum Loslassen, zur Überwindung der Ängste vor Verlust.
Hier wird verständlich, warum der Buddhismus wie auch die Esoterische Astrologie nach Alice A. Bailey das Zeichen Stier mit Buddha in Verbindung bringt. Buddha lehrt, sich nicht länger mit der Welt materieller Erscheinungen zu identifizieren und zu erkennen, dass Besitz und irdische Existenz nicht die allumfassende Wahrheit sind. Erleuchtung bringt das Nicht-Anhaften. Eine große Herausforderung für den Stier, weshalb die Besitzachse Stier/Skorpion schon immer mit intensiven Kämpfen um das Haben und Nicht-Haben verbunden war.
Buddha bewegte sich auf dem geistigen Entwicklungsweg des Stieres. Er kam als Prinz auf die Welt, dem alles an materiellen Werten und Genuss zugänglich war, das man sich nur wünschen konnte, und der von allem weltlichen Leiden abgeschirmt wurde. Nachdem er dennoch mit dem Leid in der Welt konfrontiert wurde, erkannte er die Sinnlosigkeit seines Lebens. Er entsagte diesem Leben in materieller Sicherheit und Annehmlichkeit und wandte sich der Askese zu im Glauben, dort Befreiung vom Leiden zu finden. Die Erleuchtung kam ihm jedoch erst, als er erkannte, dass weder das Begehren nach materiellem Überfluss noch das Begehren nach einem Leben in Askese ihn befreien konnte, sondern dass nur der „mittlere Weg“ des Nicht-Wünschens und des Nicht-Begehrens zur Befreiung von den Fesseln der Materie und des damit verbundenen Leidens führt.

Vulkan
Der esoterische und gleichzeitig hierarchische Herrscher Vulkan verlagert allmählich den Schwerpunkt des Bewusstseins von der Welt der Formen zur Herrschaft grenzenloser Liebe. Wenn das Gegensatzpaar Stier/Skorpion am Ende des Weges im menschlichen Bewusstsein zu einer Einheit verschmolzen ist, wenn die Wunsch-Natur überwunden wurde und der Mensch „frei von Begierde“ wirken kann, können wir von einem wahrhaft erleuchteten, erwachten Bewusstsein sprechen. Buddha heißt „der Erwachte“.
Die esoterische Astrologie ordnet dem Zeichen Stier die Qualität des 4. Strahls zu, der Harmonie durch Konflikt erzeugen kann. Der 4. Strahl hängt mit dem „messerscharfen Pfad“ zusammen, der zum Ziel, zur Befreiung führen kann, aber auch ins „Verderben“. Es ist nicht leicht, diesen Weg des Stieres zu gehen. Im Gegenteil, er ist bis heute eine der größten Herausforderungen der Menschheit.
Der Stier-Vollmond wird in der buddhistischen Welt als Wesak oder Vesakh-Fest gefeiert. Es erinnert an die Geburt, die Erleuchtung (Nirwana oder Moksha) und das vollkommene Verlöschen (Parinirvana) des Buddha Siddhartha Gautama und damit seinen Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara).
Esoterischer Saatgedanke:
„Ich sehe, und wenn das Auge geöffnet ist, ist alles erleuchtet.“
Literatur:
Louise Huber: Die Tierkreiszeichen – Refelexionen Meditationen. API-Verlag
Louise Huber: Tierkreis-Meditationen – Stier (Audio) Ebertin / Bauer Verlag
Gunda Scholdt: Praxisbuch der Esoterischen Astrologie → Geistiges Schulungszentrum
Alice Bailey: Esoterische Astrologie. Lucis
Die Arbeiten des Herkules
Übertragen von Djwhal Khul, erläutert von Alice Bailey
Die zweite Arbeit
Gefangennahme des Kretischen Stiers
(Stier: 20. April – 20. Mai)
Er, der den Vorsitz führt, sprach zum Lehrer des Menschen, dessen Licht hervorleuchtete unter den Menschensöhnen, welche die Söhne Gottes sind:
«Wo ist der Mensch, der mächtig vor den Göttern stand, ihre Gaben empfing und durch das weit offene Tor trat, um an seiner Aufgabe zu arbeiten?»
«Er ruht, o Großer, und denkt über sein Versagen nach. Er trauert um Abderis und sucht nach Hilfe in sich selbst.»
«Es ist gut. Die Gaben des Fehlschlags garantieren den Erfolg, wenn richtig verstanden. Lass‘ ihn sich nochmals mühen, durch das zweite Tor gehen und rasch zurückkehren.»
Das zweite Tor stand weit offen und aus dem Licht, das die entfernte Szenerie verschleierte, erklang eine Stimme: «Geh‘ durch das Tor, schreite fort auf dem Weg. Verrichte deine Arbeit, dann kehr‘ zu mir zurück und berichte über dein Tun.»
Allein und traurig, sich seiner Not bewusst und müde vom tiefen Schmerz, ging Herkules langsam durch die Säulen des Tors in das Licht, das dort strahlt wo der heilige Stier steht. Am Horizont erhob sich die schöne Insel, wo der Stier weilte und kühne Männer das weite Labyrinth betreten konnten, das sie in die Verwirrung lockt – den Irrgarten des Minos, Königs von Kreta, des Hüters des Stieres.
Den Ozean überquerend, nach der sonnigen Insel, (wiewohl uns nicht erklärt wird, wie) begann Herkules seine Aufgabe, den Stier zu suchen, ihn zu finden und zu dem heiligen Ort zu führen, wo die einäugigen Menschen wohnen. Von Ort zu Ort verfolgte er den Stier, geführt von einem schimmernden Stern, der auf der Stirn des Tieres glänzte, strahlende Leuchte an dunklem Ort. Dies Licht, das mit dem Stier sich bewegte, führte ihn von Ort zu Ort.
Allein suchte er den Stier, allein verfolgte er ihn zu seinem Lager, allein fing er ihn ein und stieg auf seinen Rücken. Um ihn standen der Schwestern sieben, die ihn auf seinem Weg weitertrieben, und in dem strahlenden Licht ritt er den Stier über das schimmernde Wasser, von der Insel Kreta bis zu dem Land, wo drei der Kyklopen wohnten.
Diese drei großen Söhne Gottes erwarteten seine Rückkehr und beobachteten sein Näherkommen durch die Wellen. Er ritt den Stier, als wäre er ein Pferd, und mit den singenden Schwestern näherte er sich dem Land.
«Er kommt mit Kraft», sagte Brontes und ging ihm zum Strand entgegen.
«Er reitet im Licht,» sagte Steropes, «sein inneres Licht wird heller werden,» dann fachte er das Licht zu plötzlicher Flamme.
«Er kommt mit Eile,» sagte Arges, «er reitet durch die Wellen.»
Herkules kam näher, er drängte den heiligen Stier auf dem WEG, indem er das Licht auf die Spur richtete, die von Kreta bis zum Tempel des Herrn in der Stadt der einäugigen Männer führte. Auf dem Festland, wo die Wellen enden, standen diese drei Männer, packten den Stier und nahmen ihn Herkules fort.
«Was hast du da?» sagte Brontes und hielt Herkules auf dem WEG fest.
«Den heiligen Stier, o Anbetungswürdiger.»
«Wer bist du? Sag‘ uns jetzt deinen Namen,» sagte Steropes.
«Ich bin der Sohn der Hera, ein Menschensohn und doch ein Sohn Gottes. Ich habe meine Aufgabe erfüllt. Bringt nun den Stier an den heiligen Ort und rettet ihn vor drohendem Tod. Minos wünscht ihn zu opfern.»
«Wer hat dir aufgetragen, den Stier zu suchen und zu retten?» sagte Arges und wandte sich nach dem heiligen Ort.
«In mir selbst fühlt‘ ich den Drang und suchte meinen Lehrer. Mit Auftrag des großen Vorsitzenden schickte er mich auf den Weg, wo ich nach langer Suche und großer Plage den Stier dann fand, vermittels seines heiligen Lichts und ritt ihn durch sich teilende Wogen hierher an diesen heiligen Ort.»
«Geh‘ nun in Frieden, mein Sohn, dein Werk ist getan.»
Der Lehrer sah ihn kommen und ging ihm entgegen auf dem WEG. Über die Wasser kamen die Stimmen der Schwestern sieben. Sie umsangen den Stier und näher noch der Gesang der einäugigen Männer im Tempel des Herrn, hoch in dem heiligen Ort.
«Du kommst mit leeren Händen, o Herkules,» sprach der Lehrer.
«Meine Hände sind leer, denn ich habe die Aufgabe erfüllt, die mir zu bestimmt gewesen. Der heilige Stier ist gerettet, ist sicher bei den Dreien. Was nun?»
«Im Licht wirst das Licht du sehen; wandle in diesem Licht und dort sieh Licht. Dein Licht muss heller scheinen. Der Stier ist in dem heiligen Ort.»
Und Herkules legte sich auf dem Rasen nieder, um sich von seiner Arbeit auszuruhen. Später wandte sich der Lehrer ihm zu und sagte: «Die zweite Arbeit ist getan und leicht war deine Aufgabe. Lerne nun aus dieser Lektion die Proportion. Kraft zur Durchführung der mühsamen Aufgabe; Gewillt sein, die Aufgabe durchzuführen, die deine Kräfte nicht erfordert; das sind zwei gelernte Lektionen. Erhebe dich nun bald und suche das Land, das hinter dem dritten Tor liegt. Dort finde die goldenen Äpfel. Die bringst du her.»
DER TIBETER.
Die Bedeutung der Aufgabe
Trotz eines ursprünglich teilweisen Versagens ist Herkules nun auf dem WEG. Im Einklang mit dem universalen Gesetz hat er seine Arbeit auf der Mentalebene begonnen.
In der Auswirkung des schöpferischen Plans folgt Begehren dem Gedankenimpuls. Das Bewusstseinsstadium, das wir mental nennen, ist gefolgt von einem Stadium der Sensitivität und diese zweite Arbeit befasst sich mit der Begierdenwelt und der Macht des Begehrens. Es ist eine der interessantesten Aufgaben und eine, die uns bis in die kleinsten Einzelheiten erzählt wird. Einige Schilderungen der Prüfungen, denen Herkules unterworfen wurde, sind mehr als skizzenhaft und kurz im Umriss, aber über die Prüfungen im Stier, den Zwillingen, im Skorpion und den Fischen wird ausführlicher berichtet. Sie waren drastisch in ihrer Anwendung und erprobten jeden Teil der Natur des Aspiranten.
Der Schlüssel zur Arbeit im Stier liegt im rechten Verständnis des Gesetzes der Anziehung. Das ist das Gesetz, das die formenbildende magnetische Kraft und das formenbildende Prinzip der Kohärenz beherrscht, durch welche sich Gott oder die Seele manifestiert. Es verursacht die
Stabilität, die sich im Weiterbestehen der Form während ihres Existenzzyklus demonstriert und betrifft die Wechselbeziehung zwischen dem, was die Form bildet und der Form selbst, zwischen den zwei Polen positiv und negativ, zwischen Geist und Materie, dem Selbst und dem Nicht-Selbst, zwischen männlich und weiblich und so zwischen den Gegensatzpaaren.
Vier symbolische Worte
Wir sind der Auffassung, dass diese zweite Aufgabe vorwiegend das Sexualproblem betrifft. Es gibt in der englischen Sprache vier Worte, die ideographisch und symbolisch sind. Sie bestehen alle aus drei Buchstaben und sind: god, sex, law und sin. (Gott, Geschlecht, Gesetz und Sünde). In diesen vier Worten finden wir die Gesamtsumme all dessen ausgedrückt, was IST.
Gott, die Gesamtsumme aller Formen, aller Bewusstseinsstadien und des energiespendenden Lebens. Der Geschlechtstrieb ist dieses Leben in Tätigkeit, er zieht Geist und Materie an und stellt das Wechselspiel zwischen dem Objektiven und dem Subjektiven her, zwischen dem Exoterischen und dem Esoterischen. Sex ist Begehren, Anziehung, der instinkthafte Drang zur Schöpfung, der Zug der Seele, der Impuls zum Göttlichen, Begehren des Männlichen für das Weibliche, die Verlockung der Materie für den Geist: alle diese Aussagen können zusammengefasst werden, um einige der Wirkungsformen des Geschlechtstriebs in seinen verschiedenartigen Beziehungen auszudrücken. Gesetz, die vom Gedanken angetriebene Reaktion Gottes auf die Form; die Verhaltensweisen, welche durch die zeitlose Wechselwirkung zwischen den polaren Gegensätzen entstanden sind und von der Menschheit als unabwendbare Naturgesetze anerkannt werden; es ist die Auferlegung des Willens Gottes, die Beeindruckung der Form durch diesen Willen und seine Anerkennung durch den Menschen. Sünde ist die Auflehnung des einzelnen gegen das Ganze, der Individualität gegen die Gruppe, Selbstsucht statt universaler Interessen.
So steht die Geschichte des Universums in diesen vier Worten geschrieben. GOTT, das Ganze: GESCHLECHTSTRIEB, die Anziehung zwischen den Teilen innerhalb dieses Ganzen; GESETZ, die Gewohnheit des Ganzen; SÜNDE, die Revolte des Teiles gegen das Ganze.
Die Erzählung der Aufgabe
Minos, der König von Kreta, besaß einen heiligen Stier, den er auf der Insel Kreta hielt. Eurystheus sandte nach Herkules und sagte ihm, es sei notwendig den Stier zu fangen und ihn von der Insel aufs Festland zu bringen. Es wurden keinerlei Instruktionen gegeben, wie das zu bewerkstelligen sei und Herkules wusste nur, dass der Stier heilig war, dass er aus dem Meer geboren und dazu bestimmt sei, dem Minos als Opfer dargebracht zu werden. Herkules begab sich daher nach Kreta und durchsuchte die ganze Insel. Er verfolgte den Stier von Ort zu Ort, bis er
sich schließlich stellte. Dann, so wird uns erzählt, ritt er auf dem Stier wie auf einem Pferd über die Insel und durch das Meer, das Kreta vom Festland trennt und brachte ihn so in die Stadt der Zyklopen. Diese Zyklopen waren eigenartige Wesen, von denen behauptet wurde, sie besäßen nur ein Auge in der Mitte der Stirn. Sie wurden von drei hervorragenden Gestalten regiert: von Brontes (dem Donner), Steropes (dem Blitz) und Arges (wirbelnde Tätigkeit). Als Herkules mit dem Stier an den Toren der Stadt erschien, kamen ihm die drei entgegen, nahmen den Stier in Empfang und in ihren Gewahrsam. So endete die zweite Arbeit.
Das Thema der Erleuchtung
Stier ist eine der interessantesten Konstellationen im Zodiak, besonders zur heutigen Zeit. Er ist das feste Kreuz in den Himmeln, das Kreuz der Jünger, und in diesem Zusammenhang ist folgendes Zitat interessant:
«Vom Himmel wird mystisch als dem „Tempel und ewigem Bewusstsein Gottes“ gesprochen. Sein Altar ist die Sonne, deren vier Balken oder Strahlen die vier Ecken des kardinalen Kreuzes des Universums darstellen, die zu den vier festen Zeichen des Zodiak geworden sind; und da die vier machtvollen heiligen Tierzeichen sowohl kosmisch als auch geistig sind, repräsentieren sie die grundlegenden Elemente, die unseren menschlichen Prinzipien gleichen. Das Zeichen Löwe repräsentiert Feuer oder Geist, der Stier Erde oder Körper, Wassermann Luft oder Denkvermögen und Skorpion repräsentiert Wasser vergleichsweise mit der Seele. Der Löwe als das Tier ist die Kraft der niederen Natur und ist die Schlange der Kraft, die, wenn sie nach oben gerichtet ist, überwindet. Stier ist immer das Symbol schöpferischer Kraft. Wassermann, der Mensch, ist der Lichtträger oder Lichtbringer. Skorpion wird häufig in Aquila, den Adler, umgewandelt … der gleichzeitig mit Skorpion aufsteigt. Sie sind in der Symbolik eng verknüpft. Skorpion ist das «Ungeheuer der Dunkelheit», das zu Tode sticht und trotzdem erhält und wieder hervorbringt, und so nicht nur Zeugung symbolisiert, sondern auch Wiedergeburt. Als das Letztere ist es Aquila, der Adler, der Sonnenvogel, der die dunkle Seite des Skorpion besiegt hat (jenen Widersacher, der den Menschen unter das Tier herniederziehen kann). Wird aber Skorpion umgewandelt, dann wird er zum Adler des Lichts, der sich über die Götter zu erheben vermag.» (The Celestial Ship of the North, Bd. I, E. V. Straiton)
Das «Auge des Bullen» im Stier, der herrliche Fixstern Aldebaran, ist einer der Gründe, warum diese Konstellation als Erleuchtung übermittelnd angesehen wird. In alten Tagen wurde er der führende Stern der Himmel genannt. Der Stier wurde immer mit Licht in Verbindung gebracht und deshalb mit Christus, der von sich selbst sagte, er sei das Licht der Welt. Licht, Erleuchtung und der Ton als ein Ausdruck schöpferischer Kraft – dies sind die drei grundlegenden Ideen, die mit dieser Konstellation verbunden sind. Der «Interpret der göttlichen Stimme», wie Stier im alten Ägypten genannt wurde, kann in der christlichen Terminologie frei wiedergegeben werden als «das fleischgewordene Wort». Es ist ein interessanter Hinweis auf die Macht der zodiakalen Einflüsse, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass Worte wie «Bullaugenlaterne», was auf das Bullauge im Sternbild Stier hinweist und die päpstlichen «Bullen», die päpstlichen Kundgebungen, die als Interpretation der Stimme Gottes betrachtet wurden, allgemein gebräuchlich sind.
Es kann hier mit Recht gefragt werden, wieso der Stier zum Bringer der Erleuchtung werden kann. Es wird uns gesagt, dass in diesem Zeichen der Mond erhöht ist und Venus der Regent ist. Der Mond wurde schon von jeher, vom Standpunkt der Esoteriker und auch unter primitiven Völkern, als der formbildende Aspekt betrachtet. Der Mond ist deshalb das Symbol der Materie und wird in vielen unserer Kirchen in Verbindung mit der Jungfrau Maria dargestellt.
Die Vollendung der Arbeit, die im Stier unternommen wird sowie das Resultat des Stiereinflusses, ist die Verherrlichung der Materie und die daraus erfolgende Erleuchtung vermittels ihres Mediums. Was einzig die Herrlichkeit, welche die Seele ist und das Licht, das vom Gott innerhalb der Form ausgeht, gegenwärtig daran hindert, in voller Kraft auszustrahlen, ist der Materie- oder Formaspekt. Ist dieser geheiligt, geläutert und vom Geist durchleuchtet, dann kann in der Tat die Herrlichkeit hindurchscheinen. Der Mondaspekt kann daher im Stier erhöht werden. Das wird durch den Einfluss der Venus erreicht, im Symbol irdischer und himmlischer Liebe (des geistigen Strebens wie auch des fleischlichen Begehrens), die deshalb mit Fug und Recht der Regent des Zeichens ist. Sie ist vor allem anderen die Liebe, die Schöpferin von Schönheit, Rhythmus und Einheit. Der Stier und die Kuh gemeinsam repräsentieren Schöpfung und so sind Venus und Stier eng miteinander verknüpft. Folgendes ist interessant:
«Stier oder Kuh sind das Symbol dieses Zeichens und in der Himmelskarte kann man beobachten, dass die kleine Gruppe von Sternen, die Plejaden genannt, direkt an der Schulter des Stieres dargestellt werden. In ägyptischen Skulpturen und Malereien werden die Plejaden manchmal in Gestalt einer Taube dargestellt, die mit ausgebreiteten Flügeln über dem Rücken des Stieres schwebt. Wie wir uns erinnern, ist die Taube der heilige Vogel der Venus und da die Plejaden einen Teil der Konstellation des Stieres bilden und, wie wir sehen werden, wenn möglich dem Wesen nach noch stierhafter als der Stier selbst sind, ist die Taube ein besonders passendes Symbol für diese kleine Sternengruppe.» (The Zodiac: A Life Epitome, Walter H. Sampson, S. 24)
Das Sexualthema
Aus diesem Auszug und vielen anderen, die angeführt werden könnten, ist offensichtlich, wie eng mit dem Sexualthema – seinen niederen und höheren Aspekten – diese wichtige Konstellation des Zeichens Stier verknüpft ist. Darum wurde Stier in einigen Büchern als das «Zeichen der Zeugung», sowohl der irdischen als auch der himmlischen, bezeichnet. Wir haben gesehen, dass die Macht des Zeichens Anziehung ist, das «Zueinander bringen». Es übt einen stetigen, fortwährenden Zug aus und ist sowohl im symbolischen als auch astronomischen Sinn anziehend. Wir haben gesehen, dass sich in diesem Zeichen die Plejaden befinden, darunter Alcyone, welche die zentrale Sonne unseres Universums genannt wird, und um diese Sonne kreist unsere Sonne mit ihren begleitenden Planeten. So werden die Worte Hiobs klar, als er sagte: «Kannst du den süßen Einfluss der Plejaden binden oder die Bande des großen Orion lösen?» Die Plejaden sind das Symbol der Seele, um die sich das Rad des Lebens dreht.
Es ist interessant, im Stier wieder die Dreiheit zu entdecken, die so stetig in astronomischen Unterweisungen und in der Mythologie wiederkehrt: Stier, der die Form und den anziehenden Impuls der Materie repräsentiert; die Plejaden, welche die Seele repräsentieren und den immerwährend wiederkehrenden Kreislauf der Erfahrungen: und unter den sieben Plejaden die eine Verlorene (denn nur sechs sind sichtbar) ein Symbol der Verdunkelung des Geistes während die Seele durch Begehren einen Körper annimmt. (Siehe die «Sieben Schwestern», die Herkules singend umgeben). So liegt die Idee der Beziehung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, welche die endgültige Offenbarung des Geistes hervorbringen soll, allen mythologischen Lehren und den Schriften und Symbolen aller Zeiten zugrunde, und ebenso erscheint hier die Idee der großen Illusion und der Verblendung. Geist oder Gott ist «verloren» oder verschleiert und verschwindet in der Anziehung der äußeren Form und in der Verblendung, welche die Seele um sich herum anzieht.
Man sollte sich hier daran erinnern, dass das gegenüberliegende Zeichen des Stiers der Skorpion ist und diese beiden Zeichen bilden das Feld einer ungeheuerlichen Anstrengung vonseiten des Herkules, denn in dem einen ringt er mit dem Sexualproblem und im anderen überwindet er die große Illusion.
Die Bedeutung der Konstellationen
Die drei mit dem Zeichen verknüpften Konstellationen sind Orion, Eridanus und Auriga und die Art der Aufgabe im Stier wird uns von den drei Bildern, die sie uns in den Himmeln darbieten, wunderbar vorerzählt. Der alte Name des Orion war «die drei Könige» wegen der drei schönen Sterne, die wir in seinem Gürtel sehen. Die drei Könige repräsentieren die drei göttlichen Aspekte des Willens, der Liebe und der Intelligenz und daher steht Orion symbolisch für den Geist. Der Name Orion heißt wörtlich «das Hervorbrechen des Lichts».
Wieder und wieder, wenn wir den Zodiak umkreisen, erscheint jedes Mal, was man den «geistigen Prototyp» des Herkules nennen könnte: Perseus, der kommende Fürst, der die Medusa erschlug, das Symbol der großen Illusion. Wir finden ihn im Widder. Orion, dessen Name «Licht» bedeutet, findet sich im Stier; im Skorpion erscheint Herkules selbst, triumphierend und siegreich. Dann haben wir den Schützen, den Bogenschützen zu Pferd, der geradeaus auf sein Ziel losgeht und in den Fischen den König. Je genauer wir dieses himmlische Bilderbuch studieren, desto besser erkennen wir, dass uns immer das Symbol unserer Göttlichkeit vor Augen gehalten wird, das Symbol der Seele in Inkarnation und die Geschichte der Materie, wie ihre Läuterung und Verherrlichung durch das mühevolle Werk der Seele zustande gebracht wird.
Die zweite Konstellation, die mit diesem Zeichen verknüpft ist, ist ein unermesslicher Sternenfluss, der den Füßen des Orion entströmt. Er wird Eridanus genannt oder «der Fluss des Richters» und ist ein Symbol des Lebensstromes, der die Seelen in die Inkarnation trägt, wo sie die Bedeutung der Worte lernen «was ein Mensch sät, das wird er ernten», und wo sie die ungeheure Aufgabe unternehmen, ihre eigene Erlösung zu erwirken. Ebenso wie Orion den Geistaspekt symbolisiert, steht Eridanus für den formannehmenden Aspekt und hält uns den Gedanken der Inkarnation vor Augen, während die dritte Konstellation, Auriga, der Wagenlenker ist, der in neue Länder führt und so die Seele symbolisiert.
Das Wesen der Prüfungen
Die Lektion, die in großem Umriss in diesem Zeichen gelernt wird, ist, zum rechten Verständnis des Gesetzes der Anziehung zu gelangen und zu rechtem Gebrauch und Kontrolle der Materie. Auf diese Art wird die Materie, bildlich gesprochen, «in den Himmel erhoben» und kann mit der ihr bestimmten Funktion beginnen, ein Ausdrucksmittel und Feld der Bemühung für den innewohnenden Christus (die Seele) zu sein. Der Aspirant wird deshalb auf zweifache Art geprüft: erstens bezüglich der Beschaffenheit seiner animalischen Natur und ihrer Anwendungsmotivation; zweitens wird geprüft, inwieweit die große Illusion auf ihn Anziehung ausüben kann. Maya, oder die große Illusion und der Geschlechtstrieb sind nur zwei Aspekte derselben Kraft, nämlich der Anziehung; der eine manifestiert sich auf der physischen Ebene und der andere drückt sich auf dem Gebiet der emotionalen Wunschnatur aus.
Der Jünger und das Sexualproblem
Für den Jüngerschaftsaspiranten ist dies ein wirkliches Problem, mit dem er sich auseinandersetzen muss. Genusssucht und die Beherrschung des menschlichen Wesens durch irgendeinen Teil seines Organismus sind unweigerlich falsch. Wenn eines Mannes ganzes Denken vom Gedanken an Frauen, oder umgekehrt, beherrscht wird, wenn er hauptsächlich lebt, um sein animalisches Verlangen zu befriedigen, wenn er unfähig ist, der Verlockung seines Gegenpols zu widerstehen, dann wird er beherrscht und ist ein Opfer des niedersten Teils seiner Natur, dem Tier.
Aber wenn der Mensch seine physischen Funktionen als ein göttliches Erbe erkennt und weiß, dass seine Ausrüstung ihm zum Wohl der Gruppe gegeben wurde, um zum Nutzen der menschlichen Familie richtig gebraucht zu werden, dann wird der menschlichen Einstellung bezüglich des Sexualproblems ein neuer motivierender Impuls zugrunde gelegt werden. Dann wird Promiskuität mit dem ihr anhaftenden Übel der Krankheiten verschwinden und das Problem der zu vielen Kinder wird gelöst werden können, was dann auch das Wirtschaftsproblem erleichtern wird. Durch richtige Kontrolle der Sexualfunktion und Rückführung auf ihren ursprünglichen Zweck, vor allem die Fortsetzung der menschlichen Familie und Bereitstellung von Körpern, in denen Seelen ihre Erfahrung machen können, werden Selbstbefriedigung, Krankheit und Übervölkerung in der Welt aussterben. Die Materie wird nicht mehr durch selbstsüchtige Begierde erniedrigt und die Beziehung zwischen den Geschlechtern wird durch ein Verständnis für die göttliche Absicht und durch Geschicklichkeit im Handeln beherrscht sein.
Zwei Auffassungen sind gleichermaßen falsch: im einen Fall werden Praktiken gelehrt, die letzten Endes zu Sexualorgien führen. Man hat sie mit der Bezeichnung «Sexualmagie» verherrlicht und im absichtlich herbeigeführten Orgasmus wird der Mensch dazu verführt, zu glauben, der physische Sexualakt sei der höchsterreichbare Punkt geistiger Möglichkeit, durch den er in diesem Moment, wenn er nur will, das Reich der Himmel berühren kann.
Die andere Auffassung, welche eine Ehe und jeden Ausdruck des Sexuallebens für einen Jünger zur Sünde erklärt und behauptet, wenn ein Mensch heiratet und eine Familie gründet, könne er in wahrhaft geistigem Sinn nicht «rein» sein, ist ebenso verheerend und gefährlich. Es gibt kein Bewusstseinsstadium und keine Lebensbedingung, in der es einem Menschen nicht möglich ist, als Sohn Gottes zu funktionieren. Falls es nicht möglich wäre, das Leben der Jüngerschaft und Einweihung zu leben und gleichzeitig, mit entsprechender Selbstkontrolle und Verständnis, ein normales, ausgeglichenes Sexualleben zu führen, dann gäbe es einen menschlichen Ausdrucksbereich, in dem das Göttliche hilflos ist und das anzuerkennen weigere ich mich. Es gibt keinen Bereich des Lebens und kein Ausdrucksgebiet, keine Erfüllung einer Pflicht, keine Anwendung des physischen Apparates, in denen die Seele nicht der dominierende Faktor sein kann und alle Dinge nicht wahrhaft zur Verherrlichung Gottes getan werden könnten. Aber die Seele muss die Kontrolle besitzen und nicht die niedere Natur. Die Leute vergessen, dass einige der größten Eingeweihten der Welt geheiratet haben, dass Buddha verheiratet war und einen Sohn hatte und bereits ein Eingeweihter hohen Grades gewesen sein muss, als er in den Ehestand trat. Sie vergessen, dass Moses, David der Psalmist und viele hervorragende Gestalten der Mystik in beiden Hemisphären verheiratet waren und Familien gründeten.
Jünger gehören allen Rassen an, sowohl im Westen wie im Osten und die Auffassungen gegenüber dem Sexualleben sind sehr unterschiedlich. Der Verhaltensstandard weicht voneinander ab. Gesetzlichkeit oder Ungesetzlichkeit von Beziehungen sind unterschiedlich. Während verschiedener Epochen und Zivilisationen waren Beziehungen zu einer Zeit legal und zu anderen illegal. Einige Rassen sind monogam und andere polygam. In einigen Zivilisationen wird die Frau als der dominierende Faktor betrachtet, in anderen der Mann. Während der Jahrhunderte haben Pervertierte, Homosexuelle, echte und falsche, unter uns gelebt und heute ist es wahrscheinlich nicht schlimmer als vor fünftausend Jahren, nur wird heute alles ans Tageslicht gezogen, und das ist gut so. Jedermann spricht über das Problem und die neue Generation fragt nicht in unbestimmten Tönen: «Was ist los mit dem Sex? Was ist richtig, was ist falsch?», und man kann nicht von ihnen erwarten mit einer Frage fertigzuwerden, die jahrhundertelang in scheinbar höchst unzulänglicher Form diskutiert und behandelt worden ist.
Hier scheint es passend, festzustellen, dass Minos, der König von Kreta, der den heiligen Stier besaß, auch das Labyrinth besaß, in dem der Minotaurus lebte und das Labyrinth war seit jeher das Symbol der großen Illusion. Das englische Wort für Labyrinth heißt «maze» und kommt von einem altenglischen Wort, das gleichlautend ist mit irreführen, verwirren oder rätselhaft. Die Insel Kreta mit ihrem Labyrinth und ihrem Stier ist ein hervorragendes Symbol der großen Illusion. Sie war vom Festland getrennt und Illusion und Verwirrung sind Kennzeichen des abgesonderten Selbst, jedoch nicht der Seele auf ihrer eigenen Ebene, dem Reich der Gruppen-Wirklichkeiten und universalen Wahrheiten. Für Herkules versinnbildlichte der Stier animalische Begierde und die vielen Wunschaspekte in der Welt der Form, die in ihrer Gesamtheit die große Illusion darstellen. Der Jünger, ebenso wie Herkules, ist eine abgesonderte Einheit, getrennt vom Festland, dem Symbol der Gruppe, durch die Welt der Illusion und den Irrgarten, in dem er lebt. Der Stier der Begierde muss gefangen und beherrscht und im Leben des abgesonderten Selbst von einem Punkt zum anderen gejagt werden, bis die Zeit kommt, wenn der Aspirant dasselbe tun kann, was Herkules gelungen ist: den Stier zu reiten. Ein Tier reiten bedeutet in den alten Mythen Beherrschung. Der Stier wird nicht geschlachtet, sondern geritten und geführt und steht unter der Herrschaft des Menschen.
Im menschlichen Wesen sind Kräfte und Fähigkeiten verborgen, die, wenn sie entwickelt und entfaltet sind, neue Kräfte für die Bewältigung dieses Problems zur Auswirkung bringen können. Aber was soll der Aspirant in der Zwischenzeit tun? Hier einige Vorschläge:
1. Reitet, beherrscht und meistert den Stier und vergesst nicht, dass er über das Wasser zum Festland geritten werden muss. Das bedeutet, dass die Lösung des ganzen Sexualproblems kommen wird, wenn der Jünger sein abgesondertes, persönliches «Insel-Selbst» der Gruppenabsicht und dem Gruppenbemühen unterordnet und anfängt, sein Leben durch die Frage zu beherrschen, «was ist das Beste für die Gruppe, mit der ich verbunden bin?» Auf diese Weise wird der Stier zum Festland geritten.
2. Gebraucht euren gesunden Menschenverstand. Die alte Bedeutung des englischen Wortes «Common sense» war, dass ein Sinn vorhanden ist, der die fünf Sinne vereint und so buchstäblich einen «gemeinsamen» Sinn bildet, das Denkvermögen. Es soll also der Aspirant sein Denkvermögen benutzen, seine Vernunft, und durch das Mittel intelligenter Wahrnehmung den Stier der Begierden leiten und beherrschen. Wenn gesunder Menschenverstand gebraucht wird, werden gewisse Gefahren vermieden. Es besteht eine Gefahr in der Methode vieler Aspiranten, jede Sexäußerung zu unterdrücken oder auszuschließen. Physiologisch kann das gelingen, aber die Erfahrung der Psychologen und Lehrer hat gezeigt, dass immer, wenn dem Organismus drastische Hemmungen und Unterdrückung aufgezwungen wird, das Ergebnis irgendein nervöser oder mentaler Komplex ist. Viele physisch reine Menschen haben unreine Gedanken. Viele, die jede Ausübung sexueller Perversion verurteilen würden und eine Ehe für einen Jünger ausschließen, haben einen mentalen Apparat, der keine nähere Untersuchung vertragen würde. Ihr Denken und ihre Auslegung der Handlungen anderer sind so wollüstig und ihre Fähigkeit, Böses zu denken ist so groß, dass es besser für sie wäre, vom Stier der Begierden geritten zu werden, so gefährlich das klingen mag, als ihre gegenwärtige Praxis mentaler Befriedigung als Ersatz für äußere «Sünde» fortzusetzen. Ein sauberes Denken und ein reines Herz, ein richtig organisierter und richtig gebrauchter Körper, Anpassung an die Gesetze des Landes, in welches das Schicksal ihn gestellt hat, äußerste Rücksicht auf das Wohlergehen derer, die ihm nahestehen und ein Leben liebenden Dienens – das sind die Ideale des Aspiranten.
3. Richtiges Verständnis der Bedeutung des Zölibats
Das Wort bedeutet «einzeln» und die Definition, die dem Wort gewöhnlich gegeben wird, ist «ehelos», «ledig bleiben». Angetrieben durch geistiges Verlangen und unter dem Einfluss der Gedankenform der Kirche im Mittelalter, mit ihren vielen Klöstern, glauben viele junge Menschen, dass der ledige Zustand für sie wesentlich und richtig ist und sind dann verwirrt, wenn daraus Komplexe entstehen. Aber könnte es nicht sein, dass wahres Zölibat für uns in den Worten Christi ausgedrückt wird, wenn er sagt: «Wenn dein Auge EINZELN ist, wird dein ganzer Körper voll Licht sein.» Könnte es nicht sein, dass wahres Zölibat die Weigerung der Seele ist, sich mit der Form zu identifizieren? Könnte nicht die wahre Ehebeziehung, von der die Ehebeziehung auf der physischen Ebene nur das Symbol ist, die Vereinigung der Seele mit der Form sein, des positiven Geistaspektes mit der negativen Mutter-Materie?
Lasst die Seele in ihrer Absicht «ledig» sein, befreit von der Knechtschaft der Materie, dann werden richtiges Handeln und ein richtiger Standpunkt unweigerlich zum Charakteristikum des Lebens auf der physischen Ebene werden. Lasst die Seele die Form «reiten», beherrschen und meistern, dann wird sie mit Sicherheit ihre richtigen Verpflichtungen kennen. Sie wird die Beziehungen erkennen, die sie zu anderen menschlichen Wesen aufrechterhalten muss, ob es nun ihr Schicksal ist, Ehemann, Ehefrau, Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester oder Freund und Gefährte zu sein. Durch rechten Gebrauch der Form, rechtes Verstehen der Absicht, rechte Ausrichtung nach der Wirklichkeit und rechtes Nützen der geistigen Energie wird die Seele als der kontrollierende Faktor handeln und der ganze Körper wird von Licht erfüllt sein. Durch Kontrolle, Einsatz des gesunden Menschenverstandes, rechtes Verstehen des Zölibats und Identifizierung mit der Gruppenabsicht wird der Jünger die Befreiung von der Herrschaft des Geschlechtstriebes erreichen. Es wird ihm gelingen, dem Beispiel des Herkules zu folgen und er wird den Stier der Begierde zum Festland reiten, wo er, im Tempel Gottes, ihn der Sorge der Zyklopen übergeben wird, die frühe Eingeweihte waren und das einzelne Auge besaßen, über das wir sprachen, das Auge Shivas, das Auge des Bullen in der Konstellation Stier. Denn Herkules war nicht nur der Jünger, sondern in seiner niederen Natur auch der Stier und in seiner höheren Natur auch die Zyklopen.
Ist der Stier der Begierde dem Zyklopen übergeben worden, dem Eingeweihten mit dem einzelnen Auge, der er selbst ist, die Seele, dann werden die drei göttlichen Aspekte anfangen sich zu offenbaren: Brontes, Steropes und Arges werden den heiligen Stier bewachen und Herkules, der Jünger, hat keine Verantwortung mehr. Brontes ist das Symbol des ersten Aspektes Gottes, der Vater, der den schöpferischen Ton aussprach und der Selbst dieser Ton ist. Steropes heißt Blitz oder Licht und ist der zweite Aspekt die Seele. Arges bedeutet «wirbelnde Tätigkeit», der dritte Aspekt der Gottheit, der sich in der intensiven Lebensaktivität auf der physischen Ebene ausdrückt. Diese göttlichen Aspekte bilden den beherrschenden Faktor und wenn sie einmal vom heiligen Stier Besitz ergriffen haben, ist das Problem des Herkules gelöst.
Schlüsselworte des Stiers:
«Lass‘ den Kampf unerschrocken sein». – Der Formaspekt.
«Ich sehe und wenn das Auge geöffnet ist, ist alles Licht.» – Der Seelenaspekt.
(Esoterische Astrologie, S. 418)
09. Mai 2010 – 10:09:24
Neumond in Stier
Das Aspektbild des kommenden Neumondes im Zeichen Stier ist kardinal-fix: es besteht aus Vierecks- und Strichfiguren. Die kardinale, willensbetonte Zielorientierung vermitteln die Strichfiguren Merkur Trigon Pluto und Mars Quadrat Sonne/Mond. Die restlichen Planeten bilden eine fünfeckige und damit fix motivierte Figur, die wie der Stier ein Streben nach Sicherheit und Harmonie anzeigt. Die Kombination des kardinalen und fixen Prinzips brachte der Schweizer Astrologe Bruno Huber ebenfalls mit der Qualität des 4. Strahls in Verbindung. Oft wird er der Strahl des Künstlers genannt, denn meist müssen Künstler durch eine Phase des Konflikts, des Ringens und Kämpfens gehen, bis die Vollendung der Harmonie in ihrem Kunstwerk möglich werden kann.
Die dominante Aspektfigur ist das Strömer-Viereck zwischen Jupiter/Uranus, Sonne/Mond, Saturn und Neptun. In einer solchen Figur sind immense Willenskräfte aber auch Konfliktpotentiale enthalten (die sich kreuzenden roten Aspekte im Inneren der Figur), die im Leben sinnenwach, gekonnt und talentiert gehandhabt werden können (grüne und blaue Aspekt außen). Die Welt besteht in diesem Viereck aus einem harmonischen Teil, in dem alles perfekt oder in Ordnung sein muss (blaue Aspekte), und einem intellektuellen Teil (grüne Aspekte), in dem ständig neue Fragen auftauchen, mit denen man sich denkerisch auseinandersetzt. Ist man sich der inneren Willenskräfte bewusst, kann man sehr kreativ agieren und auch schwierige Ziele erreichen. Da es immer noch um die Spannung zwischen den Werten der alten und der neuer Welt geht auf der Ebene der Existenz (Saturn Opposition Uranus auf der Existenzachse Jungfrau/Fische), zwischen Beharrung und Expansion, könnte der Stier-Neumond neue Impulse wecken, wie mit diesem Konflikt harmonisch (blaue Aspekte) und intelligent (grüne Aspekte) umgegangen werden könnte.
Die zweite Vierecks-Figur, das Schild zwischen Jupiter/Uranus, Sonne/Mond, Venus und Neptun hat ebenfalls zwei sich kreuzende rote Aspekte im Innenraum, während von außen nur blaue und grüne Aspekte sichtbar sind. Der Name der Figur legt die Neigung zu einer passiven Verteidigungshaltung nahe, zumindest von außen gesehen (grün-blau), während innen sich die Konflikt-Energien kumulieren.
Merkur befindet sich mit Pluto in einer losgelösten Strichfigur. Dieses Trigon „durchkreuzt“ die harmonieorientierten Vierecke. Pluto intensiviert die Denkprozesse Merkurs. Denken und Wissen verleihen Macht. Es werden „gewichtige“ Diskussionen geführt, es wird intensiv aufgeklärt, evtl. versucht man auch, andere von der eigenen „Wahrheit“ zu überzeugen. Oder man wird mit Informationen überschüttet, so dass man den Blick für das Wesentliche verliert und den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Dies alles kann sich störend oder zumindest irritierend auswirken auf die Bemühungen um Sicherheit und den Fortbestand dessen, was als harmonisch und gut angesehen wird (Vierecksfiguren). Spontan fällt mir hierzu das inzwischen sattsam bekannte Agieren der „Börsen-Spekulanten“ ein und ganz besonders der aktuelle Fall „Griechenland“. Womit wir wieder beim Lieblings-Thema des Zeichens Stier wären: das liebe Geld.
Betrachte ich das Aspektbild dieses Neumond-Horoskops, sehe ich die aktuellen intensiven Herausforderungen in den roten Aspekten, die enorme Willensanstrengungen erfordern, um noch rechtzeitig „das Ruder herumzureißen“, d.h. die Entwicklung der Menschheit in gesündere, gerechtere Bahnen zu lenken, welche mit geistigen oder spirituellen Wahrheiten besser in Einklang stehen. Der Neumond zeigt im Grunde sehr klar: so kann es doch nicht weitergehen. Und: es gibt Alternativen. Vor allem die Jupiter/Uranus-Konjunktion, die bald im Widder stattfinden wird, kann hier neue Impulse setzen und den gegenüberliegenden Saturn, der DAS Symbol für das Anhaften an der materiellen Welt steht, auf sinnvolle Weise in das Ganze integrieren.
Wir müssen jedoch auch bereit sein, die Augen zu öffnen. In den Figuren sind die meisten roten Aspekte und damit alle Konflikte und Unvereinbarkeiten in den nach außen hin blau-grünen Vierecken „eingepackt“. So richtig will man offenbar noch nicht hinschauen, will es nicht wahrhaben, dass die schöne, heile Welt des Stieres, das Hab und Gut, all die Sicherheiten durch die eigene Gier nach dem „immer Mehr“ ernsthaft bedroht sind. Das Schauen und Sehen ist jedoch eine wichtige Qualität des Zeichens Stier. Man denke nur an die allsehenden Augen Buddhas.
Der esoterische Saatgedanke des Zeichens Stier lautet:
„Ich sehe, und wenn das Auge geöffnet ist, ist alles erleuchtet.“
Damit ist zwar in erster Linie das Sehen mit dem dritten Auge gemeint, dem „einen“ Auge, das die Einheit offenbart. Aber es kann nicht schaden, auch in der Welt der Dualität genau hinzuschauen.
Literatur
Louise Huber: Die Tierkreiszeichen – Reflexionen Meditationen. API-Verlag
Louise Huber: Tierkreis-Meditationen. Stier (Audio) Ebertin / Bauer Verlag
Gunda Scholdt: Praxisbuch der Esoterischen Astrologie. Ebertin Verlag
Alice Bailey: Esoterische Astrologie. Lucis Verlag
Alice Bailey: Die Arbeiten des Herkules. Lucis Verlag
Wolfgang J. Denzinger: Die zwölf Aufgaben des Herakles im Tierkreis. Kailash Hugendubel
![]()














