Warum der Name Astrologische Psychologie?

Warum nannte Bruno Huber seine Methode Astrologische Psychologie? Er distanziert sich mit dieser Bezeichnung zunächst von der psychologischen Astrologie, die in ihren Methoden und Deutungen oft an der Oberfläche bleibt und aus seiner Sicht zentrale Themen vernachlässigt. Er ergänzte sie deshalb um astrologische Methoden zur Ganzheitsschau und zur geistigen Entwicklung.

Vier Anwendungsmöglichkeiten

API-Seminarunterlage (Michael Huber)

Das Horoskop kann als Bild determinierender Konditionierungen gedeutet werden, als Abbild des Schicksals. Dies ermöglichen in erster Linie prognostische Deutungsmethoden der klassischen Astrologie, der indischen Astrologie und ihren modernen Weiterentwicklungen. Es geht im Grunde um das Thema Angst und um Sicherheit. Man möchte sich durch die Astrologie vergewissern, dass das Schicksal in der Zukunft einen guten Verlauf nehmen wird und künftige Entwicklungen zum persönlichen Vorteil nutzen. Dies ist die „saturnische“ Herangehensweise an das Horoskop.

Die psychologische Astrologie nutzt das Horoskop zur Analyse des Charakters und zur Klärung von Konflikten. Sie beschäftigt sich mit Stärken und Schwächen der Persönlichkeit, mit psychischen Krisen und Problemen. Dies ist eine mehr „mondhafte“ Herangehensweise an das Horoskop.

Das Horoskop kann auch als Mittel zur Selbsterkenntnis, Selbstentwicklung und Weiterentwicklung genutzt werden. Dies erfordert Methoden der Ganzheitsschau, denn der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile. Diese ermöglichen viele Methoden der Huber-Schule: die fünf Schichten im Horoskop, das Lesen von Aspektbildern als Ausdruck der Bewusstseinsstruktur und der grundlegenden Lebensmotivation, die Integration der dreifachen Persönlichkeit uvm. Sie alle geben Hilfen zu mehr Autonomie – eine „sonnenhafte“ Anwendung der Astrologie.

Die transpersonale Ebene erkennt im Horoskop Wege zum Selbst. Für diesen Weg bietet die Huber-Schule verschiedene Methoden an: die Altersprogression als Lebens- und Entwicklungsweg, die drei geistigen Planeten (Uranus, Neptun, Pluto), die astrologische Psychosynthese, Talpunktwandlungen, Bewusstseinskrisen und Transformation, Horoskop-Meditationen usw.

Es gab einen weiteren und vermutlich triftigeren Grund für Bruno und Louise Huber, ihre Schöpfung Astrologische Psychologie zu nennen. Sie waren beide eng mit der Theosophie verbunden, lernten sich durch sie überhaupt erst kennen. Bruno Hubers Mutter war Theosophin und arbeitete für die von Alice A. Bailey gegründete Arkanschule als Betreuerin für Studierende. Eine Studierende war Louise Huber, die damals in Stuttgart lebte.

Alice Ann Bailey war Engländerin aus vornehmen Hause. Sie war ein Kind der viktorianischen Zeit, die sie hasste. Gemeinsam mit ihrem ersten Ehemann wanderte sie in die USA aus. Mit 35 Jahren kam sie dort mit der Theosophischen Gesellschaft in Berührung. In dieser Zeit meldete sich auf telepathischem Wege ein „Meister“ mit Namen Djwhal Khul, oft einfach mit D.K. abgekürzt oder „Der Tibeter“ genannt. Er gab Bailey in den folgenden Jahrzehnten eine Fülle an Informationen, die sie in mehr als 20 Büchern veröffentlichte, und die an der Arkanschule in einem Fernkurs studiert werden konnten.  Schon die erste Veröffentlichung Initiation – Menschliche und solare Einweihung erregte Aufsehen. Auf den ersten Seiten wird ein Modell der Konstitution des Menschen skizziert, die in den folgenden Veröffentlichungen weiter ausgearbeitet wurde.

aus: Initiation - Menschliche und solare Einweihung

Die ersten Seiten aus: Initiation – Menschliche und solare Einweihung

Die Arkanschule bietet dieses Material heute noch in Studienkursen an.

Das in der Schule erworbene Wissen, die Einsicht und Weisheit, die erlangte Fähigkeit mit den geistigen Energien zu arbeiten, sollte ihren Ausdruck in einem Leben des Dienstes finden, in der Förderung der göttlichen Absicht, und in der Mitarbeit bei der Lösung der dringlichen Probleme der Menschheit.

Die Esoterische Psychologie, die der „Tibeter“ in zwei Bänden ausführlich vorstellte, wurde zum Gerüst für Bruno Hubers Astrologische Psychologie.

Cover: Astrologie der Seele von Alan Oken

Cover: Astrologie der Seele von Alan Oken

Die Studierenden der Arkanschule wurden und werden auch heute noch zur täglichen Meditation angehalten. Durch Meditation kann jeder seinen Uranus, das schöpferische Denken, „kultivieren“. Deshalb gab es auch kein API-Seminar mit Louise Huber, bei dem über das Seminarthema nicht auch meditiert worden wäre. Während der Ausbildung zum astrologisch-psychologischen Berater meditierten wir Schüler zum Beispiel über unsere Ich-Planeten Saturn, Mond und Sonne. Das Schöne an dieser Art der SELBST-Erfahrung: nichts, was an Bildern hochkommt, ist falsch, nichts wird analysiert, was nichts Anderes als Zerlegen hieße. Wir waren im Gegenteil immer auf der Suche nach der Ganzheit, nach der Synthese. „Mein“ Saturn erschien mal als rotglühende Kugel, (Louise vermutete, die Farbe rühre von der Nähe zur Kosmischen Spalte auf 0° Widder her), ein anderes Mal als „Ei, dessen Schale Nahrung, Wärme und Schutz braucht, damit das Leben in ihm wachsen kann“.

Im Laufe ihrer astrologischen Arbeit als Lehrer und Berater wurde Bruno und Louise klar, dass die Probleme, mit denen viele Klienten in die Beratung kamen, nicht nur psychologischen Ursprungs waren, sondern immer häufiger eine Krisensituation auf dem Weg der geistigen Entwicklung darstellten. Geistige Entwicklung ist der Weg von der (integrierten) Persönlichkeit zur Seele. Man stellt sich ihn als Brücke vor, Antahkarana (अन्तःकरण antaḥkaraṇa „inneres Denkorgan“), die von der Persönlichkeit zur Seele führt und auf der es vor allem durch Meditation voranzuschreiten gilt. Dieser Weg löst immer wieder Krisen aus, die die Methoden der Astrologischen Psychologie inklusive ihrer Lösungsansätze aus meiner Sicht am besten beschreiben. Auch die therapeutischen Methoden der Psychosynthese nehmen sich dieser Krisen an. Ihr Schöpfer Roberto Assagioli war ein Schüler des „Tibeters“. Die Schriften von Dane Rudhyar sind ebenfalls von Alice Baileys Werk beeinflusst.

Lese-Tipp:
Esoterische Psychologie
Methoden der Astrologischen Psychologie
Grundsätze der Zeitlosen Weisheit

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