Galaktische Zentren und der Mayakalender

gzradiosignalklKarl Guthe Jansky war ein US-amerikanischer Physiker und Radioingenieur. Er entdeckte 1932 die Radioastronomie. Nach monatelangen Untersuchungen fand er heraus, dass die Quelle der Radiointerferenzen, die seine Aufmerksamkeit erregten und die er erforschen wollte, stellaren Ursprungs war. Das empfangene Signal wiederholte sich alle 23 Stunden und 56 Minuten (ein siderischer Tag), und war am stärksten, wenn es kulminierte. Am 16.09.1932 empfing Jansky um 19.10 EDT in Holmdel das stärkste Signal und konnte als Quelle das Sternbild Schütze bestimmen, in dem der Astronom Howard Shapley das Zentrum der Milchstraße vermutete. Heute trägt die Radioquelle die Bezeichnung Sagittarius A* (Sgr A*). Sie ist das Zentrum unserer Milchstraße, das Galaktische Zentrum.

gzradiosignal1932In der Astronomie-Software Stellarium erkennt man, dass zum Zeitpunkt der Messung der galaktische Äquator gemeinsam mit der Meridianlinie die Ekliptik schneidet (auf 29° Schütze). Der galaktische Äquator und die Projektion des Galaktischen Zentrums auf den Zodiak fallen nicht auf den gleichen Tierkreisgrad, sondern der galaktische Äquator liegt rund drei Tierkreisgrade vom GZ entfernt. Das fragliche Radiosignal war also nicht bei Kulmination des Galaktischen Zentrums am stärksten, sondern bei Kulmination des Schnittpunktes des galaktischen Äquators mit der Ekliptik. Der galaktische Äquator ist die Milchstraße, die galaktische Scheibe, die zum Himmelsäquator (den an den Himmel projizierten Erdäquator) um 62°52‘ geneigt ist.

Der galaktische Äquator trat erstmals ins Zentrum meiner Betrachtungen, als ich Informationen zum Galactic Alignment 2012 recherchierte. Der alte Mayakalender erlebte zum Wintersolstitium 2012 ein auffälliges Zyklusende. Zwanzig Baktun des Maya-Kalenders entsprechen einem Zeitraum von rund 7885 Jahren. Das Baktun 13, das zur Wintersonnenwende 2012 endete, entspricht einer Periode von rund 5125 Jahren seit dem Beginn des „Mayakalenders“ im Jahr 3114 v. Chr. Multipliziert man die Dauer von 13 Baktun (5125 Kalenderjahre) mit fünf ergeben sich 25625 Jahre, eine Zahl, die der Dauer des Großen Jahres (Präzessionszyklus) von 25700 Jahren recht nahekommt. Zufälligerweise (oder auch nicht) erreichte der galaktische Äquator um das Jahr 2012 herum die Position von 0° Steinbock. Die Sonne stand also zur Wintersonnenwende auf dem galaktischen Äquator. Ob den Mayas das bekannt war, kann zu Recht bezweifelt werden.

Teilt man 360 Bogengrade durch 5, ergeben sich 72 Bogengrad. Die fünf Positionen des Galaktischen Zentrums während eines Großen Jahres ergeben ein Pentagramm, das auch die Rückläufigkeitsphasen der Venus bilden (Pentagramm der Venus). Ich habe keine Ahnung, ob den Mayas dies bewusst war.

mayakalender-3114-gzIch staune jedoch nicht schlecht, als ich das Datum des letzten Beginns des Baktun 13 in meine Software Megastar eingebe (11.08.3114, 12 Uhr in El Tortuguero, Costa Rica). Heraus kommt obenstehendes Horoskop. An diesem Tag stand die Sonne auf 23° Krebs, der Software Solarfire zufolge gemeinsam mit dem Supergalaktischen Zentrum und der Galaxie M49. In El Tortuguero im heutigen Costa Rica wurde der Mayakalender gefunden, der 2012 so großes Aufsehen erregte. Das astronomische Wissen der Menschen früherer Kulturen sollten wir nicht unterschätzen. Aber ich kann mir noch weniger vorstellen, dass diese alte Kultur ein Wissen um die geistigen Planeten oder galaktische Zentren gehabt hatte. Das Horoskop ist wahrscheinlich ein Artefakt, der Zusammenhang nur scheinbar, nämlich zufällig. Oder doch nicht…?

Edit

(28.09.2016)
Ein Blogleser erinnert an die Erkenntnisse des deutschen Vermessungsingenieurs Andreas Fuls und des kanadischen Archäologen Bryan Wells, wonach der Mayakalender um 208 Jahre verschoben werden müsse. Der Mayakalender begann demnach im Jahr 2906 v. Chr. Das Baktun 13 endet dann erst im Jahr 2220 und nicht 2012. Ich weiß nicht, ob Fuls‘ Jahresangaben historisch oder astronomisch zu verstehen sind. Das historische Jahr 2906 entspricht dem astronomischen Jahr 2905 v. Chr. Auch dieses Horoskop ist interessant, denn jetzt steht eine enge Dreierkonjunktion zwischen Sonne, Venus und Uranus beim Supergalaktischen Zentrum auf 24° Krebs. Das Galaktische Zentrum liegt auf 19° Waage. 72° (ein Quintil) weiter liegt 1° Steinbock. Das Galaktische Zentrum wird im Jahr 2225 in das Tierkreiszeichen Steinbock eintreten. Die viel beschworene Zeitenwende läge demzufolge noch vor uns.

mayakalender-2906bc-fuls-bLiteratur:
Weltuntergang muss verschoben werden (Tagesanzeiger)
2012 – Ergebnis einer falschen Berechnung? (Armin Risi)

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