Pluto

Nachdem mit Neptun 1846 der achte Planet des Sonnensystems entdeckt wurde, vermutete die Fachwelt aufgrund kleiner Störungen der Umlaufbahnen von Uranus und Neptun einen weiteren, neunten Planeten im Sonnensystem. Doch es sollte fast 84 Jahre dauern, bis Planet X gefunden wurde.

Das erste Foto

Der amerikanische Astronom Percival Lowell (1855-1916) widmete sich in seinen letzten Lebensjahren intensiv der Suche nach dem Planeten X und finanzierte das nach ihm benannte Observatorium in Flagstaff, Arizona. Wie sich später herausstellen sollte, war auf zwei fotografischen Platten, die er 1915 ein Jahr vor seinem Tod angefertigt hatte, Pluto bereits zu erkennen. Der Forscher suchte jedoch nach einem helleren Objekt, weshalb ihm die Entdeckung entgangen war.

Pluto Erste Fotoaufnahme FlagstaffDie Datenbank des Minor Planet Center (Pluto wurde inzwischen zum Zwergplaneten degradiert, woran der Astrologe sich nicht stören muss, es schmälert nicht den Einfluss dieses „Wandelsterns“) gibt Datum und Uhrzeit der ersten Fotoaufnahme mit 19.03.1915 um 06:20 UT in Flagstaff an. Das Horoskop für diesen Moment der Fotoaufnahme ist sehr aufschlussreich. Pluto befand sich auf 00°09‘08“ Krebs im Nakshatra Ardra.

SkorpionDer Aszendent liegt im Zeichen Skorpion, dem heutige Astrologen Pluto als Zeichenherrscher zuordnen. Uranus wurde entdeckt, als Skorpion im Osten aufging. Als Galilei in seinem Fernrohr Neptun beobachtete, aber für einen Fixstern hielt, ging ebenfalls gerade das Tierkreiszeichen Skorpion auf. Und nun bei der ersten Fotoaufnahme des Astronomen Percival Lowell. Alle drei geistigen Planeten haben offenbar eine besondere Affinität zum Skorpionischen, mit dem Blick auf jene Dinge gerichtet, die der Wandlung und Transformation bedürfen.

Die Rahu-Nakshatra Ardra, Swati und Shatabishak

Das Nakshatra Ardra wird vom nördlichen Mondknoten Rahu beherrscht. Sein Beginn liegt stets direkt gegenüber dem Galaktischen Zentrum. 134 Jahre zuvor befand sich hier Uranus zum Zeitpunkt seiner Entdeckung. Rahu wiederum befindet sich in diesem Pluto-Horoskop im Nakshatra Shatabishak, in dem sich Neptun zum Zeitpunkt seiner Entdeckung aufhielt. Über Ardra wacht die frühvedische Gottheit Rudra, die sich in späterer Zeit zur Gottheit Shiva wandelte. Rudra galt als zerstörerische Gottheit, der dennoch heilende Kräfte zugesprochen wurden, denn Rudra reinigte durch seine Stürme die Atmosphäre. Bei der Neptun-Entdeckung stand AC-Herrscher Mond im Nakshatra Svati, über das Vayu wacht, der Gott des Windes, Varuṇas Atem.

Rashi D1 (tropisch)

Rashi D1 (tropisch)

Ardra, Svati und Shatabishak sind die drei von Rahu beherrschten Nakshatra. Sie spielen bei der Entdeckung bzw. Beobachtung von Uranus, Neptun und Pluto eine wichtige Rolle. Gemeinsames Thema dieser Nakshatra ist Transformation und Veränderung. Rahu erzeugt Veränderungen, die einseitige Übergewichte im Universum und im menschlichen Bewusstsein ausgleichen sollen. Jeff Green sieht in seinem Buch „Pluto – Die evolutionäre Reise der Seele“ ebenfalls eine enge Verbindung zwischen Pluto und der Mondknotenachse, speziell dem nördlichen Mondknoten, der in die evolutionäre Zukunft weist.

Mit Ketu im 10. Bhava blickt man auf eine karmische Vergangenheit zurück, in der man die äußeren Umstände des Lebens stets kontrollieren und meistern konnte. Rahu im 4. Bhava erzeugt nun jedoch Aufregungen, Instabilität, intensive Ängste und emotionale Schwächen, um die Entwicklung des Bewusstseins in Schwung zu halten und ihr neue Impulse zu geben. Der Geborene ist nun gezwungen, innere Sicherheit zu entwickeln, ohne notwendigerweise die äußeren Umstände meistern zu können.

Pluto-Symbole (API Grafik)

Pluto-Symbole (API Grafik)

Plutos Dispositor Mond stand im Tierkreiszeichen Stier im Nakshatra Bharani. Diesem Nakshatra steht die vedische Gottheit Yama vor, der indische Gott des Todes. Bharani handelt davon, den materiellen Manifestionen das Leben zu entziehen, wenn die Zeit für eine Wandlung der Form gekommen ist, für eine TransFormation, bei der es im Grunde darum geht, das Überlebte, nicht mehr zeitgemäße sterben zu lassen, damit Neues entstehen und das Leben in neue Formen einziehen kann. Genau dies ist die Bedeutung und Funktionsweise Plutos in der Astrologischen Psychologie.

Die Entdeckung des Planeten X

Erst fünfzehn Jahre später, am 18.02.1930, entdeckte der damals 24jährige Clyde Tombaugh nach mühevoller Detailarbeit um 16.00 Uhr am Lowell Observatorium in Flagstaff den neunten Planeten. Dieser Moment gilt als Entdeckungshoroskop.

Pluto Entdeckung RadixRahu erreichte die Position des Mondes im Horoskop des ersten Fotos und greift das Bharani-Thema der Transformation auf.

Der Löwe-Aszendent rückt die Persönlichkeit und das Selbst in den Mittelpunkt. Die Sonne, beweglicher (Chara) und natürlicher (Naisargika) Karaka des Selbst (Atmakaraka), liegt gegenüber in den letzten Bogenminuten des Wassermanns im Nakshatra Shatabishak und im 7. Bhava, einem der Maraka-Häuser. Es geht um ein Selbst, das massiven Todes-, Reinigungs- und Wandlungsprozessen unterworfen ist. In der Deutungsweise der Astrologischen Psychologie unterzieht Pluto alle Schein-Ich-Formen, die nur vorgeben, Teil des Selbst zu sein, einer tiefgreifenden Wandlung.

Pluto selbst befand sich auf 17°45‘ Krebs im 12. Bhava im Nakshatra Punarvasu. Der Dispositor Mond steht im 4. Bhava gemeinsam mit Ketu und deutet auf reflexhaftes Kontrollieren der Gefühle hin. Nur durch einen kontrollierten emotionalen Selbstausdruck kann ein Gefühl von innerer Sicherheit erreicht werden. Doch je mehr der Mensch versucht, seine Gefühle und Reaktionen zu kontrollieren und sich seinen Vorstellungen davon, was er fühlen sollte, anzupassen, umso mehr wird seine äußere Umgebung mit Rahu im 10. Bhava außer Kontrolle geraten und chaotisch werden. Es geht darum, die Gefühle und emotionalen Reaktionen ohne Angst frei fließen zu lassen und sie nicht ständig zu kontrollieren.

Punarvasu

Rashi D1 (tropisch)

Rashi D1 (tropisch)

Über Punarvasu wacht die große indische Göttin Aditi, die Mutter der Götter (Adityas). In dieser Sternkonstellation geht es um Erneuerung und Revitalisierung. Im vorhergehenden Nakshatra Ardra, in 3dem Pluto bei der ersten Fotoaufnahme stand, reinigte Rudra durch seine Stürme die Atmosphäre. In Punarvasu hat sich der Sturm gelegt. Es bleibt ein leichter Wind, der angenehme, weniger aufwühlende Veränderungen als noch in Ardra anzeigt. Nachdem Pluto sein Zerstörungswerk an der Scheinwelt (den Schein-Ich-Formen) vollführt hat, kann wieder aufgeatmet und die Form neu aufgebaut werden.

Die beiden Hauptsterne Castor und Pollux des Sternbildes Zwillinge, die dem Nakshatra Punarvasu zugeordnet werden, galten in der griechischen Mythologie als göttliche Zwillinge. In noch früherer Zeit sah man im Sternbild Zwillinge keine Brüder, sondern ein Menschenpaar, einen Mann und eine Frau. Die lateinische Bezeichnung Gemini könnte auf den vedischen Gott Yama hinweisen, dessen Name ebenfalls mit “Zwilling” übersetzt werden kann. Mit seiner Zwillingsschwester Yami gründete er das Menschengeschlecht, ähnlich wie die biblischen Urmenschen Adam und Eva. Yama und Yami stammten vom Aditya Surya ab, waren somit Enkelkinder der Großen Göttin Aditi.

Yama war der erste Mensch, der sterben musste. Er erforschte die verborgenen Regionen und entdeckte den „Pfad der Väter“. Dies war die Straße, auf der die Toten in den Himmel gelangten. Yama, der sie entdeckt hatte, wurde zum König der Toten eingesetzt. Yamas Totenreich war keine Hölle, sondern ein Paradies: alle Wünsche wurden hier im Angesicht der Götter erfüllt. Die Ewigkeit verlief in ungetrübter Harmonie.

Yama hatte in Verbindung mit Varuṇa die Funktion des Totenrichters. Deshalb nannte man ihn auch den Dharmaraja, den König des Dharma. Dharma, die Rechtschaffenheit, war eine Form von Varuṇas unerforschlichem Weltgesetz Ṛta. Wer Ṛta gegenüber schuldig geworden war, wurde ursprünglich von Varuṇa selbst „gebunden“ (mit einem Seil als Symbol der Sünden, mit dem sich die Verstorbenen in ihrer Unwissenheit selbst anketteten). Später übernahm Yama diese Aufgabe. Er überantwortete die Bösen der Vernichtung, oder dem Reich der Finsternis, wenn sie Ṛta nicht befolgt hatten.

Yama (Pluto) stand also in enger Verbindung zu Varuṇa (Neptun) und dem Weltgesetz Ṛta, nach dem das weitere Schicksal der Toten beschieden wurde. Erst in der spätvedischen und hinduistischen Zeit entwickelte sich bei den Menschen die Vorstellung, dass Yamas Reich kein Himmel, sondern ausschließlich die Hölle sei. Yama wurde zu einer Schreckensgestalt, dessen Richterthron fortan alle Toten passieren müssen. Sein „Buchhalter“ Chitragupta liest aus einem großen Buch die guten und schlechten Taten auf Erden vor, und nachdem Yama sein Urteil gefällt hat, werden die Seelen entweder in den Abgrund einer der Höllen verdammt oder zu einem neuen Erdenleben bestimmt.

Der Name

In beiden Pluto-Horoskopen spielen Tod und Veränderung aufgrund der beteiligten Nakshatra eine wesentliche Rolle. Zu seinem Namen kam der Planet X jedoch nicht aufgrund dieser Zusammenhänge, sondern durch die Intuition eines 11jährigen Mädchens. Es schlug den Namen des römischen Gottes der Unterwelt vor, Pluto (griech. Pluton), der sich unsichtbar machen konnte. Die astronomische Fachwelt akzeptierte diesen Vorschlag, vielleicht weil der Name mit den Initialen von Percival Lowell beginnt. In Teilen Indiens wird der Planet jedoch tatsächlich Yama genannt.

Die Raumsonde New Horizons

Im Juli wird die Raumsonde New Horizons Bilder von Pluto und seinen Monden liefern (maximale Annäherung an Pluto voraussichtlich am 14.07.2015 um 11:49:59 UT ). Im Sommer folgen deshalb weitere Informationen über Pluto und die Welt der Transneptuner am äußersten Rand des Sonnensystems.

Daten:
Erste Fotoaufnahme am Lowell-Observatorium: 19.03.1915, 06.20 UT
Entdeckung: 18.02.1930, 16.00 MST, Lowell-Observatorium in Flagstaff

Literatur:
Bruno und Louise Huber: Planeten als Funktionsorgane. API-Verlag
Starfish-Blog: Vedische Götter und Uranus, Neptun und Pluto.
Starfish-Blog: Bruno Huber: Pluto, ein Chaot?

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