Dane Rudhyar

Ein Sämann des Neuen Zeitalters

Dane Rudhyar (Radix mit galaktischen Zentren)

Vor 125 Jahren, am 23. März 1895 um 1:00 Uhr, kam der Begründer der Humanistischen Astrologie und Wegbereiter der psychologischen Astrologie als Daniel Chennevière in Paris auf die Welt. Mit 7 Jahren erhielt er Klavierunterricht. Mit 12 Jahren erkrankte er schwer (AP in Wassermann, 3. Haus, Quadrat Uranus, Konjunktion Mond) und ein Jahr später musste ihm die linke Niere und Nebenniere entfernt werden (AP Eintritt Fische, Konjunktion Merkur). Seine folgende körperliche Schwäche kompensierend wandte er sich der Musik und seiner geistigen Entwicklung zu. Er studierte Philosophie an der Sorbonne und Musik am Pariser Konservatorium. Der Alterspunkt erreichte in diesen Studienjahren die Quadrate zum Stellium zwischen Pluto, Mars und Neptun, sowie die Konjunktion mit dem aufsteigenden Mondknoten am Talpunkt des 3. Hauses. Mit 16 Jahren stirbt sein Vater und er beendet das Studium an der Sorbonne mit einem Bachelor-Abschluss in Philosophie. Kurz nach dem Tod seines Vaters hatte er die intuitive Erkenntnis der zyklischen Natur aller Existenz – aller natürlichen Organismen und aller Kulturen mit ihren künstlerischen Gestaltungen. Er fühlte, dass die europäische Kultur die „herbstliche“ Phase ihres Zyklus durchlief und dass insbesondere die Musik von Debussy die ergreifende, aber flüchtige und dekadente Schönheit dieser Phase reflektierte. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs war für ihn einem „Equinoktialsturm“ vergleichbar, der seine Intuition bestätigte.

Die Grafiken links sind ohne Aspekte zu Chiron und GZ abgebildet. Das Aspektbild besteht aus drei Dreiecksfiguren und entspricht einer veränderlichen Lebensgrundmotivation. In den Grafiken rechts sind die Aspekte zu Chiron und dem GZ enthalten, die die grafische Struktur wesentlich erweitern und die Grundlebensmotivation grundlegend verändern zu einer fixen Grundmotivation. (→ Motivationskräfte im Horoskop) Das Aspektbild wird nun kohärent und verbindet alle Teile incl. dem Stellium zwischen Pluto-Mars-Neptun zu einem kohärenten, ganzheitlichen Aspektbild.

Alterspunkt KOLLEKTIV-Raum

Radix-AP

Diese intuitiven Erkenntnisse weckten in Daniel Chennevière den inneren Drang, sich von Europa zu lösen und eine „Neue Welt“ zu suchen – ein Land, in dem er seine Ideen als Samen aussäen konnte, in seinem Sein die Ernte dessen austragend, was aus der europäischen Vergangenheit lebensfähig und konstruktiv geblieben ist. Das Ideal oder die Vision dieses „Sämannes“ erhob sich in seinem Bewusstsein und dominierte fortan sein Denken und Leben. Der Alterspunkt am Talpunkt des 3. Hauses (Identitätskrise und innere Neubewertung kollektiver Denknormen) überquerte im Jahr 1911 die „kosmische Spalte“ 0° Widder (tiefgreifender Wandlungsprozess und Neuanfang),  die Opposition zum Supergalaktischen Zentrum M87/VCl auf 0,5° Waage („Erlöser oder Messias“-Galaxie, zur „seelendurchdrungenen” Persönlichkeit führend) sowie über die Sonne auf 2° Widder. Der Mondknoten-Alterspunkt stand im Frühjahr im Quadrat zur Widder-Sonne und trat im Sommer in das Zeichen Schütze ein, in dem sich die Individualachse des Mondknotenhoroskops befindet.

Mondknotenhoroskop

Im Mondknotenhoroskop (MKH) besetzen die veränderlichen Zeichen die kardinalen Mondknotenhäuser. Das Zeichen

MK-AP

Zwillinge im Individualbereich des Mondknotenhäusersystems mit der Dreifachkonjunktion und dem Herrscher des Aszendenten sowohl im Grund- als auch im Mondknotenhoroskop Jupiter deutet auf eine einflussreiche und machtvolle Schattenpersönlichkeit hin, die durch ihr Wissen eine dominierende Stellung in der Gesellschaft eingenommen haben könnte. Sie wurde spätestens mit dem Eintritt des Mondknoten-AP in das Zeichen Schütze im Sommer 1911 gleich einem archetypischen Komplex im (Unter-)Bewusstsein „konstelliert“. Rudhyar spürte offenbar die große Bedeutung geistiger Themen aus seiner eigenen karmischen Vergangenheit.

AP Biografie 3. Haus

Mit 17 Jahren (1912) beginnt Chennevière für das Klavier zu komponieren (AP Quincunx Saturn, Opposition Chiron, Sextil Pluto, Mars, Neptun). Sein erstes Buch Claude Debussy et son oevre erscheint zusammen mit drei kurzen Klavierkompositionen im Frühjahr 1913. Der Alterspunkt befand sich im Sogbereich des IC auf der Kippstelle Sonne/Venus. Das Buch sollte eigentlich den Titel Claude Debussy und der Zyklus der musikalischen Zivilisation tragen und enthielt neben biografischen Informationen über Debussy Rudhyars persönliche Vorstellungen über Zeit, Zyklen und die Entwicklung von Musik. Der Verlag löschte jedoch die philosophischen und historischen Teile und gab der restlichen biografischen Skizze einen neuen Titel.

Im Mai 1913 erlebte Chennevière die Uraufführung von Igor Strawinskis Le Sacre de Printemps, und er beginnt eine Zusammenarbeit mit zwei äußerst kreativen Persönlichkeiten, Valentine de Saint-Point und Vivian Postel Du Mas, die an einer futuristischen Form multimedialer Performance-Kunst beteiligt waren, einer abstrakten Synthese von Tanzbewegung, Poesie, Musik, geometrischer Form, Farbe und Parfüm, bekannt als Métachorie. Chennevière hatte dazu 1914 mehrere kurze Orchesterpartituren für Métachorie geschrieben, für die eine Aufführung in New York arrangiert wurde. Aufgrund seiner Krankheit wurde Chennevière im Ersten Weltkrieg nicht als Soldat eingezogen. Im November 1916 konnte er deshalb nach New York City reisen, um dort seine Arrangements für Orchester und weitere Originalkompositionen am 4. April 1917 im Rahmen einer Métachorie-Aufführung der Metropolitan Opera zu präsentieren. Im Sommer 1916, als er in Spanien noch auf die Schiffspassage nach New York wartete, erreichte der Alterspunkt die Konjunktion mit der Andromeda-Galaxie M31 und die Opposition zum Shapley-Zentrum SCl, im November 1916 die Konjunktion mit Venus am Talpunkt des 4. Hauses (Neubestimmung in der Kollektiv-Zugehörigkeit) und am Tag der Aufführung im April 1917 den Wechsel des Alterspunktes in das Zeichen Stier.

AP-Biografie 4. Haus

Daniel Chennevière war nun in der Neuen Welt angekommen und knüpfte schnell Kontakte mit gleichgesinnten Künstlern. Im Sommer 1917 (AP Quincunx M87/VCl) lebte Rudhyar unter ärmlichen Bedingungen und verbrachte die meiste Zeit in der New York Public Library. Er las Bücher über orientalische Musik und Philosophie, über die Rosenkreuzer und Alchemie. Japanische Künstler führten ihn in den Buddhismus ein. Er befreundete sich eng mit dem Komponisten Carlos Salzedo und dem Avantgarde-Komponisten Edgard Varése. An Heiligabend 1917 (AP Halbsextil Sonne) machte er sich mit 35 Cent in der Tasche auf den Weg nach Kanada, um dort in Toronto und Montreal bei befreundeten Musikern zu leben. Dort kam er in Kontakt mit den theosophischen Lehren von H.P. Blavatsky und der Musik des russischen Pianisten und Komponisten Alexander Skrjabin, ein Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. In den nächsten zwei Jahren pendelte zwischen der Ostküste und Kanada und traf viele europäische Künstler, die in Amerika auf das Ende des Ersten Weltkriegs warteten.

In dieser für seine innere Entwicklung entscheidende Zeit hatte sich Chennevière einen neuen Namen gegeben und nannte sich fortan Dane Rudhyar (AP Opposition Saturn). Die Ablehnung seines Geburtsnamens erreichte tiefere Ebenen während einer Phase der „dunklen Nacht der Seele“. Die Namensänderung bekräftigte seine Entschlossenheit, sich für seine visionären Ideen mit seinem ganzen Sein einzusetzen. Rudhyar verließ nicht nur physisch seine Heimat und die Sprache seiner angestammten französischen Kultur, er kehrte den kollektiven Denkmustern der gesamten westlichen Tradition den Rücken und versuchte, ihre negativen, dualistischen und spirituell kristallisierten Aspekte aus seiner Psyche zu entwurzeln. Sein Geburtsname war ein Symbol all dieser Vergangenheit, doch als „Samenmensch“ widmete er sich einer Zukunft, die er sich bisher nur vage vorstellen konnte. Der Name Rudhyar stammt aus dem Sanskrit und impliziert dynamische Aktion mit der während Stürmen freigesetzten elektrischen Kraft des Sturmgottes Rudra. Die zugeordnete Farbe Rot spiegelt das Feuerelement von Rudhyars Widder-Sonne wider, während sein Geburtsherrscher (Lagnesh bzw. Herrscher des Schütze-Aszendenten) Jupiter je nach verwendetem Ayanamsha (z.B. nach Ernst Wilhelms Dhruva Gal. Zentrum Mitte von Mula, B.V. Raman oder Gil Brand) im Nakshatra Ardra liegt, über das der Sturmgott Rudra wacht.

Im Januar 1920 kam Dane Rudhyar auf Einladung des kalifornischen Hauptquartiers der Theosophischen Gesellschaft nach Krotona in den Hollywood Hills. Dort besuchte er eine Reihe Vorträge über Die Geheimlehre von H. P. Blavatsky, die ihn zu einem vertieften Studium ihres monumentalen Werkes anregten. Besonders faszinierte ihn der ständige Hinweis auf Zyklen, der ihn an seine eigene intuitive Erkenntnis als 16jähriger erinnerte, wonach alle Lebensprozesse und das Wesen der „Zeit“ zyklisch seien. In Krotona lernte er auch Alice Bailey kennen, die zwei Jahre später ihr erstes Buch Initiation und solare Einweihung in dem eigens gegründeten Verlag lucis veröffentlichte. Er begann außerdem mit dem Studium der Astrologie

Alterspunkt im DU-Raum

Der Alterspunkt erreichte im Frühjahr 1920 das Halbsextil zu Pluto, im Jahr darauf die Halbsextile zu Mars und Neptun und reizte in Rudhyars Bewusstsein erneut die evolutionär-dynamische Visionskraft des Pluto-Mars-Neptun-Stelliums in Zwillinge an, die durch neue Informationen stimuliert, vertieft und erweitert werden konnte.

Neben seinen esoterischen Studien komponierte Rudhyar weiter und wurde ein produktiver Autor von Artikeln, die er inzwischen in englischer Sprache abfassen konnte. 1926 erhält er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Der Alterspunkt trat in das Hauptachsenzeichen Zwillinge mit der Dreifachkonjunktion und AC-Herrscher Jupiter und bildete ein Trigon zum Supergalaktischen Zentrum VCl/M87 und ein Sextil zur Sonne. Im Januar 1929, als der Alterspunkt die Dreifachkonjunktion erreichte, schrieb Rudhyar Rania, eine Erzählung über die Evolution der Seele einer Frau, ihrer Suche nach geistiger Stärke, die sie in ihrem letzten Kampf mit den Mächten der Finsternis unterstützt. Die Erzählung fand jedoch keinen Verleger und wurde erst 1973 erstmals veröffentlicht.

AP-Biografie 6. Haus

Stellium (Dreifachkonjunktion)

Durch seine Heirat mit Malya Contento im Juni 1930 (AP Konjunktion Neptun) lernte Rudhyar den Philosophen, Okkultisten und Astrologen Marc Edmund Jones kennen, dessen Astrologie-Kurse Malya besuchte. Jones gab Rudhyar mimeographierte Kurse über Astrologie, die er Mitgliedern seiner Gruppe The Sabian Assembly schickte. In diesen Kursen wurde die Astrologie aus einer neuen positiven und philosophischen Perspektive präsentiert. Rudhyar, der zehn Jahre zuvor bereits astrologische Grundkenntnisse über die Theosophische Gesellschaft erworben hatte, erkannte in Jones‘ Vorträgen die weiten Perspektiven, die astrologisches Denken ermöglicht. Obwohl er bereits über „Eine Philosophie der operativen Ganzheit“ geschrieben hatte, wurde er erst in dieser Zeit auf Jan Smuts‘ Holismus und Evolution aufmerksam, der die Ideen des französischen Philosophen Bergson, den Rudhyar noch in Paris studiert hatte, auf neue Weise weiterführte. Carl Jungs Tiefenpsychologie erregte im Jahr 1932 (AP Quadrat Mondknoten) und vor allem im Sommer 1933 (AP Opposition GZ Konjunktion Jupiter) ebenfalls seine Aufmerksamkeit.

All diese Einflüsse begannen auf Rudhyars Geist einzuwirken und er erkannte die Möglichkeit, eine praktische und konzeptionelle Synthese unter dem Titel Harmonic Astrology zu erarbeiten. Die Astrologie wurde in dieser Synthese als Hilfsmittel gesehen, um das Wirken zyklischer ganzheitlicher Muster im Leben von Individuen und Nationen konkret und effektiv aufzuzeigen – als personalisierte Anwendung seiner philosophischen und psychologischen Konzepte. Es implizierte keinen grundlegenden Bruch mit dem eher esoterischen und archetypischen Ansatz, den er unter dem Einfluss von Blavatskys bedeutsamen Werken verfolgt hatte, sondern vielmehr eine Verankerung der Grundbegriffe okkulter Philosophie auf der Ebene des alltäglichen Daseins. Dies ermöglichte es ihm, viel näher mit den Reaktionen und Bestrebungen von Menschen in Berührung zu kommen, die intuitiv, wenn nicht klar, auf seine Ideen reagieren konnten. Paul Clancy, der Urheber des American Astrology Magazine, war von Rudhyars Ideen und Plänen begeistert und bot ihm ab 1932, die Gelegenheit, ein riesiges amerikanisches Publikum mit seinen astrologischen Ideen zu erreichen. Paul Clancy verlangte immer mehr Artikel, und Rudhyar begann ab 1934 (AP Eintritt Krebs Quadrat Sonne) zwei oder drei lange astrologische Artikel monatlich für die Zeitschrift zu schreiben, was ihm zum ersten Mal ein regelmäßiges und zuverlässiges Einkommen verschaffte. Nachdem Alice Bailey Rudhyars Artikel von 1934 gelesen hatte, drängte sie ihn dazu, diese und weitere Texte in einem Buch zusammenzufassen, das 1936 unter dem Titel Astrologie der Persönlichkeit im Lucis Verlag veröffentlicht wurde (AP Halbsextil Pluto). Paul Clancy begrüßte das Buch als „den größten Schritt vorwärts in der Astrologie seit der Zeit des Ptolemäus“ und als die Geburt einer neuen Epoche.

AP-Biografie 7. Haus

So begann Rudhyars astrologische Karriere, die viele seiner älteren Freunde in einer Zeit, in der „denkende Menschen“ die Astrologie allgemein als archaischen Aberglauben betrachteten, verblüffte und schockierte. Gleichzeitig stieß sein musikalisches Werk auf heftigen Widerstand unter zeitgenössischen Komponisten, die nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und Strawinskys erzwungenem russischen Exil zu Anhängern von Strawinskys Neoklassizismus geworden waren. Rudhyar widersetzte sich diesem neoklassischen und formalistischen Trend, der den Idealen und Mustern des europäischen Klassizismus und somit der Vorherrschaft von Papst und König die Krone aufsetzte. In einer Zeit, in der die Intelligenz sowie junge Musiker, Tänzer und Künstler gegen den Faschismus aufbegehrten, wies Rudhyar darauf hin, dass die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts tatsächlich Ausdruck einer Kultur war, die auf einer faschistisch geprägten Gesellschaftsordnung beruhte. Er zeigte, wie die C-Dur-Skala und die Herrschaft des Tonikums symbolisch für genau die Dinge standen, gegen die der Anhänger des Neoklassizismus emotional kämpften. Dies verschloss ihm viele Türen in der Musikwelt.

In den Jahren 1938 und 1939 wandte sich Rudhyar der Malerei zu (AP Halbsextil Mars Neptun Trigon Uranus Mondknoten). Seine Arbeiten erregten bald Interesse und wurden in New Mexico in Kalifornien ausgestellt. Er erkannte den wesentlichen Unterschied zwischen dem Hören seiner Musik und dem Betrachten und Nachdenken über seine Bilder und erkannte, wie diese neuen ästhetischen Erfahrungen eine neue Ebene des Bewusstseins eröffneten. Gemeinsam mit anderen Künstlern gründete er eine Gruppe Transzendentale Malerei. Rudhyar schrieb das Manifest dieser Bewegung sowie ein unveröffentlichtes Werk mit dem Titel The Transcendental Movement in Painting. Letzteres behandelte nicht nur die Malerei, sondern auch andere transzendentale künstlerische Bestrebungen wie den Tanz von Martha Graham. Das Buch Kandinsky and the American Avant-Garde: 1912-1950 enthält einen Essay über diese Transzendentale Malgruppe. Darin beschreibt die Autorin Marianne Lorenz Rudhyars Werk als einzigartig unter den im Buch aufgeführten Künstlern, weil er sehr früh als Maler im Stil Kandinskys auftrat. Ein Großteil seines Werks zitiere Kandinskys Formensprache und interpretiere sie in offenkundig theosophischen oder mystischen Begriffen neu. Werke wie Storm Gods (1938) lehnten sich an Motive aus einer Reihe von Kandinskys Werken an, die in den Katalogen der Guggenheim-Sammlung von 1936 und 1938 illustriert wurden. Der befreundete Künstler Alfred Morang sah jedoch keinen großen Einfluss Kandinskys und erklärte, dass Rudhyars Werk nicht durch von Kandinsky oder Picasso diktierte Regeln bestimmt werde, sondern dass die treibende Kraft vielmehr der Wunsch nach dem Immateriellen sei, das er bislang durch seine Musik und seine philosophischen Schriften zu begreifen suchte.

Während der kommenden Jahrzehnte komponierte, malte, schrieb und lehrte Rudhyar weiterhin über Astrologie, rückte jedoch erst in den 1960er Jahren im Zuge der aufkommenden New-Age-Bewegung wieder in den Fokus des Interesses großer Verlage. 1968 erschien eine Neuauflage seines Buchs Astrologie der Persönlichkeit (AP Quadrat Mondknoten). Am 26. Februar 1969 initiierte Rudhyar das International Committee for Humanistic Astrology (AP Konjunktion GZ). Die Humanistische Astrologie unterschied sich damals wesentlich von der traditionellen wahrsagenden und prognostischen Astrologie sowie der zeitgenössischen Forschungs- und statistischen Astrologie, die wissenschaftliche Anerkennung anstrebte. Mit dem humanistischen Ansatz versuchte Rudhyar aufzuzeigen, dass es mindestens zwei grundlegende Ansätze der Astrologie gibt: einen „ereignisorientierten“ und einen „personenzentrierten“. Er präsentierte Astrologie „als eine Art westliches Yoga, als Psychosynthese und das Geburtshoroskop als Mandala, als eine Formel zur Integration der Persönlichkeit zu einer Ganzheit“. Es begann eine der produktivsten Phasen seines Lebens, in der er mehrere Bücher pro Jahr veröffentlichte (AP Opposition Jupiter).

Im Jahr 1975 wandte sich Rudhyar wieder dem Thema Transpersonalität zu, zuerst in From Humanistic to Transpersonal Astrology und danach in seinem Buch The Sun is Also a Star The Galactic Dimension of Astrology. Seit dem Jahr 1930 und seiner Begegnung mit Marc Edmund Jones definierte er den Begriff „transpersonal“ als Prozess der ‚angemessenen‘ (dem Individuum zuträglichen) transzendentalen spirituellen Kraft und Erleuchtung des Bewusstseins durch die gesamte Persönlichkeit des Menschen hindurch. Ihre Quelle stamme zwar aus Bereichen ‚jenseits‘ des persönlichen Bewusstseins und Egos, doch sah Rudhyar die „transpersonale Aktivität“ eher als einen Abstieg der Kraft als einen Aufstieg des Bewusstseins der Person.

Während der personen-zentrierte „humanistische“ Ansatz ein Werkzeug für die Verwirklichung der Geburtspotenziale des Menschen (einschließlich eines individualisiertes Selbst) in Harmonie mit seinem soziokulturellen Rahmen anbiete, versuche die transpersonale Astrologie dem nach Selbsttranszendenz strebenden Individuum die Möglichkeit aufzuzeigen, alle Umstände, Ereignisse, Spannungen und Krisen in seinem als Mittel zu nutzen, um die Trägheit seiner Vergangenheit, seiner sozialen und geistigen Gewohnheiten und vor allem seiner Widerstände gegen alles, was sich seiner Kontrolle entziehen würde, zu überwinden — das heißt, eine radikale Transformation zu ermöglichen, die auf der Erkenntnis beruht, dass das einzelne „Ich“ ein funktionaler Teil eines viel größeren Ganzen ist. Eine solche Erkenntnis bedeutet nicht so sehr ein „Aufgeben“ des „Ich“, sondern die Selbstweihe des „Ich“ zur Ausführung seines Dharma (der inneren Repräsentanz des universellen Gesetzes „ṛta) im Interesse des größeren Ganzen. Nach dieser Maßgabe entwickelte Rudhyar die Humanistische Astrologie zur Transpersonalen Astrologie weiter.

Nach Rudhyars vierten Heirat am 31. März 1977 begann für den inzwischen 82jährigen erneut eine äußerst kreative und produktive Phase (AP 2. Haus Wassermann und 3. Haus Fische). So komponierte er eine ganze Reihe neuer Klavierwerke und überarbeitete die Orchestrierung älterer Stücke. Darüber hinaus konnte er mit Unterstützung seiner Frau Leyla viele seiner bedeutendsten Texte über Transpersonale Astrologie, planetarisches Bewusstsein und die „New Age“-Philosophie niederschreiben sowie in zahlreichen Vorträgen über diese Themen referieren. Es entstanden u. a. The Rhythm of Wholeness, The Astrology of Transformation, Beyond Individualism, The Magic of Tone And The Art of Music und The Fullness of Human Experience, die seit der Jahrtausendwende auf der Webseite des Rudhyar Archival Project für den interessierten Leser zugänglich gemacht werden.

In seinem letzten Vortrag im März 1985 sprach der inzwischen 90jährige Dane Rudhyar über die Zeit nach seinem Tod:

„Die Kraft, die mein ganzes Wesen zusammenhielt – wie eine Linse, die Ideen in einem Brennpunkt sammelt – wird freigesetzt, wenn ich gehe. Vielleicht wird es – wenn die Person, die ich zu sein schien, gegangen ist – leichter sein, sich mit jener Quelle der Gedanken, und was immer hinter ihr stehen mag, zu verbinden – mit der Ganzheit des Geistes, der befreiten Saat.“1

Am 13. September 1985, um kurz nach elf Uhr vormittags, stirbt Dane Rudhyar in seinem Haus in San Francisco. Seine Saat trägt bis heute und weit in die Zukunft reiche Frucht.

Altersprogression

Literatur:
Dane Rudhyar – An Illustrated Biographic Sketch
Leyla Raël-Rudhyar: The Essential Rudhyar
Alex Ruperti: Dane Rudhyar – Ein Sämann des Neuen Zeitalters Astrolog Nr. 25

1 Astrolog Nr. 25

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