Triángulo dramático español-catalán

Update 26.03.2018

Die Katalonienkrise aus astro-psychologischer Sicht

Kataloniens Streben nach Unabhängigkeit von Spanien entwickelt für Außenstehende zunehmend bizarre Züge. Der Katalanische Nationalismus (Katalanismus) strebt die Anerkennung der politischen, sprachlichen und kulturellen Eigenständigkeit Kataloniens an. Während einige über die Selbstbestimmung zu einer Unabhängigkeit des katalanischen Volkes kommen wollen, streben andere lediglich eine Ausweitung der Selbstverwaltung im Rahmen des Autonomiestatuts an.

Die Region Katalonien erlebte in den vergangenen 700 Jahren eine wechselvolle Geschichte, in der die katalanische Kultur und Sprache immer wieder systematisch unterdrückt wurde, zuletzt unter der Franco-Diktatur, die tiefe Wunden geschlagen hatte. Nach Francos Tod im Jahr 1975 wurde der Weg frei für eine Umformung Spaniens zu einer parlamentarischen Monarchie. Artikel 2 der spanischen Verfassung stellt fest, dass die spanische Nation aus „Nationalitäten und Regionen“ zusammengesetzt ist. Dementsprechend wurde den Autonomen Gemeinschaften (ähnlich den Bundesländern in Deutschland) durch Autonomiestatute Kompetenzen in Gesetzgebung und Vollzug zugesichert. Welche Rechte diese Statuten jeweils bestätigen, ist von Gemeinschaft zu Gemeinschaft unterschiedlich.

Katalonien Autonomiestatut 1979

Für Katalonien trat das erste Autonomiestatut am 31.12.1979 in Kraft. Ein neues Autonomiestatut, in dem die Veränderungen seit dem Eintritt Spaniens in die Europäische Gemeinschaft und nachfolgend Union berücksichtigt und die Tatsache bekräftigt wird, dass Katalonien eine Nation sei, wurde im Frühjahr 2006 vom katalanischen Regionalparlament beschlossen, dem katalanischen Volk zur Abstimmung vorgelegt und von diesem angenommen. Nachdem König Juan Carlos I. das Statut unterzeichnet hatte, trat es am 09.08.2006 in Kraft.

Die PP (Partido Popular) stimmte im katalanischen Parlament gegen das neue Autonomiestatut und reichte Klage beim spanischen Verfassungsgericht ein. Dieses stufte nach vier Jahren Beratungszeit 14 Artikel des Statuts als verfassungswidrig ein. Bei der katalanischen Bevölkerung rief diese Entscheidung große Empörung hervor und nährte den katalanischen Nationalismus. Am 1. Oktober 2017 mündete dieser in ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens, das die Regierungskoalition unter Carles Puigdemont in einer turbulenten Parlamentssitzung im Alleingang erzwungen hatte. Die Volksabstimmung selbst wurde durch polizeiliche Maßnahmen behindert, da die Zentralregierung in Madrid sie als illegal, weil nicht verfassungskonform ansieht. Nachdem Carles Puigdemont im Regionalparlament am 27.10.2017 Kataloniens Unabhängigkeit verkündet, wurde die katalanische Regionalregierung vom spanischen Premierminister Rajoy abgesetzt und Neuwahlen für den 21. Dezember anberaumt. Puigdemont, angeklagt wegen Rebellion, entzog sich seiner Verhaftung und setzte sich nach Belgien ab. Bei diesen Wahlen erhielten die Befürworter der Unabhängigkeit mit 70 von 135 Sitzen erneut die absolute Mehrheit im katalanischen Parlament. Die PP des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy wurde schwächste Partei.

Spanien & Katalonien Autonomiestatut 2006

Die Lage bleibt verfahren, die Fronten verhärten sich zwischen der spanischen Nationalregierung und dem katalanischen Regionalparlament. Es stehen folgende Horoskopdaten zur Verfügung:

Vergleicht man die Auslösungen in beiden Verfassungshoroskopen, so fällt in Katalonien zunächst die Alterspunkt-Opposition zu Pluto am GZ auf. Gleichzeitig bildet der Alterspunkt ein Quadrat zur Mondknotenachse.

Beim Quadrat kommt es häufig zu einer Krise. An sich bietet jeder Alterspunkt-Aspekt zum aufsteigenden Mondknoten einen wichtigen Hinweis zur Lösung eines Konfliktes, zur Bewältigung einer unheilvollen Entwicklung und zur Überwindung einer festgefahrenen Situation. Das Quadrat betont jedoch gleichermaßen den Weg des geringsten Widerstandes, der unbewussten Reflexe und der Verhaftung in alten Gewohnheiten, die die Anpassung an Veränderungen und neue Entwicklungen erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Was zurückbleibt ist Stagnation und die Wiederholung überalterter, verkrusteter Denk- und Handlungsmuster.

Die gleichzeitige Opposition zur Pluto/GZ-Konjunktion ermöglicht dem Bewusstsein die größtmögliche Distanz bei gleichzeitiger maximaler Bewusstheit der Pluto-Kraft. Häufig wird diese Distanz als Ohnmachtsposition erlebt. Dies umso mehr, je mehr persönliche Ziele mit Pluto verfolgt werden. Da es sich bei diesem Horoskop um keinen individuellen Menschen, sondern um eine regionale Verfassung handelt, ein Staatsgebilde, das durch seine Führer und sein Volk mit Leben erfüllt wird, können deren persönliche Ziele (z.B. nach Macht, Einfluss oder Bereicherung) im Vordergrund stehen.

So schaukelte sich die Empörung des Volkes, angefeuert durch seine gewählten Volksvertreter, in eine sich immer schneller und tiefer drehende Spirale des Strebens nach absoluter Autonomie und der Konfrontation mit der spanischen Staatsmacht, von der Katalonien ein Teil ist.

Im Horoskop der spanischen Verfassung steht dieser Alterspunkt (24°53‘ Zwillinge) in Opposition zum Mond am GZ. Kataloniens Pluto steht auf Spaniens Mond. Es stellt sich damit die Frage, wer hier tatsächlich Druck auf den anderen ausübt. Ist es lediglich eine Reflexhandlung, die dem absteigenden Mondknoten zuzuordnen wäre?

Carles Puigdemont Radix

Carles Puigdemont erklärte am 27. Oktober 2017 die Unabhängigkeit Kataloniens. In seinem Horoskop stehen Uranus und Pluto nahe dem Aszendenten, gegenüber Jupiter/Chiron exakt am Deszendenten. Der Alterspunkt steht im Quadrat zu diesen Planeten. Es ist leicht vorstellbar, dass mit einem derart positionierten Pluto persönliche Ziele verfolgt werden. Eigentlich soll sich im 1. Haus die plutonische Wandlungskraft auf das eigene ICH-Bild richten, doch meist zieht der Horoskopeigner es vor, anderen Veränderungen aufzuzwingen, um sich selbst nicht ändern zu müssen.

Das erste Autonomiestatut Kataloniens trat mit einer Merkur/GZ-Konjunktion am IC in Kraft. Die dritte Saturn/GZ-Konjunktion vom 25.11.2017 fand in Barcelona unter einer Merkur/Saturn/GZ- Konjunktion exakt am IC statt. Der Einfluss des Galaktischen Zentrums fordert ein von persönlichen (egoistischen) Motiven bereinigtes Denken und Handeln. In Verbindung mit Saturn wird die Übereinstimmung mit dem größeren Zusammenhang geprüft, (Saturn/GZ-Konjunktion).

Es stellt sich für Katalonien die Frage, ob absolute Autonomie mit betonter Abgrenzung von Spanien, das selbst wiederum Teil eines noch größeren Ganzen (EU, NATO usw.) ist, wirklich wünschenswert ist und das Land zukunftsfähiger macht. Oder ob es sich die Katalanen in einem tief verwurzelten Rebellenreflex gemütlich gemacht haben und sich lieber in ihrer vermeintlichen Opferrolle gefallen, als einen wirklichen Schritt vorwärts zu gehen. Dazu müsste zuvor alter Ballast in Form von Automatismen und Denkschablonen abgeworfen werden, um leichter vorwärts zu schreiten.

Aus der Distanz betrachtet wird offensichtlich, dass die Führer Kataloniens und Spaniens Akteure in einem Spiel sind. Ein Spieler übernimmt die Rolle des Opfers, der andere die des Täters. Das Opfer „Katalonien“ fühlt sich vom Täter „Zentralregierung in Madrid“ ungerecht behandelt, bevormundet und eingeschränkt. Der Täter ist der Autoritäre, unerbittlich auf Recht und Ordnung Pochende. Zum Drama-Dreieck wird diese Täter-Opfer-Beziehung, wenn ein Retter die Bühne betritt, meist vom Opfer laut klagend herbeigerufen. Es beginnt ein Drama, das auf internationaler Ebene gespielt Kriege provozieren kann.

Mit dem Drama-Dreieck beschreibt die Transaktionsanalyse ein Interaktionsmuster und deckt gleichzeitig eine bestimmte Kommunikationsstruktur auf. Menschen sind nicht per se Retter, Verfolger oder Opfer. Sie verhalten sich lediglich in bestimmten Situationen als solche, übernehmen im Spiel diese Rolle. Dabei blenden sie immer einen oder mehrere Aspekte der Wirklichkeit aus oder werten ihn ab. Gleichzeitig vermeiden sie, ihr Beziehungskonzept und ihre Grundüberzeugungen hinterfragen zu müssen.

Eric Berne beobachtete, dass ein und derselbe Mensch zu unterschiedlichen Zeiten qualitativ unterschiedliche Erlebenszustände aktivieren kann. Solche Erlebenszustände, die jeweils durch ein zusammenhängendes Muster von Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen charakterisiert sind, nannte er Ich-Zustände. Die prinzipiell unendlich vielen Erlebenszustände eines Menschen können grundsätzlich in drei Kategorien eingeteilt werden: Wir können abgespeichertes Erleben von früher erneut aktivieren, der Zustand wird dann Kindheits-Ich-Zustand genannt. Kreieren wir einen neuen Erlebenszustand, der sich in angemessener Weise voll und ganz auf das Hier und Jetzt bezieht, so wird dieser als Erwachsenen-Ich-Zustand bezeichnet. Wenn wir uns auf eine Art und Weise erleben, die wir im Denken, Fühlen und Verhalten von anderen übernommen haben, so ist das ein Eltern-Ich-Zustand. (Wikipedia)

Das Opfer agiert meist aus der Position des Kindheits-Ichs (K), der Täter denkt und handelt aus der Position des Eltern-Ichs (EL). Was Außenstehende erleben, erinnert zuweilen an familiäre Auseinandersetzungen zwischen aufbegehrendem Kind und zurechtweisenden Eltern. Je nach persönlichen Erfahrungen und Kindheitsprägungen mit diesen Ich-Zuständen schaukelt sich die Situation immer weiter hoch. Beide Rollenspieler entkommen dem Drama, wenn sich beide auf der Ebene des Erwachsenen-Ich (ER) begegnen, da man sich hier am ehesten „vernünftig“ und realitätsbezogen verhält. Wenn ein Retter hinzutritt, sollte dieser versuchen, die Kontrahenten auf diese Interaktionsebene zurückzuführen, sonst wird er selbst zum Opfer oder Täter werden, denn diese Rollen können sich urplötzlich vertauschen und die Akteure verstricken sich in diesem endlos rotierenden Dreieck.

Das Horoskop kann Aufschluss geben, was die jeweils gespielte Rolle in den Akteuren auslöst, denn aus astrologischer Sicht hängen sie eng mit den Ich-Planeten der Astrologischen Psychologie zusammen. Der Mond kann dem Kindheits-Ich zugeordnet werden, Saturn spielt die strenge, regelnde, bestimmende, autoritäre Elternrolle, und die Sonne das Erwachsenen-Ich. Sie besitzt Autonomie, innere Stärke und den stärksten Bezug zur Gegenwart, dem Hier und Jetzt.

Dieses Transaktionsmodell besitzt Ähnlichkeit mit dem Persönlichkeitsmodell der Astrologischen Psychologie, lässt jedoch jene Dimension des Menschen außer Acht, die hinter diesen Rollen steht. Das Strukturmodell beschreibt Ich-Zustände, die immer Rollen sind, in die das Selbst (der Kreis in der Mitte des Horoskops) schlüpft.

Rajoy & Puigdemont Ich-Planeten

In den oben abgebildeten Grafiken sind lediglich die Aspekte von Sonne, Mond und Saturn abgebildet. Rajoys Ich-Planeten stehen allesamt in Talpunktnähe, zwei von ihnen zusätzlich in eingeschlossenen Zeichen und damit schwach, ohne Strahlkraft und Dominanz. Ganz anders als bei Puigdemont, der alle drei Ich-Planeten an der Hausspitze stehen hat. Er dominiert das Geschehen, hat selbst im Exil soviel Strahlkraft, dass seine Partei die absolute Mehrheit erringen konnte. Doch ob er die wirklich besseren Argumente hat? Er ist jedenfalls der bessere Spieler, beherrscht sowohl die Rolle des Opfers als auch die des Verfolgers, ein weiterer Name für die Täter-Rolle. Damit begeistert er seine Anhänger, die fast wie im Rausch nach Unabhängigkeit rufen.

Ratsam wäre, die Spieler gingen „zurück auf Los“ und fangen mit der Konfliktklärung von vorne an, nämlich beim Autonomiestatut von 2006, gegen das Rajoys Partei Klage eingereicht hatte. Katalonien muss sich überlegen, ob seine Empörung angemessen oder überzogen war und ebenso Rajoy, inwieweit das Agieren seiner Partei verhältnismäßig war. Diese Selbst-Reflektion gelingt nur auf der Kommunikationsebene des Erwachsenen-Ich, der autonomen Sonne.

Lese-Tipp:
Stewart/Joines: Die Transaktionsanalyse – Eine Einführung.
Detlev Hover: Die astrologische Transaktionsanalyse. Astrolog Nr. 152 und 153
Heidi Schürer: Transaktionsanalyse und Astrologische Psychologie. Astrolog Nr. 122


Update 26.03.2018

Der mit europäischem Haftbefehl gesuchte Carles Puigdemont wurde gestern Mittag in Schleswig-Holstein in Polizeigewahrsam genommen. Saturn beendet gerade seinen Transit über Puigdemonts Sonne, während die Transit-Mondknotenachse über seinen Mond läuft. Ob der Jupiter-Transit über seine Venus hilfreich sein wird? Im indischen Horoskop habe beide Planeten Maraka-Status und stehen daher in Verbindung mit schicksalhaften Ereignissen, die eine ganze Lebensphase beenden können.

Carles Puigdemont Transite 25. März 2018

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