Die Ortsqualität der Bundeshauptstadt

Jeder Ort hat – astrologisch gesprochen – sein eigenes Häusersystem, das auf einem der Erdoberfläche eingeschriebenen Tierkreis gründet. Der englische Astrologe Sepharial (Walter Richard Old) nannte es Geodätische Entsprechungen1, der Schweizer Astrologe Bruno Huber Ortshoroskop2. Bekannt ist mir dieses Häusersystem bereits seit drei Jahrzehnten, doch seinen mundan-astrologischen Nutzen erkenne ich erst in neuerer Zeit.

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Das Häusersystem ist aus astrologisch-psychologischer Sicht ein Abbild der (Um-)Welt, in die der Mensch hineingestellt ist. Jeder Mensch läuft stets mit seinen Geburtskonstellationen durch die Welt, durch Raum und Zeit. Gleichzeitig besitzt auch jeder Ort auf der Erde sein eigenes Häusersystem – das Orts-Häusersystem, das am geographischen Koordinatensystem abgelesen werden kann (zur Berechnung → Das Ortshoroskop). In diesem System können die Geburtsplaneten in anderen Häusern liegen als in der Radix. Die Anlagen des Betroffenen werden so entweder verstärkt nachgefragt und damit gefördert, oder sie können ignoriert, vernachlässigt oder sogar unterdrückt werden.

Ein Beispiel ist der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble, heute der dienstälteste Abgeordnete des Deutschen Bundestags. Er begann seine politische Karriere in der provisorischen Bundeshauptstadt Bonn. Der Orts-Aszendent liegt dort auf 1°10‘ Löwe, das MC auf 7°44‘ Widder. Die größte Resonanz erhalten Planeten auf einer Häuserspitze (GOH oder Kochhäuser). Dies sind bei Schäuble der Mond auf der 6. Hausspitze und Uranus auf der 11. Hausspitze. Außerdem Chiron auf Spitze 2.

Schäuble war Helmut Kohls Wunschkandidat für dessen Nachfolge im Jahr 2002, doch diese Hoffnung zerschlug sich mit der verlorenen Bundestagswahl 1998. Der Orts-AP stand damals im Quincunx zum Stellium zwischen Sonne, Neptun und Mars und im Trigon zum GZ. In Helmut Kohls Ortshoroskop für Bonn überlief in dieser Zeit der Orts-AP den Radix-Pluto. Der neu gewählte Bundestag zog in die neue Bundeshauptstadt Berlin um. In diesem Ortshoroskop gewinnt Schäuble mehr Macht und Einfluss, denn sein Pluto steht dort exakt auf dem Orts-Aszendenten. Bundeskanzler wurde er zwar nicht, dafür Innen- und später Finanzminister. Als sich im Jahr 2017 beide Alterspunkte im 1. Haus kreuzten, wurde er Bundestagspräsident.

Joschka Fischer profitierte ebenfalls vom Umzug von Bonn nach Berlin, denn dort konnten seine feurigen Anlagen noch stärker zur Geltung kommen. Das Saturn/Pluto/Mars-Stellium in Löwe befindet sich im Bonner Ortshoroskop in Talpunktnähe und rutscht in Berlin näher an den Aszendenten während die Widder-Sonne dort noch enger an die 10. Hausspitze rückt.

Bundeskanzleramt in Berlin (Wikimedia)

Gerhard Schröder profitierte am meisten von der Ortsqualität der neuen Bundeshauptstadt: Pluto sitzt gradgenau auf dem Aszendenten, die Sonne am MC, die vom Orts-AP überlaufen wurde, als er Bundeskanzler wurde. Das imposante postmoderne Gebäude des neuen Bundeskanzleramtes in Berlin bot seinem Machtanspruch die passende Kulisse. Als der Orts-AP über den Saturn lief, stellte Schröder im Bundestag die Vertrauensfrage, um so vorgezogene Bundestagswahlen zu erzwingen. In diesen verfehlte er jedoch die Mehrheit der Stimmen und musste das Amt des Bundeskanzlers seiner Herausforderin Angela Merkel überlassen.

Angela Merkel wurde im ersten Kabinett des wiedervereinigten Deutschlands unter Helmut Kohl zur Bundesministerin für Frauen und Jugend vereidigt. Der Bonner Orts-AP hatte soeben den Deszendenten überlaufen und stand im Quadrat zu Saturn. Vier Jahre später wurde sie Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Ein Ressort, dass der promovierten Physikerin sicher sehr entgegen kam (Orts-AP Konjunktion Mond). Der Umzug nach Berlin war für sie aus astrologischer Sicht von Vorteil, denn die Achse der Kreuzungspunkte des Orts- und Mondknoten-Alterspunktes kommt dort genau auf den Orts-Meridian zu liegen. Der Mond rückt von der TP-Stellung in Bonn an den Invertpunkt des 7. Hauses näher an den Deszendenten. Die beiden Alterspunkte kreuzten sich im Sommer 2008. Zwei Monate später kam es durch die Lehman-Pleite in den USA zu einer globalen Finanzkrise, die sie gemeinsam mit dem SPD-geführten Finanzministerium erfolgreich bewältigen konnte. Dieser Erfolg sicherte ihre späteren Wahlsiege maßgeblich.

Im November 2016 entschied sich Angela Merkel zu ihrer vierten Kanzlerkandidatur. Der Orts-AP stand im Sextil zu Pluto, der im 1. Haus kurz nach dem Talpunkt steht. Vielleicht traf sie ihre Entscheidung aus einer innerlich gespürten Verpflichtung für Deutschland. Vielleicht hat sie ihre Rolle für das Land jedoch auch überschätzt. Die Konsequenzen von unter Pluto-Einfluss getroffenen Entscheidungen können den Menschen eines Tages unverhofft wie ein Bumerang treffen. Dies vor allem dann, wenn persönliche Motive beteiligt waren und Merkel selbst überzeugt war, „alternativlos“ die beste Wahl für Deutschland zu sein. Der Pluto-Einfluss findet sich im Ereignishoroskop ihrer Kandidatur-Bekanntgabe (Pluto am DC), in der FDP-Absage der geplanten Jamaika-Koalition (Pluto am DC → Merkels Schicksalstag), im nach langen Mühen abgeschlossenen Koalitionsvertrag (Pluto Konjunktion Mond → Die neue GroKo) und im Horoskop ihrer Vereidigung (Pluto am DC). Tatsächlich muss Merkel in ihrer vierten Amtszeit die negativen Seiten des Planeten Pluto erleiden. Vorstellbar ist, dass sie mit dem Orts-AP im Einzugsbereich der Merkur/Jupiter-Konjunktion am absteigenden Mondknoten von ihrem Amt zurücktreten wird. Es wäre zumindest aus astrologischer Sicht ein passender Moment, die geleistete Arbeit loszulassen und in andere Hände zu übergeben (→ absteigender Mondknoten).

Als mögliche Nachfolgerin wird Annette Kramp-Karrenbauer³ gehandelt. Die saarländische Ministerpräsidentin wurde vergangenen Februar zur CDU-Generalsekretärin gewählt und hat ebenfalls ein markantes Ortshoroskop in Berlin mit dem aufsteigenden Mondknoten auf dem Orts-AC und Saturn genau gegenüber auf dem Orts-DC. Die Kreuzungsachse fällt hier mit der Mondknoten- und Horizontachse zusammen.

Der aufsteigende Mondknoten in Konjunktion mit dem Aszendenten weist im individuellen Horoskop auf einen Menschen hin, der Schwierigkeiten mit einer überzeugenden,  gewinnenden Selbstdarstellung hat. Im Ortshoroskop könnte diese Konstellation auf einen Aufenthaltsort hinweisen, an dem man sich fremd fühlt, an dem man sich nicht so verhalten kann, wie man es sonst gewohnt ist oder an dem man seine Fähigkeiten nicht gut umsetzen kann. Man fühlt sich vielleicht verkannt,  fremdelt oder bekommt Heimweh. In Saarbrücken liegt der Orts-Aszendent auf 0°00‘ Löwe. Dort stand ihre Saturn/Südknoten-Konstellation nicht so exponiert wie in Berlin. Im kommenden Jahr wird der Orts-AP diese Opposition im Quadrat aspektieren. Das könnte auf intensiv ausgetragene Machtkämpfe in Berlin deuten. Gleichzeitig bietet jeder AP-Aspekt auf die Mondknotenachse Gelegenheit, dem individuellen Entwicklungsziel des Bewusstseins ein Stück näher zu kommen.

Sollte Ursula von der Leyen tatsächlich um ein Uhr nachts auf die Welt gekommen sein, stünde ihr Mond auf dem Berliner Orts-AC, die Sonne auf dem IC. Die Alterspunkte werden sich nächstes Jahr im Berliner Ortshoroskop gegenüberstehen, in unmittelbarer Nähe zu Saturn. Die gleiche Auslösung wird dann auch der fast gleichaltrige Peter Altmaier³ haben.

Jens Spahn3 steht im Ortshoroskop für Berlin noch unter dem Eindruck der Kreuzung beider Alterspunkte im Quadrat zu Chiron, dem „hilflosen Helfer“. Als Bundesminister für Gesundheit ist er mit dieser Auslösung eine stimmige Besetzung. Vielleicht hat der junge Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein Daniel Günther3 (Jupiter Konj. Orts-DC) Ambitionen oder Armin Laschet3 aus Nordrhein-Westfalen (Venus, evtl. mit Mond, Konj. Orts-MC)?

Von sozialdemokratischer Seite ist aktuell nicht viel zu erwarten. Die Partei sucht noch nach einer inneren Neuausrichtung, möchte dabei jedoch ihr neoliberales Prestigeprojekt Agenda 2010 nicht aufgeben. Der Sinkflug dürfte sich weiter fortsetzen. Andrea Nahles hätte gute Chancen auf ein besseres Abschneiden der SPD im planmäßigen Wahljahr 2021 gehabt, wenn ihre Partei in der Opposition geblieben wäre. Im kommenden Jahr wird ihr Mondknoten-AP ihre Sonne überlaufen und 2020 der Orts-AP den Nullpunkt des Zodiaks überqueren, eine gute Zeit für einen selbstbewussten Neuanfang.  Kevin Kühnert3 ist für eine prominente Rolle innerhalb der SPD vielleicht noch zu jung. Im November wird sein Orts-Alterspunkt die Opposition zur Sonne erreichen und Anfang nächstes Jahr die Saturn/Neptun-Konjunktion überlaufen. Vielleicht forciert er in dieser Zeit die innere Neuorientierung der Partei, die im lauten Streit unter Schwestern in Vergessenheit geraten scheint. Vielleicht braucht die SPD auch einen Anstoß von außen, um ihrem sozialdemokratisches Profil neue Konturen zu geben.

Das führt mich zu Sepps Kommentar bei Streit unter Schwestern:

Sarah Wagenknecht, da ist was im Busch. (…) Gibt einige Hinweise, dass die vielleicht doch erfolgreich eine linke Sammlungsbewegung gründen könnte. Dann ist das gegenwärtige Parteiensystem Schrott.

Sahra Wagenknecht Ortshoroskop Berlin

Sahra Wagenknecht3 hat nächstes Jahr im Ortshoroskop für Berlin tatsächlich eine günstige Auslösung. Der Orts-AP wird im September 2019 den Nullpunkt des Tierkreises, die Kosmische Spalte auf 0°00‘ Widder, überlaufen und eine Opposition zur gegenüberliegenden Konjunktion zwischen Jupiter und Uranus auf 0° Waage bilden. Das Bild eines glücklichen Neuanfangs und vielleicht sogar eines Richtungswechsels in der Bundeshauptstadt für eine neue mehr linksorientierte Politik, die neue Lösungsansätze für die kommenden Herausforderungen in der Arbeitswelt und Sozialpolitik findet. Vielleicht inspiriert und beschleunigt dies auch die sozialdemokratische Neuorientierung.

Literatur:
1 Sepharial: Geodetic equivalents.
2 Bruno und Louise Huber: Transformationen – Astrologie als geistiger Weg.
3 Mittagshoroskop (12:00 OZ) wegen unbekannter Geburtszeit. Mondposition kann ± sechs Grad differieren.
Wheatly & Upton: A Natural Meridian for the Geodetic Zodiacal Map

Ein Gedanke zu „Die Ortsqualität der Bundeshauptstadt

  1. Hubert Geißler

    Wagenknecht hats tatsächlich gemacht. Ab 5.8. ist ihr Projekt „Aufstehen“ online. Wenns aber was bringen soll. müsste sie eine Partei gründen. Grüße, Sepp

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