Galaktisches Zentrum

Galaktisches Zentrum, (GZ), astronomisch: der mathematische Mittelpunkt eines jeden galaktischen Systems – speziell jedoch der Zentralbereich unserer eigenen Galaxie oder Milchstraße. Dieses Zentrum unserer Milchstraße unterliegt zur Zeit einer besonders intensiven Forschungsarbeit seitens der Astrophysik. Der Grund dafür ist, dass wir zwar mathematisch einwandfrei und genau dessen Lage in der Milchstraße bestimmen können – aber wir können es nicht sehen, denn es ist durch starke Staub- und Gasschleier, die in unsere Richtung davorliegen, verdeckt, sodass selbst die größten Teleskope nicht durchdringen können. Neuere technische Hilfsmittel jedoch wie Radioastronomie, Infrarotfotographie, CCT-Messung, Speckle Interferometrie u.a.m. haben in den letzten Jahren eine zunehmende Annäherung an das Galaktische Zentrum (GZ) gebracht. Und jetzt (Oktober 1993) ist es endlich gelungen, die Körper im engeren Umraum des GZ durch eine Kombination obiger Techniken sichtbar zu machen.

Sagittarius A* (Wikimedia)

Was bisher, der Logik folgend, häufig angenommen wurde, nämlich dass sich zum GZ hin eine immer dichter werdende Ansammlung von Sonnen befinde, scheint sich jetzt zu bewahrheiten. Eine andere Idee, dass sich im Zentrum ein riesiger Körper (eine Art Über-Sonne) finde, ist eindeutig falsch. Im exakten Zentrum ist kein Körper vorhanden, sondern „nur“ eine unsichtbare Strahlungsquelle und eine Überkonzentration von Gravitation (Schwerkraft). Man vermutet ein „Schwarzes Loch“, aus dem theoretisch wegen der enormen Anziehung nicht einmal Licht herausgelangen kann. Diese neuesten Erkenntnisse liegen an der Grenze des mit den heutigen technischen Mitteln Wahrnehmbaren, und die Messergebnisse unterliegen unserer begrenzten menschlichen Interpretationsfähigkeit. Der letzten Weisheit Schluss haben wir damit also noch nicht in der Hand.

Was aber bedeutet das GZ für die Astrologie? Im normalen Gebrauch – etwa in der Beratung von Menschen mit dem Horoskop – eigentlich wenig, oder auch gar nichts, solange man in dieser Arbeit nicht in tiefenpsychologische oder geistige Bereiche vordringt.

Das ergibt sich schon aus der normalen horoskopischen Logik, denn der Interpretationsrahmen eines Geburtsbildes ist strikte auf die Planeten unseres Sonnensystems beschränkt. Wir beziehen ja nichteinmal die außerhalb des Systems liegenden Fixstern-Konstellationen und die daraus resultierende Zeitalterlehre in die Deutung des individuellen Horoskopes ein. Das trifft bei einem so viel weiter entfernten und auf einer ganz anderen (nämlich der galaktischen) Ebene liegenden Faktor noch viel mehr zu. Das GZ ist der zentrale Lenker eines übergeordneten Systems. So wie die Sonne in unserem Planetensystem durch ihre Schwerkraft und Strahlung die Planeten lenkt und zusammenhält, so lenkt das Selbstbewusstsein des menschlichen Ichs sein persönliches Schicksal. Und das Galaktische Zentrum steht dazu so weit höher geordnet, wie es Gott zum Menschen ist.

Der Mensch kann sehr wohl für das GZ empfänglich sein, und das in zwei verschiedenen Formen: in der tiefenpsychologischen Dimension kann es als „Störfaktor“ bei Planeten wirken, die einen Aspekt (nur 1°-Orb!) zu ihm haben. Das kann zur Egofrustration dadurch führen, dass man mit solchen Planeten (selbst wenn sie stark stehen) nicht den weltlichen Erfolg erzielt, den man anstrebt, oder dass man am Erfolg keine rechte Freude haben kann. GZ-aspektierte Planeten – so zeigt die bisherige Erfahrung – scheinen nur dann gute Resultate zu bringen, wenn eine „höhergeordnete Motivation“ vorliegt, d.h. wenn man damit im Sinne des Allgemeinwohls tätig wird und diesen Planeten nicht zur Egobefriedigung einsetzt. Viele Menschen scheinen solche „kleinen Frustrationen“ einfach zu ignorieren oder zu verdrängen (insbesondere wenn nur einer vorliegt ist das relativ leicht).

Sensitive und echt geistig/religiös eingestellte Menschen hingegen nehmen die „Störwirkung“ des GZ oft schon in der Kindheit oder Jugend wahr und erkennen irgendwann die Notwendigkeit eines Egoverzichts im Zusammenhang mit der entsprechenden Planetenfähigkeit. Dieser Bewusstseinsschritt der Transformation muss aber vollzogen werden. Dann kann der GZ-Aspekt Wegleitung oder gar Inspirationsquelle sein. Ansonsten kann er irgendwann im Leben Probleme schaffen.

Das Galaktische Zentrum steht 2017 auf 27°05‘ Schütze. Es bewegt sich mit der Fixsternsphäre in 72 Jahren um ein Grad weiter im Gegenuhrzeigersinn (kosmischer Drehsinn) oder jährlich um 00°00’50.2“.


aus: Astro-Glossarium – Das ABC der Astrologie von Bruno Huber. API-Verlag.